Cosma Jo Gagelmann
26. November 2019

Band-Status: Es war kompliziert

Vom Indie-Rock zum Pop: Deaf Havana geben heute ein Konzert im Kulturzentrum Faust

Deaf Havana

Bassist Lee Wilson, Sänger, Songwriter und Gitarrist James Veck-Gilodi, Schlagzeuger Tom Ogden und Matthew Veck Gilodi: Deaf Havana

Sie sind regelmäßig in den Top 10 der UK-Charts. Ihre Musik ist eine Mischung aus Rock und Indie und jetzt wagen sie sich auch noch an den Pop. Die aus Norfolk in England stammende Band Deaf Havana ist erfolgreich, trotz einiger Veränderungen bezüglich der Besetzung und des Stils. Der Band-Name kam beispielsweise vom nur 2005 aktiven Gitarristen Sebastian Spitz, hat jedoch keine spezielle Bedeutung.

Die Band lernte sich bereits in der Highschool kennen und bestand damals aus Ryan Mellor, James Veck-Gilodi und Lee Wilson. Die drei spielten in lokalen Clubs und gingen schließlich gemeinsam aufs College. Dort lernten sie Sebastian Spitz und Tom Ogden kennen und gründeten 2005 schließlich Deaf Havana. Zuerst veröffentlichen sie einige Lieder selbstständig, dann unterschrieben sie 2008 bei dem Label „A Wolf At Your Door“. Sie brachten eine EP sowie ihr Debüt-Album „Meet Me Halfway, At Least“ heraus, tourten durch ganz Großbritannien und machten auch mehrere Stopps in Europa. Dann verließ Leadsänger Ryan Mellor die Band aus privaten Gründen und James Veck-Gilodi übernahm seinen Part ab dem Album „Fools and Worthless Liars“, welches 2011 erschien – und mit diesem Album gelang der Band der Sprung in die britischen Charts. Zusätzlich veröffentlichten Deaf Havana eine Akustik-Version. Außerdem machten sie auch einige Unplugged-Auftritte in England, wie in der Union Chapel in London.

Doch Deaf Havana wären nicht Deaf Havana, wenn sie nicht bald wieder etwas verändert hätten. Für das nächste Album änderte sich in die Besetzung der Gitarren und sie gewannen einen neuen Musiker hinzu: Max Britton, der von nun an Keyboard spielte. Damit wandelte sich die Musik langsam vom Indie-Rock zu einer poppigeren Version. Doch damit büßten Deaf Havana nichts von ihrem Erfolg ein, denn ihr nächstes Album „Old Souls“ aus dem Jahr 2013 stieg erstmals in die Top 10 der UK-Charts ein. Erfolg ist eine schwierige Sache, mit der jeder anders umgeht. Nach einigen Spannungen in der Band änderte sich ihre Besetzung erneut. Chris Pennels, der Gitarrist, verließ deswegen die Band. Deaf Havana waren kurz davor, sich aufzulösen, jedoch rissen sie sich zusammen und machten weiter. Trotzdem brauchten sie vier Jahre, um ein neues Album fertigzustellen. „All These Countless Nights“ erschien 2017 und sprang direkt in die Top 5 der UK-Charts. Ein riesiger Erfolg, doch es folgte wieder ein Tiefschlag: Leider verließ im Dezember 2018 Max Britton aus gesundheitlichen Gründen die Band.

Das neueste Album „Rituals“, das im August 2018 erschienen ist, manifestierte die Veränderung des Musikstils der Band von Indie-Rock zu Pop. Deaf Havana hatten andere Seite von sich entdeckt. Ihre komplizierte Band-Geschichte wurde mit diesem Album verarbeitet. Inzwischen schreibt James Veck-Gilodi alle Texte – am liebsten alleine, da er nicht diskutieren will. Er verfasst die Texte, spielt sie ein und schickt dann eine Demo an die anderen oder zeigt ihnen seine Ideen auf dem Computer, mit dem die Band mittlerweile ein paar ihrer Lieder produziert. Die anderen Bandmitglieder segnen dann alles ab. Für das Album brauchte die Band schließlich nur drei Monate. Die Texte des neuen Albums sind ehrlich, gefühlvoll und persönlich. Natürlich ist es ein gemeinsames Album, aber der Leadsänger hat diesmal sehr viel von seinen eigenen Erfahrungen in die Lieder fließen lassen. Er hat die Lieder alle einem Thema untergeordnet, der Religion. Denn obwohl Veck-Gilodi nicht religiös ist, hat seiner Meinung alles viel mit Sünden zu tun.

Fazit: Das Quartett hat einen langen und nicht immer leichten Weg hinter sich. Trotzdem vergessen sie ihre Wurzeln nicht, in der Musik eben so wenig wie hinsichtlich ihrer Herkunft, denn pro Ticket spenden sie einen Euro für War Child UK. Dies ist eine gemeinnützige Organisation, die Kinder in Kriegsgebieten unterstützt. Als Support fungiert BenjRose, eine deutsche Rock-Band. Sie könnte bald auch internationale Bekanntheit erlangen, denn ihre Bühnen-Shows sind hochgradig mitreißend und energievoll.

Dienstag, 26. November 2019:
Deaf Havana, „Rituals“-Tour, Kulturzentrum Faust, 60er-Jahre-Halle, Zur Bettfedernfabrik 3, 30451 Hannover, Beginn: 20 Uhr, Eintritt: 24 Euro

(Foto: Pressefoto/Kulturzentrum Faust)

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Kategorien: Musik, Tagestipps

2 Kommentare

  1. Im a Cow sagt:

    Sollte man sich unbedingt anschauen!
    Toller Artikel 🙂

  2. Federico Concadoro sagt:

    Schöner und informativer Artikel!

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