Marcel Seniw
14. September 2019

In der Findungsphase

Abseits – Hannover 96 vor dem Spieltag. Morgen: das Heimspiel gegen Arminia Bielefeld

Dennis Aogo

Kann er der neue Mittelfeld-Chef werden? 96-Neuzugang Dennis Aogo

Ach, was war das schön… Es ist Mai 2017. Hannover 96 befindet sich im Aufstiegskampf der 2. Fußball-Bundesliga. Der ärgste Konkurrent von Hannover 96 im Rennen um den zweiten Platz hinter dem VfB Stuttgart heißt ausgerechnet Eintracht Braunschweig. Der BTSV steht vor dem 33. Spieltag aufgrund der um einen Treffer besseren Tordiffenrenz vor den Roten. 96 muss also auf Schützenhilfe hoffen. Und was dann kommt, ist Legende: Denn was Arminia Bielefeld an diesem 14. Mai 2017 mit der Braunschweiger Eintracht auf dem Platz veranstaltete, grenzte schon an psychische Gewalt. Die Arminia zerstörte den Aufstiegstraum einer ganzen Stadt, besiegte die Eintracht mit 6:0 und verhalf so den Freunden aus Hannover zum direkten Wiederaufstieg. Der Rest ist Geschichte.

Fragwürdige Neuzugänge

Während Eintracht Braunschweig derzeit an der Rückkehr in die Zweite Liga arbeitet, ist bei Hannover 96 die Findungsphase in der wahrscheinlich besten Zweiten Liga dieses Universums noch voll im Gange. Die Roten verpflichteten nach Ablauf des Transferfensters mit Marc Stendera (Eintracht Frankfurt) und Dennis Aogo (vereinslos, zuletzt VfB Stuttgart) noch zwei Profis für die Mittelfeldzentrale zum Nulltarif. Der 32-jährige Aogo soll den routinierten Abräumer mit Übersicht geben, Stendera mit seiner Kreativität und Torgefahr neuen Schwung in das bisher ungefährliche 96-Mittelfeld bringen. Einziges Problem: Der 23-jährige Stendera hat in seiner nicht mehr so jungen Karriere (er debütierte bereits als 17-Jähriger im April 2013 gegen den FC Bayern) schon etliche Verletzungen hinter sich, darunter auch zwei Kreuzbandrisse. Dass Stendera weiß, wo in der HDI-Arena die Tore stehen, hat er aber dann doch bereits unter Beweis gestellt. Noch im Trikot von Eintracht Frankfurt erzielte Stendera im Oktober 2015 zwei Tore beim 2:1-Auswärtssieg der Adler in Hannover.

Haarsträubende Fehlpässe

Die beiden Neuzugänge sollen also dafür sorgen, dass Hannover 96 im Mittelfeld stabiler wird und mehr Zug zum Tor entwickelt. Bleibt Stendera fit, kann er zum wichtigsten Transfer der Roten in diesem Sommer werden. Zudem probte Mirko Slomka zuletzt mit Waldemar Anton im Mittelfeld. Es wäre also durchaus denkbar, dass die beiden Kapitäne Marvin Bakalorz und Edgar Prib ihre Stammplätze verlieren. Vielleicht werden beide schon am Samstag gegen Bielefeld mit einem Platz auf der Bank liebäugeln müssen. Denn, so ehrlich muss man leider sein, was die beiden bisher auf dem Rasen anboten, war nicht die große Fußballkunst. Vor allem Bakalorz leistete sich immer wieder haarsträubende Querpässe vor der Abwehr, die einem Trainer das Herz in die Hose rutschen lassen.

96 muss nicht auf Geschenke hoffen

Derartige Böcke sollte Hannover 96 gegen die noch ungeschlagenen Bielefelder tunlichst unterlassen. Die Arminia konnte bislang zwei Siege einfahren und dreimal remis spielen. Darüber hinaus weisen die Ostwestfalen die zweitbeste Offensive der Liga nach dem Hamburger SV auf. Fehler im Aufbauspiel sollten sich „Baka“ und Co. also besser nicht erlauben, denn diese bestrafen die Mannen rund um Braunschweig-Schreck Reinhold Yabo (er erzielte damals drei Treffer gegen den BTSV) rigoros. Und auf Geschenke, wie beim 3:3 in Bielefeld vor fast genau drei Jahren, braucht 96 auch erst einmal nicht zu hoffen: Der Pechvogel von damals, Sebastian Schuppan, der damals in der 45. und 90. Spielminute zwei Eigentore erzielte, spielt mittlerweile für die Würzburger Kickers in der dritten Liga.

Viel Ballbesitz reicht nicht

Auf Geschenke werden Trainer Mirko Slomka und seine Jungs wohl kaum setzen, auch wenn die letzten Spiele gezeigt haben, dass 96 solche besser annehmen sollte. Offensiv war das aber bislang noch ziemlich dünn von den Roten. Mit der Kreativität eines Marc Stendera soll nun alles besser werden. Trotzdem glaube ich noch nicht an die Kehrtwende. Hannover 96 wird es mit einem ganz unangenehmen Gegner zu tun bekommen, der seine Qualitäten in der Offensive hat. Für mich riecht es wieder nach einem engen Spiel in der HDI-Arena. Ich denke, Hannover 96 wird wieder viel Ballbesitz aufweisen können, doch ob daraus auch die nötige Torgefahr entsteht, bleibt nach den letzten Partien abzuwarten. Die Bielefelder werden mit schnellem Umschaltspiel dagegenhalten und die 96-Defensive mit Kontern überrumpeln wollen. Sollte 96 in Führung gehen, glaube ich an ein Remis, sollten die Bielefelder den ersten Treffer setzen, wird Hannover 96 die Partie verlieren. Mein Tipp: Unsere Bielefelder Freunde werden drei Punkte aus Hannover entführen und mit 2:1 triumphieren.

Samstag, 14. September 2019, 13 Uhr
Hannover 96 – Arminia Bielefeld

(Foto: Sven Mandel/Wikipedia, Copyright: CC BY-4.0)

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Kategorien: Sports

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