- langeleine.de – Das Online-Journal für Hannover - http://www.langeleine.de -

Grenzsprenger

Im Apollo-Kino läuft heute der allseits gelobte schwedische Film „Border“ von Ali Abbasi

Überschreitet Genre- und Wahrnehmungsgrenzen: „Border“ von Ali Abbasi, Filmplakat

Es gibt Filme, deren Story zunächst einmal irgendwie schlecht umsetzbar klingt. Zumindest nicht ohne die Gefahr, dass sie in Trash abdriftet. Nun mag Trash nicht immer etwas Schlechtes sein, aber in den meisten Fällen ist es nicht das, was ein Regisseur mit seinem Film erreichen möchte. Als ich das erste Mal die Story von „Border“ von Ali Abbasi hörte, war ich hin und hergerissen. Vor mir saß eine Freundin, auf deren Meinung hinsichtlich Film und Literatur ich sehr viel gebe und die ununterbrochen von diesem schwedischen Film schwärmte. Sie hatte ihn bereits im Rahmen einer Vorpremiere gesehen und mir einen Artikel über „Border“ mitgebracht. Ich erinnere mich daran, dass ich sie kritisch beäugte, zu Hause dann aber doch den Trailer anschaute. Und bereits diese kurzen, zusammengeschnittenen Sequenzen ergaben ein Bild, das weit vom Trash oder der Unmöglichkeit der Verfilmung dieser sonderbaren Geschichte entfernt ist, sondern schlicht pures Interesse auslöst. Dem aufgeflammten Interesse nachzugehen, lohnt sich im Fall von „Border“ sogar sehr.

Tina (Eva Melander) ist außergewöhnlich. Nicht nur, dass ihr Gesicht schon etwas Animalisches hat, sie kann auch die Gefühle von Menschen riechen. Sie ist außergewöhnlich stark und hat einen stechenden Blick, der scheinbar jede und jeden durchschaut. Nur gut, dass sie als Zollbeamtin an der Grenze von Schweden und Dänemark arbeitet, denn dort kann sie haufenweise Schmuggler überführen. Eines Tages gelingt es ihr sogar, einen Mann zu stellen, der kinderpornographisches Material mit sich führt. Eine Spur, die Tina fortan gemeinsam mit anderen Beamten verfolgt.

Ruhe und Kraft für ihren anstrengenden Job findet Tina in der Natur. Sie lebt in einem abgelegenen Haus im Wald gemeinsam mit dem Hundetrainer Roland (Jörgen Thorsson), der keine romantische Beziehung mit ihr unterhält. Für Tina scheint Romantik auch unerreichbar zu sein, hebt sich ihre äußerliche Erscheinung doch für sie zu sehr von der Norm ab. Zumindest ist das so, bis sie eines Tages auf Vore (Eero Milonoff) trifft. Genau wie sie hat Vore eine außergewöhnliche Erscheinung und legt ein leicht animalisches Verhalten an den Tag. Tina bietet Vore an, gemeinsam mit ihr auf ihrem Grundstück im Wald zu wohnen. Erst im ganz privaten Kontakt eröffnet ihr Vore, dass er ein Troll ist und Tina auch einer sei. Eine Information, die Tinas Leben völlig verändert…

Das klingt nach sehr viel Stoff für einen einzigen Film. Vor allem wenn man bedenkt, dass auch der Handlungsstrang des Krimis durchweg bedient wird und der Pädophilen-Ring ein zentrales Thema des Films bleibt. Aber „Border“ schafft, was viele Filme eben nicht schaffen. Er lässt die Zuschauerschaft nicht unbefriedigt im Sessel zurück. Und genau wie Tina an den Grenzen von Schweden und Dänemark operiert, spielt auch der Film selbst mit Grenzen. Dabei ist nicht nur unsere Wahrnehmung gemeint, sondern gleichermaßen die Genre-Grenzen und auch die bekannten Grenzen der Erzähltechnik. Mit diesem Konzept und viel Können ist „Border“ zu einem Film geworden, der nicht nur einhellig von der Kritik gelobt wurde, sondern tatsächlich sehr sehenswert ist.

Freitag, 5. Juli 2019:
„Border“, Spielfilm von Ali Abbasi, Schweden 2019, 110 Min., Apollo-Kino, Limmerstraße 50, 30451 Hannover, Beginn: 22.30 Uhr, Eintritt: 7,50 Euro, ermäßigt: 6,50 Euro

(Foto: Filmplakat)

[1]
Wenn Dir dieser Text gefällt, teile den Artikel auf Facebook,
hinterlasse einen Kommentar oder abonniere unseren RSS-Feed [2]!