Susanne Viktoria Haupt
7. Oktober 2019

Engagiert, aber mit Humor

Drama und Komödie – und ein Spiegelbild Nordfrankreichs: Das Kino am Raschplatz zeigt heute „Der Glanz der Unsichtbaren“ im Original

Kein Milieu-Streifen und auch kein Sozial-Report, sondern mehr: „Der Glanz der Unsichtbaren – Les Invisibles“ von Louis-Julien Petit, Filmplakat

Als Regisseur Louis-Julien Petit Claire Lajeunies Buch „Sur la route des invisibles“ las, wusste er sofort, dass daraus sein neuer Film entstehen soll. Er wollte einen Film erschaffen, der endlich jene Menschen zeigt, die von der Gesellschaft nicht wahrgenommen werden: obdachlose Frauen und die Sozialarbeiterinnen, die sie betreuen. Dafür war eine ganze Menge Vorarbeit nötig. Ein Jahr lang begleitete er daher genau diese Menschen in ganz Frankreich. Nur so war es Petit möglich, einen intensiven Einblick in das Leben und die Aufgaben der Frauen zu bekommen. Dennoch war die Umsetzung der Geschichten nicht so einfach. „Der Glanz der Unsichtbaren“ sollte eben keine Milieu-Studie, keine Sozial-Reportage werden. Der Film sollte zeigen, wie es wirklich ist, aber durch starken Humor auch einen Zugang schaffen. Denn Humor ist eine gute Möglichkeit, um Türen aufzubrechen. Auch die Türen des Verständnisses.

In „Der Glanz der Unsichtbaren“ geht es um die Einrichtung „L’Envol“, die sich um obdachlose Frauen kümmert. Aber leider ist die Politik der Meinung, dass die Frauen dort eher verhätschelt werden und die Wiedereingliederung in die Gesellschaft deswegen nicht gelingen kann. Die Zahlen sprechen gegen L’Envol und somit bekommen die engagierten Sozialarbeiterinnen Manu (Corinne Masiero), Hélène (Noémie Lvovsky) und Angélique (Déborah Lukumena) die Schließung der Einrichtung übermittelt. Lediglich drei Monate bleiben ihnen, um ihre Zöglinge auf ein Leben ohne L’Envol vorzubereiten. Möglichst so, dass sie alle auf eigenen Beinen stehen können und die ein oder andere vielleicht wieder einen festen Wohnsitz vorweisen kann. Um dieses Ziel zu erreichen, ziehen die Frauen nicht nur alle Register, sondern auch an einem gemeinsamen Strang. Und ganz nebenbei fassen sie auch noch ein viel höheres Ziel als Wohnräume und Arbeit ins Auge: die Rückgewinnung ihrer Würde.

„Der Glanz der Unsichtbaren“ ist ein Film, der die internationale Presse längst von sich überzeugt hat. Mit viel Herz, Humor und einem Blick für die Schattenseiten der Gesellschaft haben Petit und sein Team einen Film erschaffen, der lange nachhallt. Engagiertes Kino und Komödie in einem. Ob der Film dadurch aber auch die richtigen Menschen erreichen kann, ist fraglich. Wäre dem stets so, würde die Gesellschaft deutlich freundlicher aussehen. Gerade das macht diesen Film aber noch viel sehenswerter. Und zwar heute im Original mit Untertiteln im Kino am Raschplatz.

Montag, 7. Oktober 2019:
„Der Glanz der Unsichtbaren – Les Invisibles“, Drama von Louis-Julien Petit, F 2019, 102 min., OmU, Kino am Raschplatz, Raschplatz 5, 30161 Hannover, Beginn: 20 Uhr, Eintritt: 9 Euro, ermäßigt: 8,50 Euro

(Foto: Filmplakat)

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Kategorien: Film, Tagestipps

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