Sebastian Albrecht
22. August 2019

Der Einfluss der deutschen Kolonialgeschichte auf das Dritte Reich

Über die Verbindung von Kolonialismus und Nationalsozialismus referiert heute der Historiker und Afrikaforscher Dr. Jürgen Zimmerer im Haus der Region Hannover

Von Windhuk nach Auschwitz? Beiträge zum Verhältnis von Kolonialismus und Holocaust, Buch von Dr. Jürgen Zimmerer

In seinem Buch „Von Windhuk nach Auschwitz? Beiträge zum Verhältnis von Kolonialismus und Holocaust“ setzt sich Dr. Jürgen Zimmerer mit dem Einfluss des Kolonialismus auf den Nationalsozialismus auseinander, Buchcover

Wer jemals einen alten Keller oder einen spinnenwebenverhangenen Dachboden entrümpeln musste, weiß, dass das Ausmisten auch immer etwas von einem Abenteuer hat. Sicher, nicht im ganz großen Stil wie bei Indiana Jones, schließlich, von Riesenspinnen einmal abgesehen, erwarten auf Dachboden oder im Keller einen eher selten tödliche Fallen wie Giftpfeile, Holzpflöcke, die plötzlich wie Pilze aus dem Boden sprießen, oder riesige Felsblöcke, die einen zu zermalmen drohen. Doch ist es nicht immer bloß Gerümpel, das darauf harrt, im Sperrmüll entsorgt zu werden – der aufmerksame Abenteuer wird auf seinem Streifzug durch Kartons, Stapel und Gegenstände vielleicht auch den einen oder anderen Schatz entdecken können. Alte Hörspielkassetten, Comic-Erstausgaben, Wählscheibentelefone, Gemälde, Radioempfänger, Briefmarkensammlungen, Möbel, Familienfotos der Ururgroßeltern – nicht alles hat unbedingt einen monetären, dafür aber immerhin einen sentimentalen Wert.

Mit viel Glück lässt sich sogar eine grobe, bisher noch unbekannte Familiengeschichte rekonstruieren. Bei der Reise in die Vergangenheit finden sich neben vielen spannenden aber fast zwangsläufig auch unschöne Artefakte. Ein Stoß Liebesbriefe, der eine heimliche langjährige Affäre aufdeckt. Das Parteibuch vom (Ur-)Opa, das zeigt, dass der liebenswerte alte Mann, der von nichts wusste, doch ein hoher Nazi-Funktionär war. Eine kleine Rassenlehre-Bibliothek, eingemottet in Kisten, da sie fürs Wohnzimmerregal als unpassend galt. Und manchmal bietet die persönliche Geschichte so einen anderen Blick auf die Vergangenheit, den der Geschichtsunterricht nicht aufzuzeigen vermochte.

Bei den Begriffen Rassenlehre und Rassenstaat wird häufig an die nationalsozialistische Ideologie und das Dritte Reich gedacht. Das zwölfjährige dunkle Kapitel, ausgelöst durch die Machtergreifung Hitlers, eine Art Unfall, der nun wie ein schmutziger Fleck auf der sonst so glorreichen Geschichte Deutschlands prangt. Dabei kommt Geschichte selten glorreich und ohne schmutzige Kehrseite daher. So erschienen weder Hitler und die NSDAP noch ihre Ideologie aus dem Nichts. Schon bevor er 1933 zum Reichskanzler ernannt wurde, fanden Hitler und seine Partei Unterstützer in der Bevölkerung, auch beispielsweise antikommunistisches und antisemitisches Gedankengut hatten zu der Zeit bereits eine längere Vergangenheit in Deutschland. Gleiches gilt für die Rassenlehre und den Kolonialismus, der meist getrennt vom Nationalsozialismus betrachtet wird, obwohl sich viele Parallelen herstellen lassen, wie der Historiker und Afrikaforscher Dr. Jürgen Zimmerer beispielsweise in seinem Buch „Von Windhuk nach Auschwitz? Beiträge zum Verhältnis von Kolonialismus und Holocaust“. Auch heute Abend im Haus der Region Hannover wird sich Zimmerer mit der Thematik auseinandersetzen: Auf Einladung der Gedenkstätte Ahlem hält er heute Abend den Vortrag „Der deutsche ‚Rassenstaat‘ im 20. Jahrhundert“.

Donnerstag, 22. August 2019:
„Der deutsche ‚Rassenstaat‘ im 20. Jahrhundert“, Vortrag von Dr. Jürgen Zimmerer, Region Hannover, Hildesheimer Straße 18, 30169 Hannover, Beginn: 19 Uhr, Eintritt frei

(Foto: Pressefoto/Buchcover)

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Kategorien: Literatur, Menschen, Politik, Tagestipps

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