Susanne Viktoria Haupt
18. Juni 2019

Ein Abend mit Rose Ausländer

Im Literaturcafé der Bürgerschule Nordstadt können Interessierte heute das Werk der Lyrikern Rose Ausländer näher kennenlernen

Eine Lyrikern, die eine nähere Beschäftigung absolut wert ist: Rose Ausländer

Als ich einst einen Literaturkurs geleitet habe, sprach mich ein Kursteilnehmer an und fragte, ob ich „Der Meister und Margarita“ von Bulgakow kennen würde. Ich verneinte und er war völlig empört. Als Leiterin eines Literaturkurses müsste ich Michail Afanassjewitsch Bulgakow doch schließlich kennen, er sei ein Klassiker. Es erschien mir überflüssig, meinen Gegenüber dahingehend zu unterrichten, dass man bei aller Liebe nicht jeden Klassiker kennen muss. Auch nicht als Literaturwissenschaftlerin. Ich kenne auch nicht jede rhetorische Figur, nicht jede Trope aus dem FF. Jagt mich ruhig mit Fackeln und Heugabeln, aber so ist es nun mal. Allerdings nehme ich mir häufiger vor, mich endlich mit der ein oder anderen Autorin oder Autor näher auseinanderzusetzen. Ich habe beispielsweise immer noch nicht alles von Albert Camus gelesen und kenne auch noch nicht jedes Werk von Max Frisch. Ich habe bisher nur eine kleine Sammlung von Emily Dickinson und von Jane Austen habe ich bisher nur „Stolz und Vorurteil“ gelesen.

Am besten ist es eigentlich, wenn man sich erst einmal kurz ein Bild von der Person macht, mit der man sich beschäftigen möchte. Ich persönlich greife in diesem Falle gerne zu einem meiner Metzler-Lexika. Manch anderer befragt Wikipedia, obgleich hier immer Vorsicht geboten ist. Aber welche weiteren Möglichkeiten hat man noch? Denn vielleicht möchte man nicht nur einen schnittigen Dreizeiler im Internet lesen, sondern gleichzeitig auch ein paar Nuancen des Werks kennenlernen. Passend dazu gibt es in der Bürgerschule Nordstadt das Literaturcafé mit Tobias Heiner. An jedem dritten Dienstag im Monat setzt Heiner dabei einen Autor oder eine Autorin in den Fokus der illustren Café-Runde.

Heute Abend wird die österreich-ungarische Lyrikern Rose Ausländer vorgestellt. Bekannt wurde sie vor allem durch ihre sehr knappen, biographisch gefärbten und reimlosen Gedichte, die vor allem durch ihren Pathos bestechen. Kein Wunder, denn Rose Ausländer, die von 1901 bis 1988 gelebt hatte, musste lange Zeit ihres Lebens um ihr Leben fürchten. Aus einer jüdischen Familie stammend, litt auch sie unter den grauenvollen Taten der Nazis. Zwischen Aufenthalten im Ghetto, in dem sie den Lyriker Paul Celan kennenlernte, und ihrer Emmigration entstanden ihre eingängigen Texte. Anstatt also ein Lexikon oder Wikipedia zu befragen, können sich Interessierte heute auch einfach im Literaturcafé einfinden und Rose Ausländer durch Tobias Heiner kennenlernen.

Dienstag, 18. Juni 2019:
Literaturcafé von und mit Tobias Heiner: Rose Ausländer, Stadtteilzentrum Bürgerschule Nordstadt, Klaus-Müller-Kilian-Weg 2, 30167 Hannover, Beginn: 19 Uhr, Eintritt frei

(Foto: Wikipedia/gemeinfrei)

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Kategorien: Literatur, Tagestipps

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