Marcel Seniw
19. September 2019

Alles Slomka, oder was?

Abseits – Hannover 96 vor dem Spieltag. Morgen: das Auswärtsspiel bei Holstein Kiel

Der Gegner hat’s vorgemacht: Wird Mirko Slomka bereits angezählt?

Es steht der siebte Spieltag der Zweiten Fußball-Bundesliga an. Hannover 96 steht in der Tabelle direkt vor Holstein Kiel und dem VfL Bochum. So weit eigentlich alles nach Plan, gehörten die Kieler und Bochumer in den vergangenen Jahren schließlich immer mal wieder zum erweiterten Kreis der Aufstiegskandidaten. Das Blöde an dieser Konstellation: Hinter Holstein Kiel (mit fünf Zählern punktgleich mit 96) und dem VfL (3 Punkte) steht aktuell nur noch Aufsteiger Wehen Wiesbaden (1 Punkt). Die Roten sind also schon wieder fast in der „Redzone“ angekommen, und in die will man eigentlich nur beim American Football geraten und nicht beim „Soccer.

Krisengipfel im Holstein-Stadion

Der kommende Gegner der Roten heißt nun ausgerechnet Holstein Kiel. Man könnte vom ersten Abstiegskracher der Saison sprechen, wenn man denn so früh in der Saison schon von einem solchen sprechen mag. Eigentlich hatte man beide Teams, trotz Umbruch, am anderen Tabellenende erwartet, nun jedoch treffen zwei kriselnde Klubs direkt aufeinander. Man kann aber auch von einem Sechs-Punkte-Spiel oder einer richtungsweisenden Partie schwadronieren. Doch egal, wie man das Spiel am Freitag beschreiben mag, die Quintessenz bleibt gleich: Am Freitagabend kommt es zum Krisengipfel im Kieler Holstein-Stadion.

Der Gegner hat schon den Trainer gewechselt

Holstein Kiel hat sich nach dem schwachen Saisonstart bereits nach sechs Spieltagen von seinem Trainer André Schubert getrennt. obwohl der gerade erst in der letzten Saison die Braunschweiger Löwen vor dem Abstieg in die Viertklassigkeit bewahrte. Fünf Punkte aus sechs Partien waren den KSV-Verantwortlichen zu wenig, sie zogen die Reißleine. Das Schubertsche Traineramt übernommen hat Kiels U23-Coach Ole Werner, der nun für die notwendigen Impulse im Kieler Spiel sorgen soll.

Muss 96 auch aktiv werden?

Gelingt Werner in seinem ersten Pflichtspiel als Chef im Profibereich ein Sieg, würde er wohl dafür sorgen, dass sein hannoverscher Kollege, Mirko Slomka, genauestens auf den Prüfstand gestellt würde. Obwohl das auch schon bei einer Punkteteilung dringlichst angebracht wäre, denn: Wenn ein – und das soll in keinster Weise despektierlich klingen – so kleiner Verein wie Holstein Kiel seine Weichen schon so früh in der Saison neu justiert, weil der eingeschlagene Kurs in eine vollkommen falsche Richtung führt, warum sollte eine derartige Entscheidung nicht auch von einem frisch abgestiegenen Ex-Bundesligisten getroffen werden, der eigentlich ganz andere Ansprüche hegen sollte, als wieder einmal nur um das pure Überleben zu kämpfen?

Mehr Fragen als Antworten

Ich muss ehrlich zugeben, dass mir die Durchhalteparolen, von wegen, die Mannschaft brauche noch Zeit, um sich zu finden, so früh in der Saison schon mächtig auf den Zeiger gehen. Ja, es fand ein Umbruch statt bei Hannover 96. Trotzdem darf man sich aber mehr von einem Bundesliga-Absteiger erwarten. Doch anstatt sich nach der Niederlage gegen Bielefeld vor sein Team zu stellen, zählte Slomka seinen Sturm an. Das Problem sind aber bei weitem nicht die Stürmer, sondern vielmehr die spielerichen Mittel, und insbesondere die Tatsache, dass 96 einfach nicht in der Lage ist, gegen seine Gegner körperlich, mental und spielerisch Mittel zu finden, die zum Erfolg führen. Nur Ballbesitz hatten wir bereits unter Tayfun Korkut. Aber das brauchen wir wohl nicht zu vertiefen. Genug Zeit hatte das rote Trainer-Team jedenfalls, um Antworten auf dem Platz zu entwickeln. Bislang wirken diese jedoch eher wie Fragen.

Schicksalsspiel für Mirko Slomka?

Somit könnte die Partie von Hannover 96 bei Holstein Kiel schon zum Schicksalsspiel für Mirko Slomka werden. Wenn 96 in die rote Zone abrutschen sollte, wäre für mich alles andere als eine Trainerentlassung Augenwischerei. Klar, immer nur auf den Trainer zu hauen, ist auch nicht richtig, doch wenn man sich die letzten Stationen von Slomka anschaut, dann steht eine Sache fest: Erfolgreich sieht anders aus. Der ehemalige Zehn-Sekunden-Fußball ist Schnee von gestern und lässt sich mit der PS-lahmen Truppe auch kaum bewerkstelligen. Zudem wirkt es so, als hätte Slomka nie eine Antwort parat, wenn der eigene Matchplan nicht aufzugehen scheint, was aktuell ja dauerhaft der Fall ist. Von daher glaube ich, werden wir schon bald einen anderen Verantwortlichen an der Seitenlinie von Hannover 96 sehen. Ex-Kiel-Coach Markus Anfang hat man in der Sommerpause nicht verpflichten können. Ob ein zweiter Anlauf bei diesem fähigen Trainer mit klarer Spielphilosophie klappt, wage ich zu bezweifeln. Somit kann man also eigentlich nur hoffen, das Slomka an der Förde das Ruder rumreißen kann, nicht, dass auf einmal ein Michael Frontzeck wieder bei den Roten übernimmt. Das wäre wirklich keinem 96-Fan zu wünschen. Mein Tipp: Die Roten kassieren wieder einen auf den Deckel. Beim 3:1 der Kieler wird sich der SV Holstein aus der Krise ballern und 96 in selbige stürzen. Also, was nun?

Freitag, 20. September, 18.30 Uhr:
Holstein Kiel – Hannover 96

(Foto: Oleg Dubyna/Wikipedia, Copyright: CC BY-SA 3.0)

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Kategorien: Sports

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