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Wir verstehen nicht

Der Dokumentarfilm „Piripkura“ berichtet von dem unglaublichen Schicksal der letzten beiden Überlebenden eines indigenen Stammes am Amazonas

"Piripkura"

So zwiespältig wie sehenswert: „Piripkura – The Last Two Survivors“

Eigentlich wird mir schon bei dem Titel des Filmes unwohl: „Piripkura – The Last Two Survivors“ handelt davon, dass es noch genau zwei Angehörige des indigenen Piripkura-Volkes gibt – mitten im brasilianischen Urwald. Doch fatalerweise müssen nicht wir reichen Europäer, Amerikaner oder Asiaten uns dafür rechtfertigen, dass es nur noch zwei Überlebende diese Stammes gibt, sondern die beiden Indigenen selbst, denn Rodungen am Amazonas bedrohen ihre Lebenswelt so sehr, dass ihre Zukunft in den Sternen steht und die beiden eigentlich einfach nur noch im Weg sind.

Immerhin: Ganz neu ist das Thema nicht und im Jahre 1998 haben die beiden eine für sie sehr wertvolle Fackel entzündet, die seither beständig brennt und anzeigt, dass das Volk lebendig ist und geschützt leben möchte. Aber zurück zum Film: Jair Candor, der Koordinator der brasilianischen Indigenenschutzbehörde FUNAI möchte im Amazonas-Regenwald im Angesicht von weiteren geplanten Rodungen beweisen, dass die Piripkura tatsächlich noch existieren. Er macht sich auf den Weg, um die beiden letzten lebenden Männer zu finden…

Umumstritten ist „Piripkura“ trotz des unstrittig guten Anliegens nicht: Die Bilder sind unscharf und verwackelt und die Sprachprobleme erschweren letztendlich die Kommunikation der gutmeinenden Filmemacher mit den beiden letzten Piripkuras. Und was sagt uns das, dass es „The Last Two Survivors“ gibt. Ist das eine Heldensaga oder ganz einfach eine Riesenschande, dass es soweit gekommen ist? Andererseits: Genau darum geht es doch – um unser Unverständnis. „Piripkura“ ist so zwiespältig wie sehenswert.

Mittwoch, 8. Mai 2019:
„Piripkura – The Last Two Survivors“, Film-Dokumentation von Mariana Oliva, Renata Terra, Bruno Jorge, Brasilien 2017, 80 min., OmU, Lodderbast, Berliner Allee 56, 30175 Hannover, Beginn: 19 Uhr, Eintritt frei

(Foto: Filmplakat)

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