Marcel Seniw
17. Mai 2019

Bye bye, Hannover 96!

Abseits – Hannover 96 vor dem Spieltag. Morgen: das Auswärtsspiel bei Fortuna Düsseldorf

Lichtblick für die Zukunft: Ex-ex-Kapitän Edgar Prib legte gegen Freiburg Ex-Kapitän Waldemar Anton einen Treffer per Freistoß auf

Irgendwie passten die Geschehnisse des vergangenen Bundesliga-Wochenendes zur unglücklichen Saison von Hannover 96. Da bringt die Mannschaft von Trainer Thomas Doll endlich die beste Saisonleistung beim 3:0-Heimsieg über den SC Freiburg auf den Platz, und dann steht ausgerechnet nach dieser der Abstieg in die 2. Bundesliga fest. Die Wolfsburger Schützenhilfe in Stuttgart blieb aus, der VfB rettete sich in die Saisonverlängerung und für Hannover 96 geht es nun einzig und allein darum, sich mit einer weiteren guten Leistung anständig und nicht auf dem letzten Platz stehend aus der Obersten Spielklasse zu verabschieden.

Nun ist es fix: Ihlas Bebou verlässt 96

Zugegeben, der SC Freiburg war gegen Hannover gefühlt schon in der Sommerpause angekommen. Torwart Michael Esser musste nach der Partie wohl noch ein paar Paraden auf dem Trainingsplatz zeigen, um im Rhythmus zu bleiben und Adrenalin abzubauen. Dennoch begleitet eine Prise Wehmut den vergangenen Spieltag, denn gegen den SC sah man, was vielleicht hätte möglich sein können, wenn Edgar Prib und Ihlas Bebou nicht so lang verletzt ausgefallen wären. Vor allem Bebou ist auf dem Platz eine Waffe: Der schnellste Spieler der Bundesliga fehlte nicht nur aufgrund seines enormen Tempos, sondern vor allem aufgrund seiner Stärke im Eins-gegen-Eins. Bebou ist ein Spieler, der mit seiner Kreativität den Unterschied ausmachen kann. Ab der kommenden Saison dann für die TSG 1899 Hoffenheim. Der (Flügel-)Stürmer ist nach Niclas Füllkrug, der bei seinem Comeback letzte Woche mit Pfiffen bedacht wurde, der zweite millionenschwere Deal, der die klamme 96-Kasse füllen soll: Für die vereinsinterne Rekordablöse von zehn Millionen Euro verlässt der 25-Jährige Hannover in Richtung Kraichgau. Den bisherigen Rekord hielt der Spanier Joselu, der für acht Millionen zu Stoke City auf die Insel wechselte.

Esser mit feiner Geste, oder?

Am Samstag trifft Hannover 96 im vorerst letzten Erstligaspiel auf den sicher geretteten Aufsteiger Fortuna Düsseldorf. Am Rhein möchte 96 laut Thomas Doll nochmal alles geben: „Wir werden alles daran setzen, einen vernünftigen Abschied zu haben. Das soll und wird am Wochenende keine Kaffeefahrt werden.“ Ziel sei es, nicht ganz hinten in der Tabelle zu landen und die Leistungen der letzten Wochen nicht in einem Spiel wieder über den Haufen zu werfen, führte Doll aus, der sich besonders über eine Geste seines Torhüters vor dem letzten Spieltag freute. Michael Esser wird gegen Friedhelm Funkels Fortunen nämlich nicht zwischen den Pfosten stehen, er überlässt seinen Startplatz Ersatzkeeper Samuel Sahin-Radlinger, dessen Vertrag am Saisonende ausläuft. Schöne Geste, zweifellos, doch ein gewisses Geschmäckle hat diese Entscheidung schon, wurde Esser zuletzt doch mit einem Transfer nach Düsseldorf in Verbindung gebracht. Daher: Schonung statt Vorspielen beim potenziell neuen Arbeitgeber? Die kommenden Wochen werden es zeigen, doch selbst im Falle eines Esser-Abgangs denke ich, handelt es sich hierbei wirklich einfach nur um eine feine, freundschaftliche Geste unter Kollegen.

War das Dolls Abschied?

Zu einer weiteren freundlichen Geste kam es auf der Pressekonferenz vor der Partie am Samstag, als Thomas Doll sich zum Ende jener bei den anwesenden Journalisten für die Zusammenarbeit bedankte. Er hätte sich das natürlich auch anders vorgestellt, „dass das ein anderes Ende hat. Aber danke für die Zusammenarbeit und bis Samstag“, sagte Doll, nachdem die Pressekonferenz eigentlich schon beendet war, auf sehr authentische Art und Weise. Obwohl sich Martin Kind mit Doll erst nach dem letzten Spieltag zusammensetzen und über dessen Zukunft bei Hannover 96 sprechen wird, klang das doch schon sehr nach Abschied. Doll machte in der Vergangenheit keinen Hehl daraus, dass ihm die nötigen Ergebnisse für eine Beschäftigung über den Sommer hinaus fehlen würden. Und obwohl er es schaffte, 96 zum Ende der Saison hin zu stabilisieren und auch mal wieder Siege einfuhr, kam dieser Umschwung wohl zu spät, um die Granden von einem Verbleib auch in der 2. Liga zu überzeugen. Thomas Dolls Rückkehr in die Bundesliga war leider nicht von Erfolg gekrönt. An seiner Leistung als Trainer lag das jedoch eher weniger: Die gravierenden Fehler, die im Abstieg mündeten, wurden von anderen Protagonisten begangen.

Könnte ein schönes Spiel werden

Was erwartet uns also am Samstag? In erster Linie ein Auswärtsspiel, bei dem 96 endlich mal wieder einen Sieg in der Fremde holen könnte. Zum Abschied aus der Bundesliga noch einen blöden Fluch brechen? Wäre für den avisierten Neuanfang bei den Roten doch schon mal ein guter Anfang. Fußball und Aberglaube gehen schließlich Hand in Hand. Doch auch die Fortuna will sich nicht die Party in der heimischen Arena verderben lassen, schließlich gilt es, den relativ sorgenfreien Klassenerhalt gebührend zu zelebrieren. Daher erwarte ich einen hungrigeren Gegner als den SC Freiburg letzte Woche. Obwohl für beide Klubs die Saison schon vor Abpfiff gelaufen ist, könnte es dennoch ein ansehnliches Spiel werden, das mit einem 2:2-Remis enden wird. Das war es dann erst einmal: Bye-bye, Bundesliga, Hannover!

Samstag, 18. Mai 2019, 15.30 Uhr:
Fortuna Düsseldorf – Hannover 96

(Foto: Pressefoto/Hannover 96)

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Kategorien: Sports

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