Susanne Viktoria Haupt
13. Mai 2019

Wohin mit Oma?

Unterhaltsam und nachdenklich: „Das Familienfoto“ von Cécilia Rouaud wird heute im Kino am Raschplatz im französischen Original gezeigt

Bringt nicht nur eine fiktive Familie, sondern auch besondere französische Filmstars zusammen: „Das Familienfoto“, Filmplakat

Dysfunktionale Familien stehen bereits seit Jahren hoch im Kurs. Nicht weiter verwunderlich, denn die klassische und vor allem durch und durch harmonische Familie ist ein Mythos, der sich selten mit der Realität verträgt. Das ist nicht weiter schlimm, denn nach Idealen streben ist ohnehin ein heilloses Unterfangen. Im französischen Filmdrama „Das Familienfoto“ können die drei Geschwister Gabrielle (Vanessa Paradis), Elsa (Camille Cottin) und Mao (Pierre Deladonchamps) davon ein Lied singen. Ihre Eltern Pierre (Jean-Pierre Bacri) und Claudine (Chantal Lauby) haben sich bereits vor Jahren getrennt. Während Vater Pierre durch Abwesenheit glänzte, war die Psychotherapeutin Claudine stets omnipräsent. So konnten ja keine stabilen Persönlichkeiten heranwachsen, zumindest laut Meinung der Geschwister selbst. Gabrielle verdient sich ihr Geld als lebendige Statue in den Straßen von Paris. Elsa hingegen kämpft mit ihrem noch unerfüllten Kinderwunsch, wohingegen Bruder Mao sich immer noch wie ein Kind benimmt und nicht so recht erwachsen werden möchte.

Erst, als ihr Großvater verstirbt, kommt das Trio wieder zusammen, um sich um die von allen dreien geliebte Oma (Claudette Walker) zu kümmern. Die alte Dame hat zwar nicht an Charme verloren, allerdings ist sie so langsam doch in einem Stadium der Altersdemenz angekommen, die es ihr unmöglich macht, den Alltag alleine zu bestreiten. Nun muss sich auf einmal die verstreute Familie zusammenraufen und überlegen, was mit der Oma denn passieren soll. Bei aller Liebe erscheint ein Pflegeheim näatürlich nicht die richtige Adresse zu sein.

Glücklicherweise unterscheiden sich dysfunktionale Familien auf der Leinwand immer in dem Punkt, dass bei ihnen ein bestimmter Auslöser die Wogen wieder glätten kann. Besonders das französische Kino kann das immer ganz gut, und Regisseurin Cécilia Rouaud hat bereits mit ihrem Debüt „Ich habe mich ganz klein gemacht“ gezeigt, dass ihr feinfühlige Familiengeschichten sehr gut liegen. Mit „Das Familienfoto“ bringt sie zudem einige der ganz großen französischen Filmstars zusammen, darunter Vanessa Paradis und Chantal Lauby. Keine schwere Kost, aber durchaus ein Familiendrama, bei dem das ein oder andere Tränchen rollen kann. „Das Familienfoto – Photo de Famille“ ist heute in einer Vorpremiere im Original mit Untertiteln im Kino am Raschplatz zu sehen.

Montag, 13. Mai 2019:
„Das Familenfoto – Photo de Famille“, Drama von Cécilia Rouaud, FR 2018, 99 min., OmU, Kino am Raschplatz, Raschplatz 5, 30161 Hannover, Beginn: 20 Uhr, Eintritt: 9 Euro, ermäßigt: 8,50 Euro

(Foto: Filmplakat)

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Kategorien: Film, Tagestipps

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