Susanne Viktoria Haupt
10. Oktober 2019

Was kommt danach?

In ihrem neuen Roman „Kurt“ berichtet Sarah Kuttner heute Abend im Kulturzentrum Pavillon von Verlusten und dem Leben danach

Macht das, was sie gut kann – und dazu gehört eben auch das Schreiben: Sarah Kuttner

Sarah Kuttner kennen die meisten Menschen vielleicht noch aus ihrer Zeit als VIVA-Moderatorin. Oder aber als Radio-Moderatorin. Es steht außer Frage, dass die gebürtige Berlinerin in beiden Dingen wirklich gut war und ist. Sonst hätte sie sich auch niemals diesen Namen gemacht. Weniger bekannt sind allerdings ihre Romane. 2009 las ich Kuttners Debüt-Roman „Mängelexemplar“. Und auch, wenn das Werk nun nicht dem Anspruch von Kanon-Literatur entsprach, war ich dennoch positiv überrascht und erinnere mich trotz zehnjähriger Distanz noch sehr gut an diesen Roman. Im Zentrum stand eine junge Frau, die mehr oder weniger plötzlich einen Nervenzusammenbruch erlitt und fortan unter Depressionen und – noch viel mehr – unter Panikattacken und Angststörungen litt. Kuttner war es nicht nur möglich, die Panik- und Angst-Störungen mit all ihren Symptomen so realistisch darzustellen, sondern sie auch auf eine plausible Ursache zurückzuführen. In diesem Falle ein saftiges Kindheitstrauma. Trotz der schweren Thematik durchzog dieses Debüt ein ungeahnt humorvoller Ton, der keinesfalls pietätlos erschien.

Seit ihrem Debüt hat Sarah Kuttner zum Glück immer weitergeschrieben und inzwischen ihren vierten Roman „Kurt“ veröffentlicht. In diesem Zug ist sie nun auf großer Lese-Tour und macht heute in Hannover im Pavillon Halt. Und auch mit „Kurt“ widmet sich Kuttner wieder den besonders schwierigen Themen. Im Zentrum stehen Lena und Kurt und Kurts kleiner Sohn aus einer vorherigen Beziehung. Nach langer Überlegung zieht die kleine Patchwork-Familie aufs schöne Brandenburger Land und Kurt Junior pendelt zwischen seiner Mama in Berlin und Papa Kurt auf dem Land. Was erst einmal nach einer soliden Lösung klingt, entwickelt sich zum ausgemachten Alptraum. Bei einem Sturz kommt Kurts Sohn ums Leben und fortan stehen dort drei Menschen, die ihn liebten und nun von Trauer zerrissen werden. Kuttner nimmt an dieser Stelle auch wirklich alles mit. Von der implodierenden Trauer bis hin zu den Dingen, die diese kleine verwaiste Patchwork-Familie nun noch zusammenhalten kann. Wer sich von Kuttners ganz eigener literarischen Stimme selbst überzeugen möchte, sollte daher heute dringend die Lesung besuchen.

Donnerstag, 10. Oktober 2019:
„Kurt“, Lesung mit Sarah Kuttner, Pavillon, Lister Meile 4, 30161 Hannover, Beginn: 20 Uhr, Eintritt: 20 Euro, ermäßigt: 17 Euro

(Foto: Pressefoto/Pavillon/Katharina Hintze)

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Kategorien: Literatur, Tagestipps

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