Cosma Jo Gagelmann
29. Oktober 2019

Wir sind die Menschen hinter den Zahlen

Heute Abend findet im Pavillon eine Lesung statt, die Gaza als die Stadt zeigt, die sie für ihre Bewohnerinnen und Bewohner wirklich ist

Malak Mattar

Malak Mattar ist eine von vielen Jugendlichen, die an dem Projekt „We are not numbers“ mitgewirkt haben

„Die Welt spinnt“ – „Ich möcht Gaza mögen, es geht aber nicht“ – „Hoffnung“. Dies sind die Überschriften der drei Hauptkapitel des Buches „We are not numbers“. Das im Jahre 2015 begonnene Schreibprojekt beinhaltet Bilder, Gedichte und Geschichten. Es geht um das Leben in der Stadt Gaza, die zum Gaza-Streifen gehört und unter der Besatzung Israels steht. Die Beteiligten schreiben und dokumentieren ihre Gedanken, ihren Alltag, ihre Gefühle sowie ihre Träume. Kurz: ein Stück ihrer Kultur und ihrer Lebensweise. Mit dem Buch wollen die Jugendlichen zeigen, dass Gaza viel mehr ist, als die schlechten Nachrichten, die international für Schlagzeilen sorgen.

Besonders bemerkenswert ist der Einsatz dieser Jugendlichen deshalb, da es auch verständlich wäre, wenn sie sich durch all ihre Erlebnisse nicht in der Verfassung dazu sähen, der Welt zu berichten und die Situation in Ruhe verarbeiten wollen würden. In Europa verbinden wir Gaza leider oft nur mit Armut, schlechtem Trinkwasser, wenig Strom, Toten und grauenhafter Politik. Wir sehen nur die Zahlen der Verletzen, Toten und Alleingelassenen. Das Projekt ermöglicht uns, mehr über das Leben der Menschen vor Ort zu erfahren und hinter die Zahlen zu schauen. So kann es uns gelingen, Verständnis zu entwickeln, um uns in die Lage der Betroffenen hineinzuversetzen. Wie könnte man eine Stadt besser in das richtige Licht rücken, als mit Wörtern, die aus dem Herzen und den Köpfen derer kommen, die diesen Platz ihre Heimat nennen?

Die Projektteilnehmerinnen und -teilnehmer schreiben auf Englisch und um ihre Sprachkenntnisse gleichzeitig zu schulen, stehen ihnen englischsprachige Journalistinnen und Journalisten und Schreibende aus aller Welt bei. Zwei der zwanzig Teilnehmenden präsentieren das Projekt nun im Pavillon. Eine Person davon ist Malak Matter. Sie wurde im Gaza geboren und lebt und studiert nun in Istanbul – dank eines Stipendiums. Mit dem Malen begann sie 2014 und deshalb steuert sie Bilder zu dem ambitionierten Projekt bei, unter anderem das Buch-Cover. Außerdem hat Matter ihre Bilder schon in verschiedenen europäischen Galerien ausgestellt. Ebenfalls anwesend ist Basman Derawi. Er kam im Alter von zwei Jahren aus seinem Heimatland Kuwait nach Gaza. In Gaza arbeitet er für das Gesundheitsministerium als Physiotherapeut. Außerdem schreibt er Gedichte. Die Lesung sowie die Gespräche mit den Gästen finden auf Englisch statt, jedoch gibt es eine deutsche Übersetzung dazu.

Dienstag, 29. Oktober 2019:
„We are not numbers“, Lesung, Kulturzentrum Pavillon, Lister Meile 4, 30161 Hannover, Beginn: 19.30 Uhr, Eintritt 8 Euro

(Foto: Pressefoto/Kulturzentrum Pavillon)

 

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Kategorien: Literatur, Politik, Tagestipps

Ein Kommentar

  1. Beyza sagt:

    Sehr beeindruckend!

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