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Die wahre Aufgabe eines Memes

„Der Club der lebenden Denker“ im Der Nachbarin Café stellt sich heute Abend der großen Frage nach der Philosophie des Geistes

Daniel C. Dennett gilt als einer der führenden Vertreter der modernen Philosophie des Geistes. Heute wird seine neueste Publikation diskutiert

Der Geist, ja was ist er denn nun? Und ist er überhaupt? In der Philosophie zumindest ist das Leib-Seele-Problem an sich ein Problem der ersten Stunde. Schon Aristoteles und Platon haben sich mit der Frage nach Dualismus herumgeschlagen. Sind Geist und Körper voneinander getrennt? Wer beeinflusst hier wen und was von beidem ist eigentlich wichtiger? Von Descartes stammt die charmante Aussage „Cogito ergo sum“. Ich denke, also bin ich. Durch den Umstand, dass wir denken können, sei zumindest unser Bewusstsein bewiesen. Aber immer nur unser eigenes, denn in die Köpfe der anderen konnte auch Descartes nicht schauen. Wenn wir davon ausgehen, dass sich Leib und Seele zwar beeinflussen, aber ansonsten zwei gleichberechtigte Bestandteile sind, stellt sich dennoch die Frage, was der Geist eigentlich ist.

Sicherlich könnte man sich darüber streiten, ob die Seele eigentlich eher in die metaphysische Kategorie gehört oder aber durchaus etwas ist, was dem menschlichen Erfahrungsraum entspricht. Daniel C. Dennett ist nicht nur Philosoph, sondern auch Materialist und einer der führenden Köpfe in der aktuellen Debatte rund um die Philosophie des Geistes. Als Materialist existieren – vereinfacht gesagt – für Dennett nur Dinge, die auch greifbar sind, die ein Material haben. Zudem ist für ihn alles biologisch eben auch erklärbar. Sich verlieben, sich freuen, traurig sein: Alles ist auf Prozesse im Gehirn zurückzuführen.

Nun bedarf es aber natürlich auch noch eines philosophischen Erklärungsansatzes für das Denken allgemein – und genau hier kommen wir auf die Meme zu sprechen. Normalerweise denken wir bei Meme an lustige Internet-Bilder. In diesem Falle sind Meme aber sozusagen fremde Kräfte, die unsere Denkprozesse bestimmen und damit eben auch den Gestaltungsprozess, den wir in Gang setzen können. Es war also nicht Bach, der seine Präludien komponiert hat, sondern die Meme. Damit bricht Dennett nicht nur mit etwaigen Genie-Theorien und auch mit der psychologischen Kreativitätsforschung, sondern irgendwie auch mit seinem Materialismus. Denn zumindest im kurzen Überblick wirken seine Meme nicht wie etwas, was wirklich greifbar ist.

Wer mehr über Daniel C. Dennett, seine neuesten Publikation „Von den Bakterien zu Bach – und zurück: Die Evolution des Geistes“ oder allgemein über die Philosophie des Geistes wissen möchte, ist heute Abend herzlich zum Club der lebenden Denker im Der Nachbarin Café eingeladen. Hier treffen sich alte und neue Philosophie-Fans und diskutieren regelmäßig große und aktuelle Fragen der Philosophie.

Dienstag, 2. Juli 2019:
Der Club der lebenden Denker, Öffentliche Philosophie bei Faust. Thema: „Von den Bakterien zu Bach – und zurück: Die Evolution des Geistes“, Kulturzentrum Faust, Der Nachbarin Café, Zur Bettfedernfabrik 3, 30451 Hannover, Beginn: 19 Uhr, Eintritt: 5 Euro

(Foto: Buchcover)

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