Sebastian Albrecht
18. November 2019

Verpuffte Revolution

Das Kommunale Kino im Künstlerhaus zeigt heute Hossein Pourseifis Film „Morgen sind wir frei“, der die Islamische Revolution thematisiert

Morgen sind wir frei, Film von Hossein Pourseifi

Nicht an jedem Ende einer Revolution steht auch die Freiheit: „Morgen sind wir frei“, Filmplakat

Mit dem Beitritt der DDR zur Bundesrepublik Deutschland am 3. Oktober 1990 waren 41 Jahre der Teilung Geschichte und Deutschland wiedervereint. Seitdem ist der Tag als Feiertag festgelegt, an dem der Deutschen Einheit gedacht werden soll. Ohne die Revolution als Überwindung der Unterdrückungsverhältnisse sei Freiheit nicht möglich, schrieb Hannah Arendt in ihrem Essay „Die Freiheit, frei zu sein“, und so gingen der Wiedervereinigung im Jahr zuvor wichtige Ereignisse voraus: Am 9. Oktober 1989 demonstrierten in Leipzig 70.000 Menschen gegen die politischen Verhältnisse und die Diktatur. Es war nicht die erste und auch nicht die letzte von vielen Montagsdemonstrationen, die in Leipzig und anderen Städten der DDR stattfanden – aber diese eine gilt als zentrale, die die Friedliche Revolution und das Ende der DDR möglich machte. Genau einen Monat später fiel in Berlin die Mauer, die Grenzen waren geöffnet.

Eine Dekade zuvor kam es im Iran zur Islamischen Revolution, infolgedessen der Schah Mohammad Reza Pahlavi abgesetzt und die Monarchie im Land beendet wurde. Doch im Gegensatz zum zur DDR bedeutete das Ende des herrschenden Regimes nicht die Öffnung des Landes und den Weg hin zur Demokratie und mehr Freiheiten. Stattdessen setzte sich der Revolutionsführer Ajatollah Ruhollah Chomeini gegen die liberalen und säkularen Strömungen der Revolution durch und gründete mit der Islamischen Republik Iran einen Gottesstaat, führte die Scharia ein und machte verschiedene Reformen wie zum Beispiel das Frauenwahlrecht rückgängig. Die Revolution hatte keinerlei Besserung gebracht.

Doch das war zu Beginn der Islamischen Revolution nicht abzusehen. Ein Großteil des iranischen Volkes hatte andere Vorstellungen, der Wunsch nach Demokratie und mehr Freiheit war weit verbreitet, es herrschte Aufbruchstimmung. Hossein Pourseifis erster Film in Spielfilm-Länge, „Morgen sind wir frei“, handelt von dieser Zeit und davon, wie die Aufbruchstimmung langsam zu bröckeln beginnt, bis nichts mehr von ihr übrig ist. Der Iraner Omid (Reza Brojerdi), wegen des Schahs in die DDR geflüchtet, beschließt, mit seiner deutschen Frau Beate (Katrin Röver) und der gemeinsamen achtjährigen Tochter Sarah (Luzie Nadjafi) in den Iran zurückzukehren, um mitzuhelfen, aus dem Land ein freies zu machen. Schnell stellt sich heraus, dass lediglich die Unterdrücker gewechselt haben, die Unterdrückung selbst aber bleibt. Besonders die beiden Frauen der Familie, Beate und Sarah, bekommen die negativen Auswirkungen zu spüren. Im Kommunalen Kino im Künstlerhaus ist Pourseifis interessantes wie informatives Debüt heute Abend zu sehen.

Montag, 18. November 2019:
„Morgen sind wir frei“, Spielfilm von Hossein Pourseifi, D 2019, 98 min., Kommunales Kino im Künstlerhaus, Sophienstr. 2, 30159 Hannover, Beginn: 20.15 Uhr, Eintritt: 6,50 Euro, ermäßigt: 4,50 Euro

  • weitere Vorführungen:
  • Mittwoch, 20. November, 20:15 Uhr
  • Samstag, 23. November, 18 Uhr
  • Sonntag, 24. November, 18 Uhr

(Foto: Pressefoto/Filmplakat)

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Kategorien: Film, Tagestipps

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