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Darf Frau sich sexuell vergnügen?

Doris Anselm und Theresa Lachner lesen heute im Literaturhaus Hannover – und machen anderen Frauen Mut

Doris Anselm

Kämpft wie ihre Kollegin Theresa Lachner für die sexuelle Freiheit von Frauen: Doris Anselm

Im Literaturhaus Hannover sind heute zwei starke, bemerkenswerte Frauen zu Gast, die zu ihrer Meinung stehen und sich mit Themen an die Öffentlichkeit trauen, die viele Frauen beschäftigen. Sie stellen wichtige Fragen: Wann ist man als Frau frei? Was bedeutet sexuelle Freiheit für Frauen? Genau diese Fragen werden Doris Anselm und Theresa Lachner heute bei ihrer Lesung beantworten.

Viele Frauen stecken noch in einer tradierten Lebensweise fest, die unsere Gesellschaft teilweise auch nicht effektiv genug bekämpft. Man fragt sich als Frau: „Darf ich über meine Tage reden, anstatt mich dafür zu schämen und darüber zu schweigen? Warum gibt es so viele Strip-Clubs für Männer, aber nicht für Frauen? Inwieweit darf ich als Frau überhaupt mit dem Thema Sex zu tun haben? Warum darf ich mich nicht so kleiden, wie ich möchte, ohne gleich angemacht zu werden?“ Wenn Frauen viele Männer nacheinander zum Vergnügen haben, werden sie sofort als Schlampen abgestempelt. Obwohl viele Männer behaupten: „Ich mag Frauen, die wissen was sie wollen“, können sie es dann nicht akzeptieren, wenn sich eine Frau wirklich das nimmt, was sie möchte.

Bei Männern hingegen ist es egal, wie viele Frauen sie haben, sie werden von ihren Freunden dafür gelobt – und auch sonst verliert niemand ein (schlechtes) Wort darüber. Wenn Frauen hingegen Dekolleté zeigen oder einen Minirock tragen, werden sie sofort angemacht und in den schlimmsten, leider normalen, Fällen auch ohne ihr Einverständnis angefasst. Ähnlich verhält es sich bei Schminke. Wenn Frauen mal einen kräftigen Lippenstift tragen oder sich intensiver schminken als sonst, werden sie anders angeschaut, als wenn sie ungeschminkt oder dezent geschminkt sind. Wenn die Gesellschaft Frauen so wahrnimmt, ist es sehr schwer, gerade für junge Frauen, sich selbst zu finden und vor allem herauszufinden, was einem im sexuellen Bereich gefällt. Männer machen es sich immer selbst und reden auch mit ihren Freunden darüber, Frauen schweigen und trauen sich kaum darüber zu reden. Doch Frauen haben genauso ein Recht auf sexuelle Selbstbestimmung und Freiheit wie Männer. Deswegen brauchen wir Frauen wie Doris Anselm und Theresa Lachner, die mit diesen Themen an die Öffentlichkeit gehen und so anderen Frauen Mut machen, sich selbst auszuprobieren, ohne Angst davor haben zu müssen, verurteilt zu werden.

Doris Anselm schrieb mit „Hautfreundin“ einen Roman, in dem sie betont, dass Frauen Sex genauso sehr mögen dürfen wie Männer. Sie selbst mag den Rausch des ersten Schrittes und begegnet vielen Männern. Durch diese Männer will sie herausfinden, worauf sie selbst eigentlich steht. Wegen der vielen Bekanntschaften lernt sie, sich, ihren Körper und ihre Wünsche besser kennen. Sie traut sich mehr und geht offen mit ihrer Sexualität um. Es ist hilfreich und entlastend, zu wissen, wie man sich selbst Lust verschafft, vor allem in einer Partnerschaft. Eine Beziehung läuft viel besser, wenn man weiß, was einem selbst gut tut und man es dem Partner direkt mitteilen kann. Der Partner freut sich dann umso mehr, diese Wünsche zu erfüllen. Auch für Frauen selbst ist es fördernd, zu wissen, wer man eigentlich ist und was man im sexuellen Bereich für Verlangen hat. Dann ist man glücklich. Natürlich noch glücklicher, wenn man einsieht, dass man sich für seine sexuellen Wünsche nicht schämen muss. Leider wird dies manchmal von der Gesellschaft noch so vermittelt. Denn viele Frauen fragen sich, vor allem in der Pubertät: Ist etwas falsch mit mir? Bin ich nicht gut genug? Kann ich keine Lust empfinden? Werde ich als Schlampe abgestempelt? Sehe ich gut aus?

Diese Fragen hat sich auch Theresa Lachner gestellt. Sie ist offen, ehrlich und teilt ihre Gefühle in ihrem Blog, mit dem sie zur erfolgreichsten deutschen Sex-Bloggerin geworden ist. Daran merkt man, dass dieses Thema polarisiert und viele Interessierte gefunden hat. Der Kampf gegen die tradierten Erwartungen, die Einschränkungen der Frauen und der Ablehnung durch die Gesellschaft macht Frauen sehr wütend – und so folgen viele ihr in diesem Kampf, den öffentlichen Austausch über weibliche Sexualität zu normalisieren.

Heute lesen sowohl Doris Anselm als auch Theresa Lachner unter dem Motto „Female Pleasure“ gemeinsam im Literaturhaus Hannover. Durch den Abend führt Jutta Rinas, die als Redakteurin für die HAZ schreibt.

Dienstag, 5. November 2019:
„Female Pleasure“, Lesung, Literaturhaus, Sophienstraße 2, 30159 Hannover, Beginn: 19.30 Uhr, Eintritt: 12 Euro, ermäßigt: 6 Euro

(Foto: Pressefoto/Literaturhaus/© Bogenberger Autorenfotos)

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