Jörg Smotlacha & Henning Chadde
17. März 2010

„Songs müssen sehr, sehr lang und sehr, sehr einfach sein“

Bartender Swing und Crooner Blues: Übermorgen präsentiert das Duo Bartel & Biging erstmals in Hannover ihr neues Programm. Ein Interview

Stephan Bartel gehört in der hannoverschen Musik-Szene seit vielen Jahren zum absoluten Wohlfühl-Inventar. In den Neunzigern bezirzte er sein Publikum italienisch al dente mit dem Duo Super Italia und mannigfaltigen Side-Projekten. Zudem trashte er musikalisch kongenial mit der Bad-Taste-Truppe Roy Brenningmeiers Hit-Transporter durch die Landen. Ein äußerst waghalsiges Unternehmen am Rande des guten Geschmacks, gefolgt vom swingenden Rockorchester Antipasti 2000. Aus dieser Zeit kennt Bartel den Ex-Weather or.. Käng-Musiker Biging. Zusammen widmen sie sich nun als Bartel & Biging ausgewählt gediegenen Gefilden von Jazz, Swing & Co. – natürlich mit der gewohnt eigenen Entertainment-Note und dem ein oder anderen sexy Augenzwinkern. Höchste Zeit für ein paar wohlfeil platzierte Fragen.

Bartel & Biging

Äußerst entertainmenterfahren: Bartel & Biging (von rechts)

langeleine.de: Sehr geehrter Herr Bartel, leider zeigte sich Herr Biging zu diesem Interview-Termin verhindert. Da Sie ihn aber quasi im Herzen tragen, gehen wir doch richtig in der Annahme, dass Sie durchaus auch für ihn antworten?

Bartel: Aber sicher… Ich gehe hundertprozentig davon aus, dass er es niemals zu Gesicht bekommen wird.

ll: Sehr schön, umgekehrt wäre es ja vermutlich genauso. Da zeigt sich einmal mehr die altbekannte Dynamik moderner, aufgeklärter Musiker-Duos. Herr Bartel, läuft es denn bei der gemeinsamen Songauswahl ähnlich gleichberechtigt?

Bartel: Aber sicher. Ganz demokratisch. Das heißt in der Praxis, dass Herr Biging genauso wie ich Songs vorschlagen darf. Ich sage dann: Besorg mir doch mal eine Aufnahme, damit ich das Lied mal hören und üben kann. Er sagt dann: Klar, kann ich machen! … Meist spielen wir den Song dann nicht. Aber die Möglichkeit besteht – rein theoretisch.

ll: Welche Kriterien muss ein Song mitbringen, um vor dem wachsamen Musiker-Auge der Herren Bartel & Biging zu bestehen? Und wie schafft er es in ihr gemeinsames Programm?

Bartel: Die Songs müssen sehr, sehr lang und sehr, sehr einfach sein. Damit wir ohne viel zu proben ein abendfüllendes Programm auf die Beine stellen können.

Biging

Hat viele Stärken, auch im Abwesendsein: Pianist Biging

ll: Herr Bartel, wie sieht eine typische Bartel & Biging-Probe aus? Und wie bereiten Sie sich auf die enormen Belastungen eines Bühnenauftrittes körperlich vor?

Bartel: Unserer Proben verlaufen ganz normal wie bei allen anderen Musikern auch: Nackt vor einem großen Spiegel, und nebenbei läuft eine Aufzeichnung von „Germany’s Next Top Model“. Vor Auftritten trinke ich meist, bis ich die Belastungen nicht mehr spüre. Aber kein Bier: davon muss ich rülpsen.

ll: Welchen künstlerischen Rat geben Sie als gestandener Swing-Crooner unserem frisch gebackenen Eurovisions-Goldkehlchen, der jungen Lena Meyer-Landrut, mit auf ihren Weg nach Oslo, Herr Bartel?

Bartel: Regelmäßig zweimal am Tag die Zähne putzen (abends länger), Zahnseide benutzen und nicht soviel rauchen. Diese Interdental-Bürsten bringen auch was. Dann hat sie – und das ist viel wichtiger – auch nach dem Grand Prix gute Chancen, sich langfristig im Musik-Business zu etablieren. Nichts ist unglaubwürdiger als ein Popstar mit falschen Zähnen.

ll: Herr Bartel, Sie sind ja durchaus bei dem ein oder anderen öffentlichen Gucken unseres Stars für Oslo gesehen worden. Eine persönliche Frage, die sie aus Gründen der Diskretion natürlich nicht beantworten müssen: Würde es ein Song wie „Satellite“, mit dem die Landrut ja nun für Deutschland in der norwegischen Kapitale antritt, in das Sanges-Programm von Bartel & Biging schaffen?

Bartel: Durchaus. Wir müssten ihn natürlich enorm strecken und umarrangieren… Teufel auch, Ihr bringt mich da auf eine Idee…

Bartel

„Ganz normal wie andere Musiker auch“: Chef-Crooner Stephan Bartel

ll: Eine letzte Frage, Herr Bartel, eine wichtige Frage: Was dürfen denn die Zuschauerinnen und Zuschauer am Freitag beim Kulturkiosk von Bartel & Biging erwarten?

Bartel: Eine 35-minütige Extended-ultra-slow-Version des Grand-Prix-Titels „Satellite“. Als Zugabe gegebenenfalls das gleiche Stück als Instrumental mit Blockflötensolo… Hach, schön wär’s, aber das schaffen wir nicht mehr. Vielleicht ein anderes Mal. Ganz im Ernst: Meine größte Befürchtung ist, dass unser leichtfüßiges Repertoire dem Kulturanspruch dieser Veranstaltungsreihe nicht ganz gerecht werden könnte. Ich werde deswegen einige selbstgeschriebene Gedichte aus meiner Studienzeit einstecken. Zur Not funktioniere ich das Konzert dann in eine Lesung um.

ll: Herr Bartel, wir danken für dieses Gespräch. Unsere besten Wünsche und Grüße bitte auch an den Herren Biging.

Bartel: Falls ich ihn noch vor Freitagabend treffe, werde ich ihm die Grüße ausrichten.

Nicht verpassen:

Die Herren Bartel & Biging besuchen am kommendem Freitag, dem 19. März, den Kulturkiosk von langeleine.de und geben die größten Evergreens ihrer Bandgeschichte und die unglaublichsten Cover-Versionen zum Besten – feinster Swing, Blues und Pop von Tom Waits bis Frank Sinatra.

(Fotos: Pressefotos)

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Kategorien: Menschen, Musik

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