Lorenz Varga
23. Mai 2019

Die große Abschiedssinfonie

Die letzte Premiere dieser Spielzeit und gleichzeitig die letzte des aktuellen Ensembles des Schauspielhauses: „Rotkäppchen und der Wolf“

Da steht sie, alleine, im gefährlichen deutschen Wald: Rotkäppchen (Sarah Franke)

Es ist ein sagenumwobenes Kleinod der deutschen Literatur: Martin Mosebachs „Rotkäppchen und der Wolf“. Auf knapp 200 Seiten erzählt er ein ganz besonderes „Rotkäppchen“, dessen allgemeinbekannter Plot sonst ja eigentlich recht schnell abgehandelt ist. Doch Mosebachs Versdrama hat es in sich. Hier sprechen nicht nur die handelnden Protagonisten des Märchens, sondern die ganze Welt ist lebendig. Ob Tanne, Zaunkönig, Schuh oder auch der Chor der Fliegenpilze, alles scheint beseelt zu sein und willens, miteinzustimmen in diese große Sinfonie, ein Wort, das Mosebach, neben dem Begriff der Sprach-Oper, selbst benutzt hat. Er wollte einen romantischen Zopf aus Komik und Poesie schreiben, bei dem nicht die Komik die Poesie denunziert, so Mosebach über die Entstehung seines „Rotkäppchens“. Und über Haus-Regisseur Tom Kühnel, der das Stück aktuell für das Schauspielhaus Hannover noch einmal inszeniert, schwelgt Mosebach in den höchsten Tönen und äußerte sich dahingehend, dass er sich keinen besseren für diese Inszenierung vorstellen könnte.

Diese „Rotkäppchen“-Inszenierung ist allerdings weit mehr als eine ganz normale Theateraufführung. Nach zehnjähriger Intendanz von Lars-Ole Walburg geht hier in Hannover eine Ära zu Ende. Bevor sich das Ensemble dann in alle Richtungen zerstreut, stehen bei dieser Aufführung noch einmal alle Schauspielerinnen und Schauspieler gemeinsam auf der Bühne. So wird es auch in diesem Sinne eine große Abschiedssinfonie, ein großes Fest des Erzählens, gepaart mit den Wermutstropfen der Nostalgie. Denn hier verlässt ein außergewöhnliches Ensemble die Stadt, das hier in den letzten zehn Jahren großartige Inszenierungen auf die Bühne gebracht hat. Danke!

Donnerstag, 23. Mai 2019:
„Rotkäppchen und der Wolf: Ein Drama“ Theaterstück von Martin Mosebach, Inszenierung von Tom Kühnel, Premiere, Schauspielhaus Hannover, Prinzenstraße 9, 30159 Hannover, Beginn: 19 Uhr, Eintritt: 23 bis 45 Euro

  • weitere Aufführungen:
  • Freitag, 24. Mai, 19 Uhr
  • Samstag, 25. Mai, 19 Uhr
  • Sonntag, 26. Mai, 19 Uhr
  • Dienstag, 15. Juni, 18 Uhr
  • Eintritt: 15 bis 43 Euro

(Foto: Pressefoto/Niedersächsisches Staatstheater/Katrin Ribbe)

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Kategorien: Bühne, Tagestipps

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