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Doublebass-Gewitter und Schweiß-Regen

Die US-amerikanische Death Metal-Combo Misery Index im Lux. Eine Rezension

Misery Index

Sorgten auch zu dritt für ein erstklassiges Konzert: Misery Index

Deutschland hat momentan nicht nur mit brachialer Sonneneinstrahlung zu kämpfen, sondern auch mit einer musikalischen Attacke. Überall im Land hat die Festival-Saison Einzug gefunden und überflutet die Landschaft mit ballernden Metal-Kapellen. Ein Umstand, dem man nicht entgehen kann und eigentlich auch nicht möchte. So kam es, dass vor kurzem die Death-Metal-Giganten von Misery Index im beschaulichen Lux vorbeischauten und den Laden kurzentschlossen zum Beben brachten. Aber von vorn.

Den Anfang machten die Melodic-Death-Metal-Spezialisten von The Black Court. Die Hannoveraner bestehen mittlerweile seit einigen Jahren und haben sich mit ihren mehr als soliden Live-Shows in der lokalen Szene einen ziemlichen Namen gemacht. Außerdem ist der gefühlte drei Meter große Frontmann Oskar eine ziemliche Rampensau, der mit seiner rotzigen Art zu unterhalten weiß. Pünktlich nach der Tagesschau, um Viertel nach Acht kamen The Black Court auf die Bühne, um diese im fast selben Atemzug zu zerlegen. Musik, Auftritt, Charisma – alles stimmte. Dass die Bühne zu neunzig Prozent von den Drumsets der beiden Bands des Abends zugestellt war, sollte für die Truppe kein Problem darstellen. Sänger Oskar hat sich kurzentschlossen vor die Bühne ins Publikum gestellt und seine Anekdoten von da aus in die Menge gepfeffert – groß genug ist er ja.

Nach kurzer Umbaupause und Frischluft-Kur – das Lux hatte sich innerhalb kürzester Zeit in eine Sauna verwandelt – ging es weiter mit den Helden des Abends. Während ich noch auf den vierten Mann beziehungsweise zweiten Gitarristen wartete, fing die Band bereits mit ihrer Zerstörungsorgie an. Wenig später folgte dann die Aufklärung des Vermisstenfalles: Gitarrist Mark Kloeppel musste wegen eines familiären Notfalls spontan zurück in die Staaten. Für Hardcore-Fans sicherlich ein kleines Ärgernis, aber menschlich verständlich ist das allemal. Eines war den anwesenden Metalheads aber schnell klar: Es geht auch ohne. Denn trotz ausbleibender zweiter Gitarre zelebrierten Publikum und Band ein erstklassiges Death-Metal-Gewitter.

Das warme Klima und der Schweiß an der Decke befeuerten den Bierkonsum zur Freude des Lux merklich, dazu wurde Schulter an Schulter die Haarpracht zum Rotieren gebracht: Death Metal in Reinform! Nach diversen Mosh Pits und überstrapazierter Nacken-Muskulatur war das Schlachtfest nach knapp 45 Minuten auch an seinem Ende angelangt. Glücklich und angetütert ging es für die meisten nach Hause. Und für mich steht wieder einmal fest: Death Metal können die Amerikaner!

(Foto: Roman Kansy)

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