Cosma Jo Gagelmann
16. Dezember 2019

Ein Gewitter der Emotionen

Stimmungsvolle Inszenierung: Im Schauspielhaus wird derzeit „Ronja Räubertochter“ aufgeführt

Ronja Räubertochter

Für Astrid Lindgrens „Ronja Räubertochter“ ist man nie zu alt: Szenenfoto mit Katharina Sattler

„In der Nacht, als Ronja geboren wurde, rollte der Donner über die Berge, ja, es war eine Gewitternacht, dass sich selbst alle Unholde, die im Mattiswald hausten, erschrocken in ihre Höhlen und Schlupfwinkel verkrochen.“ Ronja Räubertochter (Katarina Sattler) ist die Tochter des Räuberhauptmanns Mattis und seiner Frau. Sie lebt auf der Mattisburg mit dem angrenzendem Mattiswald. Allerdings ist die Mattisburg am Tag von Ronjas Geburt durch einen Blitzschlag, der einen tiefen Abgrund in die Burg riss, in zwei Hälften geteilt worden. Auf der anderen Seite der Burg wohnt Birk, der Sohn des rivalisierenden Räuberhauptmanns Borka und seiner Frau. Entgegen dem Willen ihrer Eltern freunden sich Ronja und Birk schnell an. Als Birk von Mattis gefangengenommen wird, begibt sich Ronja ihrerseits freiwillig in die Hände von Borka. Durch diesen Vorfall finden die Familien heraus, dass die beiden Kinder befreundet sind. Dadurch treten Konflikte auf. Ronja und Birk fliehen in den Wald und leben dort in einer verlassenen Bärenhöhle. Ob sich Ronjas und Birks Eltern zusammenraufen können? Kehren Ronja und Birk zurück? Können sie im Wald überhaupt überleben? Siegt die Freundschaft über den Hass?

Astrid Lindgren hat mit dem Roman „Ronja Räubertochter“, der bereits 1981 erschien, mal wieder bewiesen, dass sie Kinder versteht, wie es sonst nur wenige Erwachsene tun. Doch „Ronja Räubertochter“ ist keine Kinder-Version von Shakespeares „Romeo und Julia“, denn Astrid Lindgren beschreibt hier nicht die Liebe, sondern die Kraft der Freundschaft. Kinder haben die grandiose Eigenschaft, die starrsinnigen Regeln und Gedanken der Erwachsenen zu überwinden und neue zu entwickeln. Sie entscheiden mit ihrem eigenen individuellen und empathischen Verständnis, was richtig und falsch ist. Das erkennt man besonders gut an Ronja. Sie zwingt die beiden Räuberbanden regelrecht zum Umdenken und Ändern ihrer Weltsicht. Ronja bleibt bei ihrer Meinung und hinterfragt Dinge, über die ihre Eltern gar nicht nachdenken. Sie lässt sich nicht verbiegen. Das erinnert auch an die Emanzipationsdebatte und ist hochaktuell. Natürlich gibt es in Lindgrens Roman auch einige herzzerreißende Momente, doch genau dies zeichnet die Werke der schwedischen Autorin aus: Sie lässt ihre jungen Protagonistinnen und Protagonisten alle Emotionen durchleben und verhätschelt sie nicht, wie es die meisten Erwachsenen gerne tun.

Zwar ist Ronja-Darstellerin Katharina Sattler in der aktuellen Aufführung des Schauspielhauses älter als die Räubertochter in Lindgrens Buch, trotzdem bringt sie ihren kindlichen Trotz und Eigensinn auf die Bühne, als wäre sie selbst in Ronjas Alter. Da sie sonst nur im „erwachsenen Theater spielt“, ist dieses Stück für Sattler etwas Neues. Sie stellt sich jedoch für das Schauspiel vor Kindern nicht sonderlich um, fängt nur an, gewisse Gefühle mehr zu betonen. Die Regisseurin Nina Mattenklotz ist bekannt für Inszenierungen, die ihre Figuren mit besonderem Feingefühl präsentieren. Sie hat auch schon „Pippi Langstrumpf“, ein weiteres erfolgreiches Buch von Astrid Lindgren, auf die Bühne gebracht und schafft es immer wieder, Kinder fürs Theater zu begeistern. Das Familienstück ist wie geschaffen, um nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene zu den märchenhaften Graugnomen und Rumpelwichten in den Mattiswald mitzunehmen, in dem es natürlich auch regnet, grünt und vor allem eines gibt: ein Gewitter der Emotionen.

Montag, 16. Dezember 2019:
„Ronja Räubertochter“ von Astrid Lindgren, Inszenierung von Nina Mattenklotz, Schauspielhaus Hannover, Prinzenstraße 9, 30159 Hannover, Beginn: 9.30 und 12.30 Uhr, Eintritt: 12 bis 20 Euro, ab 6 Jahren

  • Weitere Aufführungen:
  • Dienstag, 17. Dezember, 10.30 Uhr
  • Mittwoch, 18. Dezember, 10.30 Uhr
  • Donnerstag, 19. Dezember 10.30 Uhr
  • Sonntag, 22. Dezember, 13 Uhr und 17 Uhr
  • Mittwoch, 25. Dezember, 15 Uhr
  • Donnerstag, 26. Dezember, 13 Uhr und 17 Uhr
  • Sonntag, 29. Dezember, 15 Uhr
  • Sonntag, 12. Januar, 15 Uhr
  • Montag, 13. Januar, 9.30 Uhr
  • Dienstag, 14. Januar, 10.30 Uhr
  • Mittwoch, 15. Januar, 10.30 Uhr
  • Montag, 27. Januar, 10.30 Uhr
  • Dienstag, 28. Januar, 10.30 Uhr
  • Mittwoch, 29. Januar, 10.30 Uhr
  • Donnerstag, 30. Januar, 10.30 Uhr
  • Mittwoch, 5. Februar, 10.30 Uhr
  • Donnerstag, 6. Februar, 10.30 Uhr
  • Sonntag, 9. Februar, 15 Uhr
  • Montag, 10. Februar, 9.30 Uhr und 12.30 Uhr
  • Mittwoch, 13. Februar, 10.30 Uhr

(Foto: Pressefoto/Staatstheater Hannover/Kerstin Schomburg)

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Kategorien: Bühne, Tagestipps

2 Kommentare

  1. Leon sagt:

    Sehr cooler Artikel😊

    Vielen Dank für die Uhrzeiten.

  2. Beyza sagt:

    Wie immer sehr guter Artikel👍🏼

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