Marcel Seniw
16. August 2019

Für Hannover 96 könnte es schon sehr früh sehr unangenehm werden

Abseits – Hannover 96 vor dem Spieltag. Morgen: das Auswärtsspiel beim SV Wehen Wiesbaden

Blieb mit seiner Mannschaft bisher noch hinter den Erwartungen zurück: 96-Trainer Mirko Slomka

Es ist ja nicht so, dass dieser Fehlstart von Hannover 96 nicht in der Luft gelegen hätte. Nach den Vorstellungen von Jan Schlaudraff und Mirko Slomka wurde uns von den 96-Machern ja fast schon prophezeit, dass eine schwierige Saison bevorstünde. Man müsse nicht unbedingt wieder direkt aufsteigen, auch ein zweites Jahr Zweitklassigkeit wäre kein Beinbruch für die Roten. Nun steht das vierte Pflichtspiel für Hannover 96 in dieser Saison an und Hannover befindet sich schon jetzt in der misslichen Lage, unbedingt gewinnen zu müssen.

Der Mannschaft fehlt die Torgefahr

Die Niederlagen gegen Stuttgart und im Pokal gegen Karlsruhe haben ebenso wie das schwache 1:1 beim Heimspiel-Auftakt gegen Jahn Regensburg gezeigt, dass es der Mannschaft an Punch fehlt. In punkto Torgefahr war das bisher noch zu wenig. Während es gegen Stuttgart und Karlsruhe vor allem an Kreativität aus dem Mittelfeld fehlte, um überhaupt mal gefährlich vor dem Tor zu werden, zeigten sich Hendrik Weydandt und Marvin Ducksch gegen Regensburg trotz diverser Großchancen alles andere als treffsicher. „Henne“ machte seinen Treffer nach Flanke von Ducksch zwar, beide vergaben aber auch jeweils eine hundertprozentige Torchance. Hätte Ron-Robert Zieler nicht einen Elfmeter gehalten, stünde 96 wohl mit null Punkten am Ende der Tabelle. Aufstieg geht anders.

Schneller Krisengipfel

Nach dem Pokal-Aus am Montag in Karlsruhe kam es zwei Tage später bereits zum ersten 96-Gipfel der Saison. Schlaudraff und Slomka trafen sich mit Profi-Boss Martin Kind, um über weitere Transfers und Prioritäten zu debattieren. Ergebnis: Die Mannschaft soll noch verstärkt werden. Auf diese Erkenntnis hätte man allerdings wohl auch innerhalb von fünf Minuten in einem WhatsApp-Gruppen-Chat kommen können. Zumal sowieso geplant war, die Millionen aus einem möglichen Walace-Verkauf zu reinvestieren. Das Treffen der drei 96-Macher wirkte somit wie der erste Krisengipfel – doch besser früh als zu spät, denn das Vorjahr hat gezeigt, dass ein Saisonauftakt auch ganz falsch eingeschätzt werden kann.

Endlich mehr Spielwitz für die Abwehr?

Mit dem Kölner Jannes Horn hat sich Hannover 96 dann auch direkt nach dem Gipfel die Dienste eines ersten Neuzugangs gesichert, und das auf einer ziemlich wichtigen Position, wie ich finde. Horn ist Linksverteidiger, und da mit Miiko Albornoz auf dieser Position wohl noch ein Spieler abgegeben wird und die weitere Alternative Matthias Ostrzolek heißt, hat Horn wohl gute Chancen auf einen Stammplatz. Dank der ersten Spiele von Sebastian Jung auf der Rechtsverteidiger-Position hat man gesehen, dass auch mal Gefahr und Spielwitz von hinten kommen kann. Kein Julian Korb, kein Oliver Sorg haben im letzten Jahr auch nur ansatzweise so viel Gefahr erzeugen können, wie Jung in nicht einmal zweieinhalb Spielen. Jung wird aufgrund einer Adduktorenzerrung allerdings für unbestimmte Zeit ausfallen. Schade, schickte er sich doch gerade dazu an, sich mit seiner Spielweise in die Herzen der Fans zu spielen.

Der Kader ist noch im Umbruch

Es sollen aber noch weitere Spieler folgen. Für die Offensive wird wohl Emil Hansson von Feyenoord Rotterdamm an die Leine wechseln. Hansson kann über die Außenbahn kommen oder im Zentrum agieren, er hat den Medizincheck schon längst bestanden. Nur um die Ablösesumme wird noch geschachert. Dennoch müssen noch weitere Spieler folgen. Von der Gehaltsliste streichen konnten die Roten übrigens Iver Fossum. Der Norweger, der sich bei 96 trotz guter Anlagen nie durchsetzen konnte, wechselt nach Dänemark zu Aalborg BK. Wieder etwas mehr Spielraum für Ablösen und Gehalt. Ein wenig mehr Torgefahr aus dem Mittelfeld, ein weiterer Sechser und ein Innenverteidiger wären wohl noch notwendig, um den Kader zu komplettieren. Und vielleicht sogar ein weiterer Stürmer, allerdings nur dann, wenn es noch einen Manager auf der Welt geben sollte, der wie Horst Heldt gerne Kohle verbrennt und verletzungsanfällige 96-Wandervögel wie Jonathas verpflichtet. Bis zum 2. September haben Schlaudraff und Slomka noch Zeit.

Vor einer schweren Partie

Am morgigen Samstag trifft Hannover 96 nun auf den Aufsteiger SV Wehen Wiesbaden. Die Wiesbadener stehen aktuell auf dem vorletzten Tabellenplatz, unterlagen 96-Bezwinger Karlsruhe 1:2 zum Saisonauftakt und verloren gegen Erzgebirge Aue am zweiten Spieltag 2:3. Im Pokal erzielten sie dann gegen den Bundesliga-Aufsteiger 1. FC Köln beachtliche drei Tore, zogen letztlich aber im Elfmeterschießen den Kürzeren. Wo das Tor steht, scheinen die Wiesbadener aktuell jedenfalls besser zu wissen als die 96er. Es könnte also eine schwierige Partie auf Slomka und seine Mannen zukommen. Dass der Aufsteiger gemäß der eigenen Serie im vierten Pflichtspiel nun vier Tore gegen Hannover 96 erzielt, wage ich zu bezweifeln. Doch vielleicht muss nach der Partie ja schon wieder bei Herrn Kind getagt werden. Bei einer weiteren Niederlage oder einer Punkteteilung könnte es nämlich schon sehr früh in der Saison sehr unangenehm bei Hannover 96 werden. Ich tippe darauf, dass dieser Kelch fürs erste an den Roten vorbeigeht. 96 siegt auswärts das erste Mal seit beinahe zwei Jahren und gewinnt 2:1 in Wiesbaden.

Samstag, 17. August 2019, 13 Uhr:
SV Wehen Wiesbaden – Hannover 96

(Foto: Oleg Dubyna/Wikipedia, Copyright: CC BY-SA 3.0)

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Kategorien: Sports

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