- langeleine.de – Das Online-Journal für Hannover - http://www.langeleine.de -

Auf der Suche nach dem Ich

Erzählt eine universelle Geschichte: „Nora – und ihr anderer Name“ von der Theatre Group Heyakeh im Pavillon Hannover

Weit mehr als nur eine Sinnsuche: „Nora – und ihr anderer Name“, Szenenfoto

Wann bin ich ich? Wie lange muss ich gehen, damit ich ich bin? Wo muss ich hingehen und was muss ich durchleben, damit ich in meinem Ich ankomme? Oder ist dieses Ich ein nicht zu erreichendes Stadium? Eine Entität, die vielleicht gerade so das Mindestmaß an Substanzkriterien erfüllt, damit man davon sprechen kann?

Nora, so zumindest ihr derzeitiger Name, sucht sich selbst. Sie kam von Syrien nach Deutschland, um sich selbst zu suchen – und nach Möglichkeiten auch zu finden. Noras Geschichte ist keine klassische Flüchtlingsgeschichte. Der Krieg nimmt demzufolge auch nicht viel Platz ein im Theaterstück „Nora – und ihr anderer Name“. Nur am Rande hört man, wie sich die Personen über das Regime unterhalten. Denn Nora wünscht sich einfach nur ein besseres Leben mit besseren Chancen und einem greifbaren Ich. Ich denke, dass wir das alle sehr gut nachempfinden können. Und ein neues Leben braucht auch einen neuen Namen, denn diese definieren uns. Das wusste schon George Sand.

„Nora und ihr anderer Name“ ist eine Produktion der Theatre Group Hekayeh. Die Mitglieder der Gruppe könnten kaum kosmopolitischer sein. Zwar kommen sie allesamt aus Syrien und haben gemeinsam in Damaskus studiert, aber heute verteilen sie sich über Europa und sind im dortigen Theaterleben ganz gut angekommen. Für Noras Geschichte haben sie die Distanz zwischen den einzelnen Akteurinnen und Akteuren beiseitegelegt und ein Stück entwickelt, das nicht nur eine Protagonistin erschafft, mit der sich auch ihre neuen europäischen Freunde identifizieren können, sondern das gleichermaßen absichtlich auch nur mit weißen Europäern besetzt wurde. Auf diese Weise wird der Kontext von Noras Geschichte so weit aufgebrochen, dass es nicht mehr um das Thema Syrien versus Deutschland, Flucht und Heimat geht, sondern um eine Sinnsuche, eine Suche nach dem Ich, die einigermaßen eine Universalie des Menschseins darstellt. Zu sehen ist „Nora – und ihr anderer Name“ heute und morgen im Pavillon Hannover.

Freitag, 14. Juni 2019:
„Nora – und ihr anderer Name“, Theaterstück der Theatre Group Hekayeh, Kulturzentrum Pavillon, Lister Meile 4, 30161 Hannover, Beginn: 19.30 Uhr, Eintritt: 16 Euro, ermäßigt: 10 Euro

(Foto: Pressefoto/Pavillon Hannover)

[1]
Wenn Dir dieser Text gefällt, teile den Artikel auf Facebook,
hinterlasse einen Kommentar oder abonniere unseren RSS-Feed [2]!