Sebastian Albrecht
18. April 2019

Theater-Nachwuchs

In der Cumberland wird heute das Stück „Kauern“ gezeigt. Es stammt aus der Feder des Hildesheimer Literaturwissenschaftlers Nitay Feigenbaum

Cumberland, [Writer's Room]

Im Rahmen der Reihe „[Writer’s Studio]“ haben Studierende die Möglichkeit, eigene szenische Texte in der Cumberland einem Publikum vorzustellen, so auch Nitay Feigenbaum

In den USA hat sich schon länger die Erkenntnis durchgesetzt, dass Talent für Autorinnen und Autoren zwar nicht unwichtig, aber eben auch „billiger als Salz“ ist (Stephen King) und ohne Handwerk, Übung und ja, leider auch harte Arbeit, eigentlich nie ausreicht, um sich einen Namen auf dem Schriftsteller-Olymp zu machen. Creative-Writing-Kurse sind hier eine Selbstverständlichkeit und so besuchten auch einige große Schriftstellernnen und Schriftsteller wie Carol Joyce Oates oder T.C. Boyle zu Beginn ihrer Karriere Schreibkurse und gaben später ihrerseits ihr Wissen in Kursen weiter. In Deutschland hingegen wurde und wird der These, Schreiben könne erlernt werden, als sei es eine profane Tätigkeit wie das Fegen eines Hofes, häufig misstraut: Ob alleine im Dach-Kämmerchen, als Weimarer Universalgelehrter oder blässlicher Versicherungsangestellter, der erst posthum zu Weltruhm kommt – Menschen, die schreiben knnen sind allesamt sind Genies, geküsst von der Muse, und der Akt des Schreibens ist fast etwas vom Körper Losgelöstes, etwas Spirituelles. So ist es nicht verwunderlich, dass Kreatives-Schreiben-Kurse im deutschsprachigen Raum erst seit den letzten zehn, zwanzig Jahren im Kommen sind. Wer nicht nur einen Kurs besuchen, sondern Schreiben gleich studieren möchte, hat in Deutschland am Literatur-Institut der Universität Leipzig die Möglichkeit dazu. Und an dem der Universität Hildesheim.

Raus aus der Dachstube und rein in die Vorlesungen, Seminare und Textwerkstätten heißt neben dem Austausch mit den ebenfalls schreibenden Kommilitonen und den Dozenten, die einem beim Erlernen des Handwerks und der Entwicklung des eigenen Schreibens helfen und einen voranbringen sollen, aber auch, mit eigenen Texten und Werken die Öffentlichkeit zu suchen, etwa in eigenen Anthologien wie der „Landpartie“, die jährlich herausgegeben wird und Studentinnen und Studenten des Hildesheimer Literaturinstituts die Gelegenheit bietet, erste eigene Texte zu veröffentlichen.

Auch die Kooperation „[Writer’s Studio]“ mit dem Schauspiel Hannover, die 2018 startete und dieses Jahr fortgesetzt wird, gibt den Studierenden einen Raum, sich schriftstellerisch auszuprobieren und die Ergebnisse zu präsentieren. Sowohl im Seminar als auch vom Schauspielhaus Hannover erhielten die Autorinnen und Autoren auf dem Weg von der Idee bis hin zum fertigen szenischen Text wieder Unterstützung. Im Januar 2019 wurden Ergebnisse in der Cumberland vor Publikum in Ausschnitten in Form einer Szenischen Lesung präsentiert. Außerdem werden monatlich vier der Stücke aus dem Seminar vollständig szenisch umgesetzt.

Heute Abend ist „Kauern“ von Nitay Feigenbaum zu sehen. Erzählt wird die Geschichte eines radikalisierten Deutschlands, in dem die Flucht vor einem rassistischen Mob den türkischstämmigen Mitz in den Hobbykeller seines Arbeitskollegen Tobias treibt, der ihn dort vor der Außenwelt versteckt. Hier bleibt Mitz, während Tobias sich um ihn kümmert und ihm auf dem Laufenden hält. Was Tobias zu berichten hat, gibt wenig Anlass zu Optimismus: Die Stimmung scheint immer schlimmer zu werden und die Welt außerhalb des Kellers immer mehr auf einen Dritten Weltkrieg zuzuschlittern. Doch irgendwann findet Tobias Nachbarin Emma den Weg in den Keller und zeichnet ein gegenteiliges Bild: Von Rassismus und zerstörerischem Chaos könne nicht die Rede sein. Doch wer hat Recht, Emma oder Tobias? Ohne darauf eine Antwort zu wissen, muss Mitz eine Entscheidung treffen, die sich als folgenreich herausstellen könnte…

Donnerstag, 18. April 2019:
Nitay Feigenbaum: „Kauern“, in der Reihe „[Writer’s Studio] – Neue szenische Texte des Literaturinstituts Hildesheim“, Cumberlandsche Galerie, Prinzenstraße 9, 30159 Hannover, Beginn: 20 Uhr, Eintritt: 15 Euro

  • weiterer Aufführungstermin:
  • Mittwoch, 29. Mai, 20 Uhr

(Foto: Pressefoto/Lena Iversen)

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Kategorien: Bühne, Literatur, Tagestipps

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