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Darauf eine Müller-Milch auf ex

Abseits – Hannover 96 vor dem Spieltag. Morgen: das Auswärtsspiel beim 1. FC Heidenheim

Asif Šarić

Für ein Spiel Cheftrainer bei Hannover 96: Asif Šarić, der unter Breitenreiter, Doll und Slomka bereits als Co-Trainer agierte

Nun also doch: Die Tage von Mirko Slomka als Cheftrainer von Hannover 96 sind ein weiteres Mal gezählt. Hannover 96 zog nach dem sechsten Heimspiel ohne Sieg, dem 1:1 am letzten Freitag gegen den SV Sandhausen, die Reißleine. Slomka ist es nicht gelungen, der Mannschaft das nötige Rüstzeug mit auf den Weg zu geben, dass es in der umkämpften zweiten Liga, in der wirklich jeder jeden schlagen kann, benötigt. Somit haben sich die mit der Verpflichtung Slomkas einhergegangenen Befürchtungen leider bestätigt. Seit seiner ersten Entlassung bei den Roten konnte der 52-Jährige weder beim Hamburger SV, wo er sieben Monate tätig war, noch beim Karlsruher SC, wo es noch für fünf Monate reichte, überzeugen, eine Mannschaft nachhaltig prägen. 96 wirkte speziell in den Heimspielen ohne Plan, schob den Ball hin und her, hatte viel Ballbesitz, aber kaum Ideen. Nach nur vier Monaten ist das zweite Engagement Slomkas als Cheftrainer der Roten also schon wieder Geschichte.

Der neue Trainer sollte ein guter Psychologe sein

Nun soll also jemand anderes der Mannschaft eine neue Identität verpassen, ihr Mittel und Wege im Training lehren, mit denen das Team mal wieder auf dem Platz überzeugen kann. Wer das sein wird, steht noch nicht fest, was er aber mitbringen muss, ist klar: Er muss ein guter Psychologe sein. Denn bis zur Winterpause wird er das selbe Personal managen wie Slomka. Da muss neben einer anständigen Spielphilosophie auch viel Kopfarbeit geleistet werden. Es sei denn, die Spieler haben bereits gegen den Trainer gespielt. Dann könnte man eventuell schon eine Veränderung im morgigen Spiel beim 1. FC Heidenheim beobachten, aber diesen charakterlosen Schuh will ich Hannover 96 nicht anziehen, nicht nach dem großen Umbruch im Sommer.

Interimslösung mit Šarić und Barlemann

Fakt ist, dass Hannover 96 bei der Trainersuche ruhig agieren möchte. Jan Schlaudraff erklärte auf der Pressekonferenz, dass man das Spiel in Heidenheim keineswegs abschenken wolle, nur weil man noch keinen neuen Trainer präsentiert habe und die Slomka-Assistenten Asif Šarić und Lars Barlemann die Partie interimistisch übernehmen. Schlaudraff könne sich kaum vorstellen, dass jemand es in den paar Tagen schaffe, sein neues Team so gut kennenzulernen wie die lang im Verein aktiven Šarić und Barlemann. Und die Übergangslösung hat zudem den positiven Nebeneffekt, dass der künftige Trainer dann ein wenig Zeit zum Eingewöhnen bekommt: Nach dem Spiel gegen den 1.FC Heidenheim steht nämlich wieder einmal eine allseits beliebte Länderspielpause an.

Hannover 96 setzt auf Frische

An den Spekulationen, wer denn nun Slomkas Nachfolger bei Hannover 96 werden wird, mag ich mich nicht beteiligen. Spätestens, als der Name Alex Frei gehandelt wurde und dieser auch schon mit der Vereinsführung in Verhandelungen stand, war mir klar, dass man die üblichen Verdächtigen direkt in die Tonne kloppen kann. Was vielleicht auch ganz gut ist, denn ich möchte den Porsche Panamera von einem gewissen Herrn Neururer nicht unbedingt wieder am Maschsee stehen sehen. Doch Scherz beiseite: Die Idee Frei zeigt, dass 96 wieder auf Frische setzen will. Und die nähere Vergangenheit bewies, dass ein Novize wie Daniel Stendel Hannover 96 mehr gab, als die Erfahrung eines Thomas Doll oder Mirko Slomka. Und auch wenn das Hannover-Modell bis dato nicht wirklich klappte: Eine Rückholaktion Stendels, der seinen Job in England erst kürzlich verlor, fände ich schon ziemlich romantisch – und Talente wie Muslija und Hansson würden wohl erst einmal eine Müllermilch auf ex kippen.

In der Zweiten Liga geht es eng zu

Doch kommen wir zum Spieltag. Hannover 96 steht derzeit auf dem 14. Tabellenplatz, hat 14 Punkte auf dem Konto und nach den Spielen vom Freitagabend nur noch einen Punkt Vorsprung auf den Relegationsplatz 16. Der 1. FC Heidenheim hingegen rangiert aktuell auf Platz sechs – und hat gerade einmal drei Punkte mehr auf dem Konto als die Roten. Bei einem 4:0-Auswärtssieg würde 96 sogar vor den 1. FCH im Klassement landen. Die Heidenheimer ihrerseits im Falle eines Sieges bis auf drei Punkte an den oberen Relegationsplatz heranrutschen. So eng geht es derweil zu in der zweiten Liga. Ebenso eng erwarte ich die Partie gegen FCH-Legende und -Kapitän Marc Schnatterer und seine Mannen. Standards in der eigenen Hälfte sollten die Roten vermeiden, zu gefährlich ist Schnatterer am ruhenden Ball. Was Hannover entgegenkommen dürfte, ist jedoch, dass man auswärts antreten darf und Heidenheim auch selbst gern Fußball spielt. Ein so nervenaufreibendes Spiel wie gegen Karlsruhe kann man nicht noch einmal erwarten, aber das es hin und her gehen könnte, schon. Und da ich nicht glaube, dass die Mannschaft gegen Trainer Slomka spielte, erwarte ich unter Šarić und Barlemann auch keine krasse Leistungsexplosion. Ich rechne eher mit einem 2:2. Mal schauen, wen Hannover 96 da nächste Woche präsentiert.

Sonntag, 10. November 2019, 13.30 Uhr:
1. FC Heidenheim – Hannover 96

(Foto: Pressefoto/Hannover 96)

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