Jörg Smotlacha & Henning Chadde
10. März 2010

„Ganz ehrlich: Ich liebe das Hannoveraner Publikum“

Der Helmstedter Autor, Slam Poet und Verleger Dominik Bartels ist derzeit viel unterwegs. Am kommenden Freitag liest er beim Kulturkiosk. Zeit für ein paar kurze Fragen

Dominik Bartels kann man sicherlich zu den momentan aktivsten Autoren und Live-Poeten der bundesdeutschen Bühnenliteratur-Szene zählen. Es gibt im deutschsprachigen Raum nahe zu keinen Poetry Slam und keine Dichterschlacht, die er mit seiner pointiert beobachteten Prosa nicht bereits beehrt – und oftmals sogar als Sieger verlassen – hätte. So geschehen beispielsweise beim letztjährigen Fährmannsfest-Poetry Slam, wo sich Bartels vor fünfhundert Zuschauern souverän gegen elf dichtende Mitstreiter durchsetzte. Neben der Live-Literatur ist Dominik Bartels zudem als Verleger aktiv und betreibt mit dem Blaulicht Verlag einen kleinen aber feinen Verlag für engagierte Literaturen, die sich den Blick neben die Spuren des Mainstream trauen.

Dominik Bartels liest

Voll in seinem Element: Dominik Bartels live auf der Bühne

langeleine.de: Momentan macht der Name Dominik Bartels auf vielen Lesebühnen und Poetry Slams dieser Republik die Runde. Du reist unermüdlich von Auftritt zu Auftritt, von Slam zu Slam und stehst dabei immer wieder vor einem neuen Publikum. Was macht den Reiz dabei für Dich aus?

Dominik Bartels: Das ist ziemlich einfach zu erklären. Es gibt momentan in Deutschland kein anderes Literaturformat, mit dem man eine so große Zahl an Leuten erreichen kann. Bei Poetry Slams kommen in manchen Städten mehrere hundert Menschen zusammen. Reizvoll ist zudem das unmittelbare Feedback, welches man für seine Texte bekommt. Es bleibt dennoch für jeden Teilnehmer die Frage, ob er sich textlich dem Massengeschmack unterwerfen möchte oder die Chance begreift, vor solch einer Kulisse seine ganz persönliche Art der Literatur zu präsentieren.

ll: Deine Texte betrachten oftmals die abseitigen Absurditäten alltäglicher Geschehnisse und spannen dabei den Bogen von komödiantisch unterhaltsam bis kritisch und sehr ernst. Welches „Textgenre“ liegt Dir mehr und warum?

Bartels: Ich selber denke, dass mir die kritischen und ernsten Texte mehr liegen. Dieses Genre entspricht wohl einfach meinem eigenen Charakter. Trotzdem versuche ich, auch in die humoristischen Beiträge eine gewisse Aussage zu packen. Beim Poetry Slam steht die Unterhaltung des Publikums an erster Stelle, das macht es nicht unbedingt leichter, kritische Anmerkungen unterzubringen. Aber ich bemühe mich…

Dominik Bartels live

Immer noch voll in seinem Element: Dominik Bartels beim Live-Vortrag

ll: Wieviel „Dominik Bartels“ steckt in den Texten und was inspiriert Dich?

Bartels: Mein Grundsatz lautet: Schreibe nur über Dinge, die Dich selbst bewegen, interessieren, ärgern oder sonst wie berühren! Ich spiele keine Rolle und bin auch keine Kunstfigur. Egal ob Lesebühne, Poetry Slam oder Romanlesung, auf der Bühne gibt es immer 100 % Dominik Bartels. Ich meine, das Leben ist Inspiration genug und schreibt noch immer die besten Geschichten. Das klingt abgedroschen, bleibt aber dennoch die Wahrheit.

ll: Was macht Dominik Bartels neben dem Schreiben und Reisen?

Bartels: Ich versuche, den Verpflichtungen eines geregelten Acht-Stunden Arbeitstages nachzukommen. Darüber hinaus habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, die zugegebenermaßen überschaubare Kulturlandschaft Helmstedts mitzugestalten. Das macht oft Spaß, lässt mich aber auch zuweilen verzweifeln.

ll: Du bist ja auch als Verleger tätig. Ein kurzes Statement in knappen Worten zum umstrittenen Urheberrechtsfall „Fall“ Helene Hegemann?

Bartels: In dieser Woche Platz 3 der SPIEGEL-Bestsellerliste…

Dominik Bartels liest live

Hatten wir es schon gesagt? Auf der Bühne voll total in seinem Element: Dominik Bartels

ll: Du bist amtierender Champion des Fährmannsfest-Poetry Slams 2009 und gern gesehener Gast bei Hannovers Dichterschlacht „Macht Worte!“. Was macht für Dich als Helmstedter die Landeshauptstadt und ihr Publikum aus?

Bartels: Ganz ehrlich: Ich liebe das Hannoveraner Publikum. Die Menschen sind nicht nur literaturbegeistert sondern auch sehr, sehr offen für Texte abseits des Mainstreams. Hinzu kommt, dass es in der Landeshauptstadt eine unglaubliche Ballung von großartigen Autorinnen und Autoren gibt. Ich weiß, dass ich mir damit in Braunschweig keine Freunde mache, aber: Für mich ist Hannover das unumstrittene literarische Epizentrum Niedersachsens.

ll: Was können die geneigten Zuschauerinnen und Zuschauer von Dir beim Kulturkiosk erwarten?

Bartels: Zunächst einmal hoffe ich, dass möglichst viele Leute den Weg zum Kulturkiosk finden werden, denn neben mir werden noch andere Künstler auftreten, die allesamt für beste Unterhaltung stehen. Ich werde einige Texte vortragen die Kopf, Bauch und Herz ansprechen sollen. Letztlich möchte ich aber einfach meinen Teil zu einem stimmungsvollen Abend beitragen.

Nicht verpassen:

Dominik Bartels liest am kommendem Freitag, dem 19. März, beim KULTURKIOSK von langeleine.de und präsentiert eine pointiert unterhaltsame Auswahl seiner besten Kurzgeschichten.

(Fotos: Thorsten Dirr / Pressefotos)

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Kategorien: Literatur, Menschen

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