Susanne Viktoria Haupt
19. August 2019

Weil Kunst auch Freiheit bedeutet

Zum ersten Mal findet das chinesische Open Performance Art Festival außerhalb Chinas statt – und das dank der Kuratorin Ilka Theurich gar in Hannover

Nicht nur Gründungsmitglied des Festivals, sondern auch Performance-Künstler: Chen Jin aus China

Kunst ist Freiheit. Das klingt jetzt sehr nach viel Pathos, aber so ist es eben. In der Kunst kann der Mensch so frei sein wie nirgends sonst. Und dazu gehören eigentlich alle künstlerischen Formen. Vorausgesetzt, man verletzt damit andere Menschen nicht. Ansonsten kann der Mensch sich auf künstlerische Art und Weise ganze Welten erschaffen. Er kann die Naturgesetze in seinen Romanen außer Kraft setzen und blaue Pferde über die Leinwand galoppieren lassen. So ist die Kunst nun mal. Daher ist dies auch immer eine der ersten menschlichen Ausdrucksformen, die vom Staat und rückständigen Kräften in ihrer Freiheit beschnitten wird. Denken wir nur einmal an die Bezeichnung „Entartete Kunst“ zurück, mit der man während des sogenannten Dritten Reichs massenhaft Künstlerinnen und Künstler verbot, verfolgte, ermordete und sogar ihre Werke zerstörte. Der Künstler hinter den blauen Pferden teilte dieses Schicksal.

Seit dem Jahr 2000 findet in China das wunderbare chinesischen Open Performance Art Festival statt. Im Rahmen dessen soll zum einen die Bandbreite der chinesischen Performance-Kunst gezeigt werden, aber auch ein Austausch mit dem Publikum stattfinden. Für die Kuratoren Chen Jin, Shu Yang und Zhu Ming jedes Mal ein großer Aufwand, der sich aber absolut lohnte. Nun allerdings ist diese Form der Kunst von Staatsseite aus in China immer weniger erwünscht. Sie sei zu „provokativ“. Zu viel Offenheit, zu viel Unabhängigkeit, zu viel Freiheit in der lebendigen Performance-Kunst. Und vor allem zu viel Austausch mit anderen frei denkenen Künstlerinnen und Künstlern aus anderen Ländern. Über die Jahre hinweg hat sich aber genau dieser Umstand eine große Fan-Base auf der ganzen Welt erarbeitet.

Daher erhält das Traditions-Festival bei seiner 20. Auflage Unterstützung und Hilfe aus Deutschland und der Schweiz. Und wir dürfen die Künstlerinnen und Künstler Chen Jin (China, Gründer des Festivals), Hu Yefei (China), To Yeuk (China), Fausto Gracia (Mexiko), Johannes Gerard (Niederlande), Carlotta Oppermann (Hannover), Lotte Lindner und Till Steinbrenner (Hannover) in der Landeshauptstadt begrüßen. Sie alle sind dem Ruf der Kuratorin Ilka Theurich gefolgt und eröffnen heute im Pavillon Hannover das Festival. Und wer nach diesem lebendigen Abend noch nicht genug hat, der kann sich die kommenden zwei Tage noch an anderen Orten wie der Turba Gallery und dem Studio: Ilka Theurich im Kulturzentrum Faust austoben.

Montag, 19. August 2019:
20. Open International Performance Art Festival, Kulturzentrum Pavillon, Lister Meile 4, 30161 Hannover, Beginn: 18 Uhr, Eintritt frei

Das gesamte Programm und alle weiteren Infos:
20. Open International Performance Art Festival.

(Foto: Pressefoto/Chen Jin)

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Kategorien: Kunst, Tagestipps

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