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Der Ausverkauf beginnt

Abseits – Hannover 96 vor dem Spieltag. Morgen: das Heimspiel gegen den 1. FSV Mainz 05

Niclas Füllkrug

Tschüß, Fülle! Niclas Füllkrug ist nur der erste einer ganzen Reihe von Spielern, die Hannover 96 verlassen werden

Fast wären einem ja die Themen ausgegangen vor dem kommenden Bundesliga-Spiel von Hannover 96 gegen den 1. FSV Mainz 05. Nun, da war zwar am letzten Wochenende endlich mal wieder ein Punktgewinn vergangene Woche, doch die Wahrheit war ja, dass das Team von Trainer Thomas Doll beim 0:0 in Berlin nicht einmal dieser brutal schlechten Hertha einen Sieg abringen konnte. Abgestiegen ist 96 zwar immer noch nicht und wird es vermutlich auch morgen noch nicht sein, doch holen sich die Roten den Gnadenstoß wohl relativ sicher nächste Woche bei den Bayern ab.

Ein krasses Schnäppchen für Werder Bremen

Also nichts Neues in Hannover? Doch, denn der 96-Ausverkauf hat in dieser Woche offiziell begonnen. Immerhin: An das Fehlen einiger Profis konnte sich 96 in dieser Saison bereits schmerzlich gewöhnen. Die langzeitverletzten, aber eben auch für bundesligataugliche Qualität stehenden Spieler Ihlas Bebou und Niclas Füllkrug werden nach dieser Spielzeit den Verein wechseln. Während Bebou wohl, obwohl noch nicht bestätigt, für die vereinsinterne Rekordsumme von vertraglich verankerten zehn Millionen Euro zu Borussia Mönchengladbach wechseln wird, zieht es Füllkrug in seine fußballerische Zweitheimat nach Bremen zurück. Das Blöde daran: Letztes Jahr wollte Gladbach noch 18 Millionen für den Stürmer mit der markanten Zahnlücke auf den Tisch legen, sein Knorpelschaden im Knie und die Situation um Hannover 96 haben den Marktwert aber drastisch sinken lassen. Nun wechselt der Ricklinger Jung für gerade einmal gut sechseinhalb Millionen Euro. Sollte er seine 14 Tore aus der Vorsaison an der Weser bestätigen können, wenn sein Körper mitspielt, dann könnte Werder mit dieser Rückhol-Aktion ein wirklich krasses Schnäppchen geglückt sein.

Krösche sagt ab

Zwei als Leistungsträger gedachte Spieler sind also schon einmal weg. Und derweil wird noch kräftig nach einer Lösung in der sportlichen Leitung gesucht. Für Nachschub im Kader sollte eigentlich Markus Krösche sorgen, der als Ideallösung als Sportchef bei Hannover 96 galt. Krösche ist gebürtiger Hannoveraner und hat durch schlaue, fast kostenlose Transfers dafür gesorgt, dass Paderborns Trainer Steffen Baumgart eine Mannschaft zur Verfügung steht, die nach ihrem Aufstieg in die Zweite Liga im vergangenen Jahr aktuell direkt wieder um den Aufstieg – dieses Mal in die Bundesliga – kämpft. Der SC Paderborn belegt aktuell den dritten Platz im Unterhaus. Doch Krösche sagte telefonisch ab. Dank seiner klugen Entscheidungen hat wohl auch RB Leipzig ein Auge auf ihn geworfen. Und man kann von RB halten was man möchte: Die Perspektive im Brause-Klub verleiht eher Flügel, als andauernd ein Kind im Ohr zu haben.

Beiersdorfer, Boldt oder doch wer anderes?

Für die Position des Sportchefs hält sich weiterhin auch hartnäckig der Name Dietmar Beiersdorfer, ehemals tätig beim Hamburger SV. Beiersdorfer war unter anderem für die erfolgreiche Zeit während der Nuller-Jahre verantwortlich, holte spätere Weltstars wie Rafael van der Vaart und Nigel de Jong zum HSV und generierte ordentliche Transfererlöse mit ihnen. Hannover 96 scheint jedoch eine jüngere Lösung zu bevorzugen. Beiersdorfer ist bereits 55 Jahre alt, und mit Jan Schlaudraff (35) hat erst kürzlich ein junger, ehemaliger 96-Spieler bereits den Weg ins Management gefunden. In Anbetracht dessen würde vieles für Jonas Boldt sprechen. Der 37-Jährige war von 2007 bis 2009 als Scout für Bayer Leverkusen tätig, stieg 2009 zum Chefscout und Assistenten von Sportchef Rudi Völler auf, er entdeckte unter anderem Arturo Vidal und Dani Carvajal. Zur Saison 2014/15 wurde er Manager von Bayer 04, wechselte aber zur letzten Saison in die Leitung der Sportdirektion und arbeitet zur Zeit noch seinen Nachfolger Simon Rolfes ein. Zum 1. Juli 2019 wäre Boldt zu haben, doch ob ein Engagement bei Hannover 96 überhaupt für ihn Frage kommt? Seit Jörg Schmadtke weg ist, wurden in Hannover sieben Trainer – der nächste folgt in Kürze – und drei Manager (Horst Heldt, Dirk Duffner und Martin Bader) verbrannt. Das Kürzel HSV steht für Fluktuation.

Mainz 05 ist zu gut drauf für 96

Würde doch nur die Punkt-Ausbeute von Hannover 96 auch einem ständigem Wechsel unterliegen. Wenn zum Beispiel jedes dritte Spiel von Thomas Doll mit einem Sieg geendet hätte, stünde 96 nun vor dem vierten Dreier, welcher zwölf Punkte bedeuten würde – und damit auch Platz 16. Doch Punkte sucht man vergebens, und gegen Mainz 05 darf man wieder einmal nicht von einem Sieg ausgehen: Der FSV holte aus den letzten drei Spielen zwei Siege und erzielte dabei neun Tore. Bemerkenswert: Bei der 1:2-Auswärtsniederlage in Dortmund waren die 05er in der zweiten Hälfte die spielbestimmende Mannschaft und hätten dem BVB fast noch ein Remis abgerungen. Somit schwant mir eher Böses, selbst wenn die Roten zumindest in der Defensive zuletzt besser standen. Gegen Mainz 05 wird Hannover 96 also erneut daheim mit 0:3 eins auf die Nase bekommen. Die wirklich üble Abreibung und der dann wohl sichere Abstieg folgen aber erst in der Woche darauf in München.

Samstag, 27. April 2019, 15.30 Uhr:
Hannover 96 – 1.FSV Mainz 05

(Foto: Pressefoto/Hannover 96)

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