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Darf es vielleicht ein bisschen langsamer sein?

Schnell ist nicht immer gut: Beim Herrenhäuser Forum Mensch-Natur-Technik dreht sich heute alles um die Öko-Bilanz der Textil-Industrie

Schnell am Körper, aber oft auch wieder schnell im Müll: Fast Fashion hat zahlreiche Schattenseiten

Man sieht sie eigentlich an jedem Tag in den deutschen Innenstädten: Menschen, die große Tüten voller gerade gekaufter Kleidung durch die Gassen schleppen. In Hannover ist vor allem die braune Papiertüte mit dem blauem Logo häufig vertreten, und ja, in einigen Geschäften kann man für sehr wenig Geld sehr viel Kleidung kaufen. Und das tun die Menschen nicht, weil jeder unbedingt Kleidung für sechs Wochen ohne Waschmaschine benötigt, sondern weil es durch den geringen Kaufpreis einfach möglich ist. Für Menschen, deren Geldbeutel etwas schmaler ist, sind solche Geschäfte natürlich eine gute Möglichkeit, um sich einzukleiden. Und ich möchte dieser Menschengruppe auch keinerlei Vorwürfe machen. Aber oft wird der Weg der sogenannten Fast Fashion auch nur genutzt, um die eigene Kauflust zu stimulieren und durch den Konsum kurzfristig ein Glücksgefühl zu erfahren. Sehr einladend ist außerdem der Umstand, dass die Mode-Ketten, die Fast Fashion betreiben, eben tatsächlich stetig wechselnde Kollektionen anbieten und so immer am Zahn der Zeit und nah an den Trends operieren.

Allerdings haben diese Artikel einige Haken, die nicht zu unterschätzen sind. Zum einen werden sie sehr billig produziert. Das bedeutet, dass die Stoffe keine sonderlich hohe Qualität haben, stark mit Chemikalien versetzt sind und die Arbeiterinnen und Arbeiter, die die Teile produzieren, alles andere als fair bezahlt werden. Durch die mangelhafte Qualität halten die Kleidungsteile dann auch nicht lange und landen ganz schnell wieder im Müll. Fast Fashion eben. Die Produktionsstandorte befinden sich zudem in Ländern, in denen weder Auflagen zu menschlichen Arbeitsbedingungen noch Mindestlöhne ein Thema sind. Meistens im asiatischen Raum. Das bedeutet, dass die Kleidung auch noch einen recht langen Weg zurücklegen muss, bis sie hier in den braunen Tüten landet.

Muss alles eigentlich nicht sein, denn wer sich ein wenig mehr leisten kann, der kann auch auf faire Mode zurückgreifen. Denn hier ist weniger tatsächlich mehr. Hält länger und erhält das gute Gewissen ebenso. Um diese Themen und vor allem auch um die Öko-Bilanz der Fast Fashion-Industrie geht es heute beim Herrenhäuser Forum Mensch-Natur-Technik. Als Fachfrauen für das Thema sind Prof. Dr. Heike Derwanz vom Institut für Materielle Kultur von der Universität Oldenburg und Prof. Dr. Sarah Jastram von der Hamburg School of Business Administration geladen. Im Anschluss an ihre Vorträge kann mit Prof. Martina Glomb vom Forschungsprojekt Slow Fashion der Hochschule Hannover und Kristin Heckmann von hessnatur diskutiert werden.

Donnerstag, 4. Juli 2019:
„Fast Fashion um jeden Preis? Die Öko-Bilanz der Textil-Industrie“, Herrenhäuser Forum Mensch-Natur-Technik, Tagungszentrum Schloss Herrenhausen, Alte Herrenhäuser Straße 3, 30419 Hannover, Beginn: 19 Uhr, Eintritt frei

(Foto: Pressefoto/Volkswagenstiftung/Schloss Herrenhausen)

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