Sebastian Albrecht
16. Mai 2019

Die US-Wirtschaftspolitik oder: Der Blick auf sich selbst

Welche Auswirkungen Donald Trumps Devise „America First“ auf die USA selbst hat, erörtert Christiane Lemke heute im Theatermuseum

Prof. Dr. Christiane Lemke

Wie wirkt sich eigentlich „America First“ auf die USA aus? Auf diese interessante Frage hat die Politikwissenschaftlerin Christiane Lemke Antworten

„America First“, zunächst klingt das ja recht sinnvoll, sowohl im Allgemeinen als auch im Speziellen. Allgemein bedeutet es ganz profan nichts anderes, als dass die Interessen des eigenen Landes, nämlich die der USA, an erster Stelle stehen, denn was dem eigenen Land guttut, wird, so die Logik oder die Hoffnung, auch der Bevölkerung guttun. Wächst beispielsweise nach dieser Lesart das Wirtschaftswachstum, so wächst auch der Wohlstand in der Bevölkerung. „Make America Great Again“, lautet ein anderer Slogan, den US-Präsident Donald Trump häufig verwendet, um seine Politik und seine Ziele in prägnanten Worten zu umreißen. Im Speziellen scheint Trumps Credo ebenfalls seine Vorzüge zu haben, stehen die Vereinigten Staaten doch nicht erst seit dem zweiten Irak-Krieg unter George W. Bush im Ruf, sich mit nicht immer hehren Zielen in die Belange anderer Nationen einzumischen und dabei die Lage hin und wieder eher zu verschlimmbessern, statt sie zum Wohlgefallen aller – oder wenigstens des Großteils der Weltbevölkerung – aufzulösen. So sympathisierten auch viele außerhalb der USA, denen der kontinuierliche Einsatz als Weltpolizei ein Dorn im Auge war, mit Donald Trump und seine Aussagen im Bezug auf die US-Außenpolitik.

Allerdings ist es nicht ganz so einfach, denn „America First“ bedeutet nicht zwangsläufig die absolute Nichteinmischung seitens der Vereinigten Staaten in die Konfliktherde dieser Welt. Denn auch Trump und seinem Team ist natürlich bewusst, dass – besonders in Zeiten der Globalisierung – kein Land hermetisch vor äußeren Einflüssen abgeschirmt werden kann. Und so wird sich auch weiterhin offensiv in der Außenpolitik betätigt, wie die Beispiele Venezuela und Syrien zeigen. Auch auf „my friend Kim Jong Un“ hat Trump ein Auge, sofern er ihm nicht sein Ohr leiht. Außenpolitische Entscheidungen der USA können sich, wie im Falle des Irans, mit dem der Präsident bisher noch nicht warm geworden ist, schnell auch auf Dritte auswirken, zum Beispiel auf Europa. Nicht davon überzeugt, dass das Atom-Abkommen mit dem Iran zum Erfolg führen kann, kündigten die USA dieses unter Trump 2018 auf und setzen nun Deutschland, Frankreich und Großbritannien unter Druck, nachzuziehen. Aber auch abseits der klassischen Außenpolitik kann „America First“ für andere Länder Nachteile mit sich bringen, denn was gut für die USA ist, muss es nicht für andere Nationen sein – bei konsequenter Auslegung besteht sogar die Gefahr, dass Diplomatie und Kompromissfähigkeit gänzlich einem „Survial of the Fittest“-Ansatz weichen müssen.

Doch nicht nur andere Länder kann „America First“ negativ treffen, sondern auch die Vereinigen Staaten selbst, denn mit Entscheidungen und Maßnahmen in diesem Sinne gehen Auswirkungen einher, die nicht immer im Einflussbereich eigener Handlungen liegen. So werden etwa die Strafzölle gegen China diskutiert: Was in erster Linie die amerikanische Wirtschaft ankurbeln soll, ist zu einem Handelskrieg geworden, da China die Strafzölle nicht einfach hinnimmt, sondern kontert und seinerseits Zölle auf US-Waren erhebt. Die dadurch resultierenden Preiserhöhungen landen am Ende bei der amerikanischen Bevölkerung. Inwieweit der Nutzen von Trumps Strafzöllen deren Nachteile aufwiegt, ist umstritten, auch wenn Trump das erwartungsgemäß natürlich anders sieht. Strafzölle sind jedoch nur ein Beispiel für die neue politische Strategie der USA. Über deren Konsequenzen für Europa wurde bereits viel diskutiert, über die für Amerika selbst eher weniger, weswegen die Frage „Was bedeutet ‚America First‘ für die amerikanische Demokratie?“, der sich die Politikwissenschaftlerin und Expertin für US-Politik, Prof. Dr. Christiane Lemke, heute Nachmittag im Theatermuseum Hannover widmet, eine durchaus sehr spannende ist. Denn der Blick Europas über den Atlantik und das amerikanische Selbstbild divergieren häufig stärker als eigentlich gedacht.

Donnerstag, 16. Mai 2019:
„Was bedeutet ‚America First‘ für die amerikanische Demokratie?“, Vortrag von Prof. Dr. Christiane Lemke, Theatermuseum Hannover, Prinzenstraße 9, 30159 Hannover, Beginn: 15.30 Uhr, Eintritt: 5 Euro

(Foto: CESHarvardEurope/Wikipedia/CC BY-SA 4.0)

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Kategorien: Politik, Tagestipps

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