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Von Vätern und Töchtern

Seitenansicht: „Otto“ von Dana von Suffrin

Lässt als Debüt noch Luft nach oben, und das ist auch gar nicht verkehrt: „Otto“ von Dana von Suffrin

Allgemein herrscht die Meinung, dass die Verbindung zwischen Vätern und ihren Töchtern eine ganz besondere sei. Begründet wird dies damit, dass zum einen zwischen Vater und Tochter nicht solch eine Konkurrenz herrschen kann, wie zwischen Müttern und ihren Töchtern. Zudem lege diese Beziehung auch die Grundlage für Liebesbeziehungen im späteren Leben der Töchter. Ob und was davon nun stimmt, kann ich leider nicht mit Gewissheit sagen. In der Literatur und auch in Filmen spielte diese Verbindung jedoch schon immer eine große Rolle. Meist sind es die Väter, die ihre Töchter vor anderen Männern schützen wollen und sich nie so recht damit abfinden, dass aus ihren einstigen kleinen Mädchen langsam erwachsene Frauen geworden sind. Der väterliche Blick auf die Tochter wird meist deutlich liebevoller dargestellt als jener auf die Söhne.

Aber nicht alle Väter, auch nicht in der Literatur, entsprechen diesem traumhaften Ideal. Manche Väter sind abwesend, andere wiederum wären es wohl besser gewesen. Otto im gleichnamigen Debüt von Dana von Suffrin ist zwar kein Totalausfall, aber ein kleiner Tyrann, bei dem es schwerfällt, Sympathie zu entwickeln. An seinen beiden Töchtern lässt er kein gutes Haar. Seitdem es ihm gesundheitlich auf Grund des Alters deutlich schlechter geht, ist es auch mit seiner Laune zunehmend in den Keller gegangen. Alles, was er nun noch möchte, ist, dass sich seine zwei Töchter möglichst rund um die Uhr um ihn kümmern und sein Erbe einschließlich der Familiengeschichte bewahren. Schon alleine auf Grund seiner jüdischen Herkunft ist das Otto sehr wichtig. Dass er mit seinem störrischen Charakter bereits die eigene Frau in die Flucht geschlagen hat, ist ihm gleich. Und obgleich seine Töchter unter seinen Launen zu leiden haben, bleiben sie bis zum bitteren Ende an seiner Seite.

Die Idee hinter Dana von Suffrins Roman „Otto“ ist unverkennbar. Sie wollte einen schrulligen und anstrengenden jüdischen Vater kreieren, der seine Töchter zwar tyrannisiert, aber dennoch durch seine Ecken und Kanten liebevoll und vor allem „typisch jüdisch“ erscheint. Das gelingt ihr auch an einigen Stellen sehr gut, aber auf den gesamten Roman gemünzt, konnte sie ihr Vorhaben nicht vollständig umsetzen. Viel zu selten trifft sie den von ihr forcierten humorvollen Ton. Es scheint, als könne sich die Autorin nicht richtig entscheiden, ob sie eher einen Blick hinter die Fassade von Otto werfen möchte, oder aber nicht. Beide Töchter bleiben leider eher unscharf, und ein bis zwei Wochen nach der Lektüre sind etliche Passagen des Romans schon im Gedächtnis verblasst. Das bedeutet nicht, dass „Otto“ kein gutes Debüt wäre. Die offensichtlich dahinter steckende Intention konnte zwar nur unzureichend umgesetzt werden, aber schon alleine für die Idee der Story und der sichtbaren Arbeit, die hineingesteckt wurde, ist „Otto“ ein wohliger Rohdiamant, den man nur hätte etwas besser schleifen sollen. Gut für Diana von Suffrin, denn nach einem Roman sollte sie keineswegs mit dem Schreiben aufhören, sondern sich stetig weiterentwickeln. Mit gerade mal 33 Jahren bleibt ihr noch jede Menge Zeit dafür und das Debüt muss nun mal nicht gleich ein gefeierter Bestseller werden. Luft nach oben haben ist immer gut. Oder wie man als Teil der Sisterhood sagen würde: Go for it, Girl!

Dana von Suffrin: „Otto“, 240 Seiten, Kiepenheuer & Witsch Verlag, ISBN-13: 978-3462052572, 20 Euro

(Foto: Buchcover)

„Seitenansicht“ erscheint in Kooperation mit der Buchhandlung Decius.

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