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Kenan Kocak: Kommt Konstanz?

Abseits – Hannover 96 vor dem Spieltag. Heute: das Heimspiel gegen den SV Darmstadt 98

Kenan Kocak

Nach Breitenreiter, Doll und Slomka bereits der vierte Trainer in diesem Kalenderjahr: Kenan Kocak

Sollte Hannover 96 am heutigen Abend gegen den SV Darmstadt endlich den ersten Heimsieg der Saison einfahren, wird sich so mancher Fan auf der Tribüne sicherlich denken: „Warum nicht gleich so?“ Denn Hannover 96 präsentierte vergangene Woche mit Kenan Kocak einen neuen Übungsleiter, mit dem man bereits im Sommer verhandelte, um sich dann doch für Mirko Slomka zu entscheiden. Das romantische Experiment mit dem Erfolgscoach vergangener Tage scheiterte kläglich, und die Zweifler wurden bestätigt. Nun also die Rolle rückwärts: Kenan Kocak soll das rote Fußballboot also künftig wieder auf Kurs bringen.

Inspiriert von Jupp Heynckes

Kocak musste seine aktive Karriere schon im Alter von 26 Jahren beenden. Ein zweiter Kreuzbandriss zwang den im türkischen Kayseri geborenen Kocak in die Sport-Invalidität. Der 38-Jährige spielte zuletzt für den SV Waldhof Mannheim, den er von 2013 bis 2016 auch trainierte. Durch überzeugende Leistungen, unter anderem der Meisterschaft in der Regionalliga Südwest, wurde der SV Sandhausen auf den jungen, aufstrebenden Trainer aufmerksam und verpflichtete ihn. Von 2016 bis 2018 coachte Kocak dann Sandhausen in der Zweiten Fußball-Bundesliga, durchaus ganz erfolgreich. Nach der Beurlaubung bildetet sich der Fußball-Lehrer weiter, hospitierte unter anderem bei Pep Guardiola in Manchester und ließ sich von „Don“ Jupp Heynckes inspirieren. Nun also steht der Deutsch-Türke an der Seitenlinie eines Traditionsvereins – klingt eigentlich nach einem logischen Karriereschritt.

Verein in Schieflage

Doch mit Logik kann man Hannover 96 schon lange nicht mehr begegnen. Der Club ist mächtig in Schieflage geraten, wirkt inzwischen vielmehr wie ein Chaos-Verein als ein Traditionsclub oder wie der Hamburger SV der letzten Jahre. Und Kocak ist nun bereits der vierte Cheftrainer von Hannover 96 im Kalenderjahr 2019, der nach vier sieglosen Spielen in Folge die Roten auf dem viertletzten Tabellenplatz übernommen hat. Aufgrund der Ergebnisse des 14. Spieltags steht Hannover nun sogar schon auf dem Relegationsplatz 16. Es gäbe also kaum einen besseren Moment für einen ersten Heimsieg als bei der heutigen Premiere des neuen Chefcoachs.

Enge Liga

So erschreckend das Tabellenbild sich aktuell darstellt, so schnell könnte es auch wieder erfreulicher aussehen. Mit einem Sieg über den SV Darmstadt könnte 96 mit 17 Punkten immerhin bis auf den elften Rang vorrücken – und stünde merkwürdigerweise nur drei Punkte hinter dem fünften Platz, den aktuell Jahn Regensburg belegt – der Verein, gegen den 96 Anfang August beim 1:1 sein ersten Heimspiel vergeigte. Es geht nach wie vor verdammt eng zu in dieser Liga.

Die Antwort liegt auf dem Rasen

Es wird interessant sein zu beobachten, wie sich die 96-Mannschaft gegen Darmstadt auf dem Platz präsentiert. Kocak hat viele Gespräche geführt, um sein Team kennenzulernen. Die Länderspielpause kam da ganz gelegen. Doch ob er in der Kürze der Zeit aus einem verunsicherten Haufen eine Mannschaft mit breiter Brust formen kann? Zumindest fragwürdig, aber nicht ausgeschlossen. In seine Karten hat sich Kocak bislang noch nicht schauen lassen, weshalb man sehr gespannt auf seine erste Startelf sein darf. Welches System? Welches Personal? Wie lässt er seine Mannschaft agieren? Viele Fragen, deren Antworten heute Abend auf dem Rasen liegen. Vorsichtig euphorisch auf bessere Zeiten tippe ich gegen den seit drei Spielen sieglosen SV Darmstadt auf einen 2:1-Heimsieg. Irgendwann muss ja der erste Dreier daheim her – und vielleicht hat Hannover 96 ja mit Kenan Kocak endlich wieder einen Trainer gefunden, der länger als drei bis vier Monate die 96 auf der Brust trägt. Konstanz wäre ihm und vor allem dem Verein unbedingt zu wünschen.

Montag, 25. November 2019, 20.30 Uhr:
Hannover 96 – SV Darmstadt 98

(Foto: Sven Mandel/Wikipedia, Copyright: CC BY-4.0 [1])

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