Susanne Viktoria Haupt
14. August 2019

Darauf einen Royal mit Käse

Quentin Tarantino feiert mit „Once Upon a Time in Hollywood“ ein starkes Comeback und erinnert an turbulente Zeiten an der amerikanischen Westküste

Quentin Tarantinos „Once Upon a Time in Hollywood“ ist heute im Kino am Raschplatz als Vorpremiere im Original mit Untertiteln zu sehen, Filmplakat

Eigentlich ist es unsinnig, eine Ankündigung für einen neuen Film von Quentin Tarantino zu verfassen. Denn Tarantino braucht keine Werbung, die Werbung braucht Tarantino. Aber auf seinen neuen Film „Once Upon a Time in Hollywood“ freue ich mich persönlich trotzdem so sehr, dass ich unbedingt diese Ankündigung schreiben wollte. Zum einen, weil mit Brad Pitt und Leonardo DiCaprio zwei unfassbar gute Schauspieler Teil des Casts sind. Früher fand ich beide ziemlich langweilig, ich konnte mit Streifen wie „Titanic“ oder auch „Rendezvous mit Joe Black“ nichts anfangen. Als ich dann aber „The Wolf of Wallstreet“ sah, war ich plötzlich voll und ganz von DiCaprio überzeugt. Und dank „Ocean’s Eleven“ wurde ich nicht nur zum Brad Pitt-Fan, sondern auch zum Fan vom großen Coup. Aber Tarantinos neues Baby ist nicht nur deswegen sehenswert, sondern auch, weil es sich einem besonders wilden Zeitalter Hollywoods widmet.

Aber zur Story: Wir schreiben das Jahr 1969 und begleiten den Schauspieler Rick Dalton (Leonardo DiCaprio) und sein Stunt-Double Cliff Booth (Brad Pitt) bei ihrem Versuch, endlich Fuß in Hollywood zu fassen. Nur gut, dass Rick der Nachbar der erfolgreichen Schauspielerin Sharon Tate (Margot Robbie) ist. Durch diesen Umstand erhofft er sich durchaus einige Vorteile auf dem Markt. Doch dann wird es böse, denn Ende der 1960er-Jahre war eben auch die Zeit der Sekte rund um Charles Manson. Und nicht nur die Sektenmitglieder, sondern vor allem ihre grausamen Taten sind bis heute nahezu beispiellos in den Köpfen der Menschen fest verankert. Manson, der 2017 im Gefängnis starb, ist bis heute Gegenstand der Popkultur. Sharon Tates trauriges Schicksal jährt sich dieses Jahr zum 50. Mal.

Als neunten, und damit – so zumindest die Aussage von Quentin Tarantino selbst – vorletzten Film überhaupt, hat sich der Erfinder des Big Kahuna-Burgers also die Manson Family als Stoff ausgesucht. Keine leichte Sache, aber eine, die Tarantino durchaus Herr werden kann, zumal sie nicht die Hauptrolle in „Once Upon a Time in Hollywood“ spielt. Neben der wahren Begebenheit, den zahlreichen Retro-Elementen und der Besetzung, ist an dieser Stelle auch Tarantinos Haltung hinsichtlich der Filmproduktion und Harvey Weinstein zu thematisieren. Nach Bekanntmachung der zahlreichen sexuellen Übergriffe durch die Produzenten-Größe Weinstein, kündigte Tarantino umgehend seinen Produktionsvertrag mit Weinstein. Ein Tarantino kann auf einen Weinstein zum Glück locker verzichten. Es gibt Momente, in denen muss man Haltung zeigen. Sein vermeintlich vorletztes Meisterwerk zeigt das Kino am Raschplatz heute als Vorpremiere. Damit auch möglichst viele Menschen Platz finden, wurde sogar ein zweiter Saal freigeschaufelt. Und wer danach noch mehr Lust auf Tarantino-Flair hat, der darf zum Lodderbast laufen, denn dort wird exakt um Mitternacht der Klassiker „Pulp Fiction“ gezeigt. Darauf einen Royal mit Käse.

Mittwoch, 14. August 2019:
„Once Upon a Time in Hollywood“, Drama von Quentin Tarantino, Vorpremiere, USA 2019, 165 min., OmU, Kino am Raschplatz, Raschplatz 5, 30161 Hannover, Beginn: 20.30 Uhr, Eintritt: 10 Euro, ermäßigt: 9,50 Euro (Aufpreis wegen Überlänge)

(Foto: Filmplakat)

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Kategorien: Film, Tagestipps

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