Susanne Viktoria Haupt
24. November 2019

Not Everybody’s Darling

Ein Künstler, kein Tabu: Das Museum Wilhelm Busch zeigt derzeit eine Auswahl des Schaffens des österreichischen Künstlers Manfred Deix

Die sogenannten „Deixfiguren“ sind nicht nur im Gedächtnis geblieben, sondern schafften es auch in den Duden

Manfred Deix – der König des Tabu-Bruchs. Seine Signatur umspielte er mit einer kleinen Krone als I-Punkt. Schon mit sechs Jahren empörte Deix die Erwachsenenwelt mit anrüchigen Zeichnungen. Später, Jahre nach dem er wegen Schulschwänzen von der Höheren Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt in Wien geflogen war, begeisterte er gleichermaßen die Massen. Mit seinen Karikaturen oder seinen Grafiken in Aquarell. Egal, ob für den Stern, den Spiegel, Pardon, den Nachfolger Titanic oder in Form seiner zahlreichen Sammelbände – der österreichische Künstler Manfred Deix war und ist bekannt für seinen derben und schonungslosen Humor. Die „Deixfigur“ schaffte es gar in den Duden und bezeichnet die „ins Lächerliche verzerrte Darstellung eines Menschen“. 2016 starb der österreichische Karrikaturist nach schwerer Krankheit mit nur 67 Jahren. Am bekanntesten sind seine Horde von Katzen und die befleckten Feinripp-Unterhemden in seinen Darstellungen.

Aber auch, wenn man Deix einen konsequenten Bruch von Tabus nachsagte, suchte er sich seine menschlichen Zielscheiben mit Sorgfalt aus. Trotz allem Chaos, was ihn umgab, hatte er es nie auf die Schwachen angesehen, sondern immer nur auf die, die seine persönlichen Werte und Überzeugungen bedrohten. Darunter Rassisten, Pädophile, zweifelhafte Kleriker und andere Gestalten, deren mieser Ruf ihnen voraus eilte. Kein Wunder also, dass Deix zu Lebzeiten mit der ein oder anderen Klage zu kämpfen hatte. Er mag nicht Everybody’s Darling gewesen sein, aber im Angesicht seiner Gegner ist das auch ganz gut so. Seinen Mut behielt er, und auch seine Darstellungsweise. Während Deix grafisch gerne in die Vollen ging, versuchte er den Begleittext oft einfach, in einem nahezu kindlichen Ton zu halten.

Zu Ehren seines 70. Geburtstags eröffnete am letzten Freitag die große Solo-Ausstellung „Deix“ im Museum Wilhelm Busch. Mit dabei sind natürlich zahlreiche bekannte Werke, die schon etliche Menschen zum Lachen gebracht haben. Darunter aber auch bisher unveröffentlichte Arbeiten, die für die Geburtstagsshow extra zur Verfügung gestellt wurden.

Sonntag, 24. November 2019:
„DEIX – Zum 70. Geburtstag des Künstlers“, Museum Wilhelm Busch, Georgengarten, 30167 Hannover, geöffnet: 11 bis 18 Uhr, Eintritt: 6 Euro, ermäßigt: 4 Euro

  • Die Ausstellung läuft noch bis zum 22. März
  • Öffnungszeiten: Di bis So 11-18 Uhr

(Foto: Pressefoto/Manfred Deix/Museum Wilhelm Busch – Deutsches Museum für Karikatur und Zeichenkunst)

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Kategorien: Kunst, Tagestipps

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