Susanne Viktoria Haupt
21. Oktober 2019

How to be Parisian

Eine Hommage an alle Paris-Träumer und das klassische französische Kino: Das Kino am Raschplatz zeigt heute Nadav Lapids „Synonymes“

Wie einer von vielen kommt Yoav mit einem Koffer voller Erwartungen nach Paris: „Synonymes“ von Nadav Lapid, Filmplakat

Paris ist eine Stadt der Träumer. Tausend Legenden ranken sich darum. Schriftstellerinnen und Schriftsteller und Künstler aller Sparten kamen in die französische Metropole und benutzten sie für die schönsten ihrer Werke als Muse. Betrunken von der Schönheit der Stadt, lässt es sich gut leben und träumen. Man braucht nur ein kleines bisschen nach oben schauen, und schon hat man nur noch die wunderbaren Fassaden und Schaufenster im Blick, die alle so wirken, als wären sie aus einer anderen Dimension gefallen.

Für Yoav (Tom Mercier), den Protagonisten aus „Sysnonymes“, war es klar, dass er unbedingt nach Paris gehen will. In seinem Heimatland Israel hat ihn nichts mehr gehalten. Und eigentlich lässt er an seiner Heimat auch kein einziges gutes Haar. Deswegen ist es ihm auch besonders wichtig, sich voll und ganz zu integrieren und ein echter Parisian zu werden.

Sein Start könnte allerdings nicht holpriger sein. Da er weder Job noch Unterkunft hat, besetzt er kurzerhand eine leerstehende Wohnung. Als er jedoch duscht, wird eingebrochen und man klaut ihm das bisschen Hab und Gut, das er mitgebracht hatte. Nackt und schutzlos irrt er durch das Wohnhaus und wird schlussendlich von Émile (Quentin Dolmaire) und Charlotte (Louise Chevillotte) aufgenommen. Damit ist Yoav aber noch lange nicht am Ende seiner Odyssee. Es will ihm einfach kein sauberer Schnitt gelingen und seine Heimat holt ihn immer wieder sein. Sei es durch seinen Job bei der israelischen Botschaft oder aber durch seinen Vater, der den Weg bis nach Paris auf sich nimmt, um seinen Sohn wieder nach Hause zu holen. Dabei will Yoav doch eigentlich nur endlich seinen Platz in Paris finden. In dieser Stadt, die eigentlich immer etwas zu schön ist, um eine echte Heimat zu sein…

Mit „Synonymes“ hat der in Israel geborene Regisseur Nadav Lapid eine Hommage an die Nouvelle Vague und an das klassische französische Kino erschaffen, die tatsächlich auf die Liste der Filme gehört, die man unbedingt sehen sollte. Für Lapid besteht nämlich der ernsthafte Zweifel, dass die Franzosen sich noch der einstigen Macht ihres Kinos bewusst sind. Und auch, dass sich Paris als Stadt bewusst ist, dass es mit seiner Schönheit stets von seiner wahrhaftigen Seele so sehr ablenkt, dass es fast unmöglich ist, sein „ganz eigenes“ Paris zu finden. Ein Stückchen, dass diese Metropole zur Heimat machen könnte.

In jedem Fall lässt Nadav Lapid seinen Protagonisten Yoav gekonnt auf die Suche gehen. Nach der Macht des Kinos und einem neuen Zuhause. Das läuft vor allem durch Yoavs direkte Hinwendung zur Kamera und seinem Perfektionismus hinsichtlich seiner französischen Sprachkenntnisse. Eine fantastische Tragikomödie, die vollkommen verdient den Goldenen Bären auf der Berlinale mit nach Hause nehmen durfte. Zu sehen ist „Synonymes“ heute im Original mit Untertiteln im Kino am Raschplatz. Passend dazu wird zum Wein-Umtrunk geladen.

Montag, 21. Oktober 2019:
„Synonymes“, Spielfilm von Nadav Lapid, F/D/ISR 2019, OmU, 123 min., Film-Vorführung mit Wein-Umtrunk, Kino am Raschplatz, Raschplatz 5, 30161 Hannover, Beginn: 20.30 Uhr, Eintritt: 9 Euro, ermäßigt: 7,50 Euro

(Foto: Filmplakat)

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Kategorien: Film, Tagestipps

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