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Ninia, der Mann und das Kind

Seitenansicht: „Von mir hat es das nicht“ von Ninia LaGrande

In ihrem zweiten Buch schreibt Ninia LaGrande über ein neues Thema: ihren Sohn

Wer kennt sie in der niedersächsischen Landeshauptstadt nicht? Ninia LaGrande lebt mit ihrem Mann und ihrem Sohn in Hannover, ist Poetry Slammerin, Moderatorin, Autorin und Bloggerin. 2015 hat sie sich selbstständig gemacht und nicht erst seitdem viele Projekte am Laufen. Sie ist eine der Geschäftsführerinnen des Büros für Popkultur, mit dem sie 2017 die deutschsprachigen Poetry Slam-Meisterschaften in Hannover organisierte und sie sitzt als Vertreterin für Menschen mit Behinderung im Beirat der Bewerbung zur Kulturhauptstadt von Hannover für das Jahr 2025. Außerdem schreibt sie Texte und Kolumnen für diverse Zeitungen und Webseiten. Ihre Lesebühne „Nachtbarden“ mit Tobias Kunze, Kersten Flenter und Johannes Weigel findet einmal im Monat im Theater am Küchengarten statt. Außerdem führt sie einen Podcast mit Denise M’Baye, der „Die kleine schwarze Chaospraxis“ heißt. Trotz all dieser Tätigkeiten lässt Ninia LaGrande ihre Freunde und Fans aber auch noch durch ihren Instagram-Account, den sie leidenschaftlich führt, an ihrem Leben teilhaben.

Kurz: Ninia LaGrande ist frech, schlagfertig, lustig und auf dem Boden geblieben. Sie ist zwar sehr bekannt, aber trotzdem eine ganz normale Person, die merkwürdige Menschen trifft und im Alltag komische Dinge erlebt, die manchmal leider auch etwas mit ihrer Körpergröße zu tun haben. Ihr erstes Buch „Und ganz ganz viele Doofe“, das im August 2014 im Blaulicht Verlag erschienen ist, war bereits sehr erfolgreich. LaGrande gab einen Einblick in ihr Leben als Kleinwüchsige, Feminstin, Freundin, Schwester, Tochter, Poetry Slammerin, Moderatorin, und eben als Mensch. In ihrem zweiten Buch „Von mir hat es das nicht“ geht es nun überwiegend um ihren Sohn, ihre Rolle als Mutter, das Familienleben und auch dabei lässt LaGrande die Kommentare der Leute nicht aus, die wieder meinen, ihre Größe kommentieren zu müssen.

„Als ich vor ein paar Tagen im Supermarkt war, freute sich die Kassiererin und rief: „Ach, der Süße! Wie alt ist der denn jetzt?“ Und ich sagte: „Knapp 17 Monate.“ Die Kassiererin schaute ihn an und dann mich und dann wieder ihn und sprach: „Na, aber schon ganz schön groß für sein Alter!“ „Ja“, antwortete ich, “ von mir hat er das nicht.“

Ninia LaGrande teilt in ihrem Buch sehr viel aus ihrem Leben mit. Man erlebt den Großstadtalltag mit ihr, regt sich (berechtigt) über die komischen Äußerungen anderer wegen ihrer Kleinwüchsigkeit auf und begleitet sie vom positiven Schwangerschaftstest über die komplizierte Geburt ihres Kindes bis hin zu dessen zweiten Geburtstag. Von komischen Taxifahrten in Hannover, Diskussionen mit ihrem Mann, Ausflügen zum Spielplatz ohne Kind und dem Beginn ihrer Schwangerschaft: LaGrande ist ehrlich, erzählt jedes noch so unschöne Detail und gibt uns einen Einblick in das Dasein als Muitter. Sie lässt uns viel lachen, aber auch nachdenken, zum Beispiel über unsere Gesellschaft, wie wir mit anderen Menschen umgehen und sie betrachten. Die Geburt ihres Kindes war sehr schwierig und ein sehr seltener Fall. Doch LaGrande ist es wichtig, auch davon zu berichten. Sie will helfen. Sie möchte die Welt ein kleines Stück besser machen, egal ob es um Vorurteile, Feminismus oder andere Probleme geht. Das Schöne beim Lesen ist, dass man die Autorin in den Urlaub mit Kind begeleitet und sich mit ihr aufregt, wenn sie sich vor wildfremden Leuten rechtfertigen muss, wo ihr Kind ist, wie sie sich als Mutter verhält oder andere Dinge.

Ninia LaGrande ist politisch aktiv und man merkt, wie es ihr weh tut, dass Menschen im Bundestag sitzen, die rassistische Gedanken haben. LaGrandes Mund lässt sich nicht schließen. Der erste Tag im Kindergarten, Fahrradfahren, das Aufräum-Faible ihres Sohnes, Tattoo, Bewerbungsgespäche, Festivalbesuche und der Respekt vor sich selbst und der Welt. Leute, die sie nur auf ihre KLeinwüchsigkeit reduzieren. Aber Ninia LaGrande ist groß – nur nicht auf die Weise, wie manche Leute dies sehen.

Ninia LaGrande: „Von mir hat es das nicht“, 148 Seiten, Blaulicht-Verlag, ISBN: 978-3-941552-48-7, 9,90 Euro

 

„Seitenansicht“ erscheint in Kooperation mit der Buchhandlung Decius.Logo Decius

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