Cosma Jo Gagelmann
15. November 2019

Gotham Citys bekanntester Geisteskranker ist zurück im Kino

Das Apollo-Kino zeigt heute den wohl umstrittesten Film des Jahres: „Joker“

Joker

Joaquin Phoenix als „Joker“: Der Wahnsinn hat ein neues Gesicht

Viele haben sich an dieser Figur versucht: Cesar Romero, Jack Nicholson, Mark Hamill, Roger Stoneburner, Heath Ledger, Jared Leto, Cameron Monaghan und nun Joaquin Phoenix. Sie alle haben ihn immer etwas anders verkörpert: den Joker. Der Joker ist der Erzfeind von Batman. Doch eigentlich ist er viel mehr als das. Eine Figur, dessen Geschichte und Entwicklung ebenso faszinierend wie verstörend ist. Trotzdem ist sie es wert, erzählt zu werden. Nun hat DC Comics einen eigenen „Joker“-Film gedreht, der nicht im DC-Film-Universum spielt, sondern ein eigener Film ist und sich auch nicht an die Comics hält. Dafür wurde nicht Jared Letos Joker aus „Suicide Squad“ genommen, sondern Joaquin Phoenix angefragt. Joaquin Phoenix sagte in einem Interview einmal, dass es ihm nicht darauf ankommt, dass seine Figuren Preise bekommen, sondern dass sie für ihn eine Herausforderung sind und es wert sind, auf die Leinwand gebracht zu werden. Für die Rolle des Jokers hat er 24 Kilo abgenommen. Außerdem hat er den Film auch auf seine individuelle Weise geprägt, da er viele wichtige Szenen improvisiert hat. Bemerkenswert ist auch, dass Todd Philips sich an diesem Film versucht hat. Bekannt ist der Regisseur besonders für die „Hangover“-Trilogie. Nun beweist er, dass er auch ernste Filme drehen kann, und zeigt, wie der Bürger Arthur Fleck zur geisteskranken Figur des „Joker“ wird.

„Das Schlimmste an einer psychischen Erkrankung ist, dass die Leute erwarten, dass man sich so verhält, als hätte man keine.“ – Arthur Fleck

Arthur Fleck (Joaquin Phoenix) hat eine psychische Krankheit. Er lacht, egal in welcher Situation. Deswegen macht er vielen Leuten Angst und wird oft missverstanden. Als er einmal einen kleinen Jungen im Bus bespaßen will, veurteilt die Mutter ihn wegen seines Lachens und zieht ihren Sohn von Arthur weg. Für diese Situationen trägt er eine Karte bei sich, auf der folgendes steht: Ich habe eine psychische Krankheit. Manchmal verstehen ihn die Leute dann, jedoch kommt es auch vor, dass sie ihn nicht ernst nehmen. Fleck geht einmal die Woche zu einer Sozialarbeiterin, die ihm aus seiner Sicht nie zuhört, aber er braucht nunmal seine Medikamente. Die Sitzungen hören schließlich auf, da die Stadt die Gelder streicht. Ein weiterer Schlag für Arthur, der nun keine Medikamente mehr erhält. Er fühlt sich unsichtbar in Gotham City, in der seiner Meinung nach nur die reichen Leute zählen. Schon als kleiner Junge wollte er ein Stand-up-Comedian werden und arbeitete deshalb in einer Agentur für Clowns. 

„Mein ganzes Leben lang war mir nicht klar, ob ich überhaupt existierte – aber ich tue es.“ – Arthur Fleck

Schließlich steht Arthur Fleck mit einem großen Schild auf einer Straße, um Werbung für einen Laden zu machen, doch ein paar Jungs stehlen ihm das Schild, locken ihn in eine Gasse, zerstören das Schild und prügeln ihn nieder. Das ist ihm schon öfter passiert, deswegen steckt ihm seine Arbeitskollege nun eine Waffe zu, doch Arthur wird bald gefeuert. Er behält trotzdem die Waffe. Zuhause lebt er mit seiner pflegebedürftigen Mutter in einer kleinen Wohnung und sie haben kaum Geld. Arthur kennt seinen Vater nicht. Die Welt ist unfair zu ihm. Er bewundert den Talkmaster Murray Franklin, doch als dieser in seiner Show einen Auftritt von Arthur in einer Kneipe zeigt und ihn bloßstellt, brennen bei Arthur alle Sicherungen durch. Er wird nach und nach zum Joker. Als er abends von der Arbeit im Clownskostüm mit der U-Bahn nach Hause fährt, lacht er über drei Männer, die sich mit ihm anlegen. Dazu kann man nur sagen: Sie hätten es besser nicht getan.

„Früher dachte ich, mein Leben sei eine Tragödie, aber jetzt merke ich, dass es eine Komödie ist.“ – Arthur Fleck

Bei den internationalen Filmfestspielen in Venedig hat „Joker“ bereits den „Goldenen Löwen“ abgeräumt und ist auch schon für viele weitere Preise nominiert, der Film wird sogar als „Oscar“-Kandidat gehandelt. Zu Recht, denn dieser Film ist ein Meisterwerk. Zuerst fühlt man mit dem Joker mit, doch irgendwann distanziert man sich von ihm und weiß dann gar nicht mehr, was man denken soll. Der Film endet sehr doppeldeutig, also hat man als Zuschauerin oder Zuschauer genug eigenen Spielraum, sich den Film zu erklären. Ebenso bekommt man das einzigartige, kranke Lachen des Joker nach diesem Film überhaupt nicht mehr so schnell aus dem Kopf. Also: Geht ins Kino und setzt ein Grinsen auf!

Freitag, 15. November 2019:
„Joker“, Film von Todd Philipps, USA 2019, 122 min., Apollo-Kino, Limmerstraße 50, 30451 Hannover, Beginn: 20.15 Uhr, Eintritt: 8 Euro, ermäßigt: 7 Euro

  • weitere Vorführungen:
  • Dienstag, 19. November, 23 Uhr
  • Mittwoch, 20. November, 20.15 Uhr
  • Freitag, 20. Dezember, 20.15 Uhr
  • Montag, 23. Dezember, 22.30 Uhr
  • Mittwoch, 25. Dezember, 20.15 Uhr
  • Freitag, 27. Dezember, 22.30 Uhr
  • Mittwoch, 1. Januar, 22.30 Uhr
  • Donnerstag, 2. Januar, 20.15 Uhr
  • Freitag, 3. Januar, 22.30 Uhr
  • Samstag, 4. Januar, 22.30 Uhr
  • Mittwoch, 8. Januar, 20.15 Uhr
  • Freitag, 24. Januar, 22.30 Uhr
  • Samstag, 25. Januar, 22.30 Uhr
  • Mittwoch, 29. Januar, 20.15 Uhr

(Foto: Filmplakat)

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Kategorien: Film, Tagestipps

4 Kommentare

  1. Im a Cow sagt:

    Sehr guter Beitrag!
    An alle die Ihn noch nicht gesehen haben,
    Unbedingt anschauen!!!

  2. Beyza sagt:

    Ein sehr gelungener Artikel über einen fantastischen Film…weiter so!

  3. Migena sagt:

    Ein sehr ausführlicher und interessant gestalteter Artikel! Sowas liest man gerne 🙂

  4. Federico Concadoro sagt:

    Ein genialer Artikel zu einem genialen Film!

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