Susanne Viktoria Haupt
10. November 2019

Doppelt hält besser

Im Lodderbast werden heute gleich zwei Verfilmungen von „Der talentierte Mister Ripley“gezeigt

Wer ist der talentierteste Mister Ripley? Alain Delon oder Matt Damon?

Derzeit macht die Meldung die Runde, dass Amazon aus dem Epos „Herr der Ringe“ eine Prime-Serie machen will. Das klingt wahnsinnig überflüssig, denn die visuelle Umsetzung von Tolkiens Meisterwerk durch Peter Jackson hat die Latte unfassbar hoch gelegt. Aber es gibt noch mehr Filme, Drehbücher oder Roman-Vorlagen, die es häufiger als einmal auf die Leinwand oder den Bildschirm geschafft haben. Das war nicht immer eine gute Idee. Die Amerikaner verfilmen beispielsweise unfassbar gerne französische Film-Hits. Es gibt wohl kaum jemanden, der nicht den Streifen „Ziemlich beste Freunde“ mit Omar Sy und François Cluzet kennt. Die wahre Geschichte rund um den Unternehmer Philippe Pozzo di Borgo und seinen Pfleger Driss rührte zu Tränen und verursachte gleichermaßen lautes Gelächter. 2017 legten die Amerikaner den Film unter dem Titel „Mein Bester & Ich“ neu auf. Und auch, wenn sie mit Kevin Hart und Bryan Cranston zwei durchaus großartige Schauspieler für die Besetzung bekommen konnten, bleibt die Version um Längen hinter dem französischen Original. Noch viel schlimmer ist es allerdings mit dem Teenie-Film „LOL“. Das französische Original setzte dafür sogar Sophie Marceau ein und überzeugt von der ersten bis zur letzten Minute. Das amerikanische Double schickt als Tochter zwar Ex-Disney-Ikone Miley Cyrus in den Ring und adaptierte sogar die Dialoge eins zu eins, wirkte aber eher wie eine Laien-Produktion.

Es gibt aber auch gelungene „zweite Versionen“. Zum Beispiel „Charlies Schokoladenfabrik“ von 2005 mit Johnny Depp, die auf einem Klassiker von Roald Dahl basiert. Die erste Version stammt aus dem Jahre 1971 und besetzte Charlie mit Gene Wilder. Beide Adaptionen sind fantastisch. Ebenfalls auf dieser Liste sind die beiden Versionen von „The Italian Job“. Kennt Ihr nicht? Dann gerne mal anschauen. 1969 wurden das erste Mal die Millionen abgestaubt, 2003 setzte Regisseur Felix Gary Gray die Jagd neu in Szene. Dabei ging der Charme keineswegs verloren.

Mit den beiden Adaptionen von Patricia Highsmiths Roman „Der talentierte Mister Ripley“ verhält es sich genauso. Der Roman erschien 1955 und bereits 1960 flackerte „Nur die Sonne war Zeuge“ von Réne Clément über die Leinwände. Die Rolle des Hochstaplers Ripley wurde dabei von Alain Delon übernommen, worüber sich besonders Autorin Highsmith sehr gefreut hatte. 1999 legte dann der britische Regisseur Anthony Minghella Hand an den Stoff an. Tom Ripley wurde dabei von Hollywoods liebsten Babyface Matt Damon gespielt, der aber trotz seines Talents deutlich hinter Jude Law verschwand, der die Rolle des Dickie Greenleaf übernommen hatte und etliche Preise dafür ergattern konnte. Wer Lust hat, beide Adaptionen von Highsmiths Thriller gegenübergestellt zu erleben, sollte sich heute im Lodderbast einfinden. Dort wird sowohl „Nur die Sonne war Zeuge“ als auch „Der talentierte Mister Ripley“ gezeigt, und zwar im Original mit Untertiteln. Highsmith hoch zwei eben. Klingt nicht nur gut, ist doppelt gut.

Sonntag, 29. September 2019:
„Nur die Sonne war Zeuge“ und „Der talentierte Mister Ripley“, Patricia Highsmith-Doppel, Spielfilm von Michael Curtiz, F/I 1960 und USA/I 1999, 112 min. und 139 min., OmU, Lodderbast, Berliner Allee 56, 30175 Hannover, Beginn: 20 Uhr, Eintritt: 10 Euro, ermäßigt: 6 Euro

(Foto: Filmplakat/DVD-Cover)

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Kategorien: Film, Tagestipps

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