Susanne Viktoria Haupt
22. Oktober 2019

Am Rande der Gesellschaft

Eine Gesellschaft definiert sich immer darüber, wie sie mit den Schwächsten umgeht. Im Rahmen des Herrenhäuser Forums wird heute die Situation von Obdachlosen in Hannover thematisiert

Obdachlosigkeit in Hannover

Augen auf für die Obdachlosigkeit: Hannover sollte sich um seine Wohnungslosen kümmern

Obdachlose gehören zum Stadtbild dazu. Egal wie gut das helfende Netz ist, es wird immer obdachlose Menschen geben. Manch einer, das ist für den durchschnittlichen Menschen schwer vorstellbar, lebt sogar freiwillig „auf der Straße“. Die meisten dürften aber über ihre Lage nicht glücklich sein, und für sie ist jeder Tag ein Kampf. Ist man nämlich erstmal so richtig raus aus dem System, ist es sehr schwer, wieder eingegliedert zu werden. Das fängt bereits beim Gang zu Ämtern an, die helfen könnten. Zum Glück gibt es immerhin einige Projekte, die versuchen, obdachlosen Menschen ein wenig Würde und Freude zu bringen und sie genau dort abholen, wo sie sind. Nämlich auf der Straße. Denken wir nur einmal an das Bollerwagen Café, das ehrenamtlich Obdachlose mit warmem Essen versorgt und im Winter mit „Weihnachten im Stoffbeutel“ auch zumindest ein Mindestmaß an Weihnachtsgefühl ohne Dach über dem Kopf vermittelt. Klar, es gibt auch einige Obdachlosen-Quartiere, aber nicht für jeden stellt das eine Option dar. In den Quartieren ist beispielsweise Alkohol verboten. Viele Obdachlose sind aber nun mal süchtig und gegen eine Sucht anzukommen, ist nun mal keineswegs einfach.

Deswegen sind Obdachlose auf alternative Schlafplätze unter freiem Himmel angewiesen. Häufiger sind es Brücken, die Schutz vor Regen bieten. Oder aber große Bänke. Problem ist nur, dass immer häufiger Ordnungsbehörden gegen Obdachlose vorgehen. Obgleich sie ein Teil jeder Gesellschaft sind, möchte man sie einfach nicht sehen. Daher hagelt es gerne Platzverbote. Aber ist das die richtige Art und Weise mit Obdachlosen umzugehen? Menschen noch weiter aus der Gesellschaft zu drängen, die ohnehin schon am Rande und mit dem Rücken zur Wand stehen? Kann eine Stadt überhaupt Kulturhauptstadt werden, wenn sie für die schwächsten Glieder auf beiden Augen blind ist? Die Antwort ist natürlich nein.

Im Rahmen des Herrenhäuser Forums wird heute diskutiert, wie es wirklich um den Umgang mit Obdachlosen steht. Welche Angebote gibt es? Was sollte man noch ausbauen? Wo liegen die offensichtlichen und die weniger offensichtlichen, aber dadurch nicht minder schweren Fehler der potentiellen Kulturhauptstadt? Sind Obdachlose ein Problem oder sollten wir sie vielleicht viel mehr als Teil der Gesellschaft akzeptieren, der eben seine ganz eigenen Räume benötigt? Befragt werden dazu heute Harald Ansen vom Department Soziale Arbeit der HAW Hamburg, Konstanze Beckedorf, Sozial- und Sportdezernentin der Landeshauptstadt Hannover, Werner Buchna, Betreuer der 1. Herrenmannschaft des Hannoverschen Sport-Clubs, Georg Rinke, Geschäftsführer des Asphalt-Magazins und Doktorandin Sandra Wolf von der Fakultät Architektur und Urbanistik der Bauhaus-Universität Weimar. Wie immer beim Herrenhäuser Forum gilt: Der Eintritt ist frei, aber seid früh genug da, die Plätze sind begrenzt.

Dienstag, 22. Oktober 2019:
„Unerwünscht, toleriert oder integriert? Obdachlosigkeit in Hannover“, Herrenhäuser Forum, Tagungszentrum Schloss Herrenhausen, Alte Herrenhäuser Straße 3, 30419 Hannover, Beginn: 19 Uhr, Eintritt frei

(Foto: Pressefoto/VolkswagenStiftung)

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Kategorien: Lokales, Politik, Tagestipps

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