Susanne Viktoria Haupt
15. Mai 2019

Die Liebe in Zeiten der Realität

Mit „Jibril“ hat Jung-Regisseurin Henrika Kull echten Mut bewiesen. Gezeigt wird ihr Debüt heute noch einmal im Kino im Künstlerhaus

Neue Geschichten für das europäische Kino: „Jibril“ von Henrika Kull, Filmplakat

Manchmal sind die Geschichten hinter einem Film fast spannender und interessanter als der Film selbst. So auch bei „Jibril“, dem Film-Debüt der Regisseurin Henrika Kull. „Jibril“ ist nämlich nicht nur einfach ihr erster Langspielfilm, sondern eigentlich ihre Bachelor-Abschluss-Arbeit. Das Interessante dabei: Jede Hochschule hat ein bestimmtes Budget, um solche Abschluss-Filme zu finanzieren, allerdings ist der Pott nicht so groß, dass daraus ganze Langspielfilme entstehen könnten. Außer aber, man ist unglaublich mutig und setzt alles für seine Idee ein. Genau das hat Henrike Kull getan und hat aus sehr beschränkten Mitteln 83 Minuten erfrischend neues Kino entstehen lassen. Selbst als ihre Editorin absprang, hat sie sich nicht vom Weg abbringen lassen und schnitt das gesamte Material selbst. Natürlich ohne Vorkenntnisse. Gelohnt hat sich Kulls Einsatz in zweierlei Hinsicht. Zum einen ist „Jibril“ absolut gelungen, zum anderen hat das die Kritiker-Landschaft längst bemerkt. Inzwischen wird Henrika Kull als neue starke weibliche Stimme des europäischen Kinos gefeiert.

Die Story: Maryam (Susana Abdulmajid) lebt in Berlin. Sie ist Irakerin der zweiten Generation, geschieden und Mutter von drei Töchtern. Ihr Leben ist zwar manchmal etwas stressig, aber im Großen und Ganzen erfüllt. Doch genau wie jeder andere Mensch sehnt sich auch Maryam nach etwas Zärtlichkeit. Für eine Freundin soll sie ein Paket zu einem gewissen Jibril (Malik Adan) ins Gefängnis bringen. Im Gefängnis angekommen erkennt sie, dass sie den Insassen Jibril bereits vor einiger Zeit auf einer Hochzeit getroffen hatte. Mit seinem Charme zieht Jibril Maryam in ihren Bann und beide hegen schnell starke Gefühle füreinander. Aber auch, wenn Maryam ein großer Fan von Telenovelas ist, muss sie doch erkennen, dass die Liebe in der Realität leider nicht einfach mal so jede Hürde mit Leichtigkeit meistern kann. Denn wie soll eine Liebe auf Distanz mit einem Gefängnis-Insassen im Alltag funktionieren?

„Jibril“ merkt man weder das geringe Budget an, noch den Umstand, das wirklich alle Beteiligten für diesen Film ohne Gagen gearbeitet haben. Ganz im Gegenteil. Durch den leidenschaftlichen Einsatz aller und das hohe Maß an Professionalität und dem dazugehörigen Mut einer jungen Regisseurin ist „Jibril“ zu einem frischen und energiegeladenen Kino geworden, das weniger Angst vor unkonventionellen Methoden hat und sich auch neuen Geschichten annimmt. Heute ist „Jibril“ noch einmal im Kino im Künstlerhaus zu sehen.

Mittwoch, 15. Mai 2019:
„Jibril“, Drama von Henrika Kull, D 2018, 83 min., Kino im Künstlerhaus, Sophienstraße 2, 30159 Hannover, Beginn: 18 Uhr, Eintritt: 6,50 Euro, ermäßigt: 4,50 Euro

(Foto: Filmplakat)

Wenn Dir dieser Text gefällt, teile den Artikel auf Facebook,
hinterlasse einen Kommentar oder abonniere unseren RSS-Feed!

Artikel drucken

Kategorien: Film, Tagestipps

Kommentiere diesen Artikel