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Die Vertreibung aus den Städten

Im Kino am Raschplatz läuft heute die Dokumentation „Push – Für das Grundrecht auf Wohnen“ des Journalisten und Filmemachers Fredrik Gertten

PUSH - Für das Grundrecht auf Wohnen

Die Spekulation mit Immobilien hat neben rasant steigenden Mieten auch andere böse Auswirkungen: Filmstill aus „Push – Für das Grundrecht auf Wohnen“

Wer als Student in Großstädten wie Hamburg, Berlin oder München schon einmal nach einem WG-Zimmer gesucht hat, weiß, wie hart umkämpft die Suche vonstatten geht. Schnell findet man sich in den Randgebieten wieder und fährt jeden Tag über eine Stunde zur Uni oder wohnt für schmale 400 Euro aufwärts in einer 8-Quadratmeter-Kammer ohne Fenster, sofern man nicht zu den Auserwählten gehört, die sowohl zentral als auch zu annehmbaren Preisen wohnen können. Sicher, es gibt auch andere Städte, in denen man studieren kann – es muss nicht immer eine der hippen Metropolen sein. Aber die steigenden Mietpreise treffen nicht nur Studentinnen un Studenten – und finden nicht nur in den angesagten Großstädten statt. Auch in ihren Speckgürteln, an der deutschen Grenze und attraktiven Regionen wie an der Küste oder in der Nähe der Berge steigen die Mieten laut Zeit Online verstärkt – teilweise sogar exorbitant: So ist etwa der Quadratmeterpreis in Berlin seit 2012 für Neuanmietungen um 42 Prozent gestiegen.

Das wirkt sich auf das Stadtbild und auf das Bild bestimmter Viertel aus. Frühere Problem- oder Arbeiter-Viertel sind mittlerweile zum Trend-Wohngebiet geworden, die Mieten steigen, bestimmte Bevölkerungsschichten können sich wegen der Gentrifizierung keine Wohnung mehr leisten oder müssen ausziehen, die Gegend ändert sich. Ein Problem, das es nicht nur in Deutschland gibt, sondern weltweit. „Das erste Zeichen dafür, dass man sein Viertel verlassen muss, sind Vintage-Klamotten-Läden“, heißt es zu Beginn des Dokumentarfilms ‚Push – Für das Grundrecht auf Wohnen“ des schwedischen Journalisten und Filmmachers Frederik Gertten. Das ist natürlich lustig und nicht ganz unwahr, doch das Problem, auch das führt der Film von Gertten vor Augen, liegt tiefer. Denn alles, was Profit einbringt, kann Spekulationsmittel sein, ob nun Gold, Aktien, Nahrungsmittel oder eben Wohnraum.

Immobilien dienen als Geldanlage, ob nun im kleinen, mittleren oder ganz großen Stil. Ganze Wohnblöcke wechseln in Nacht- und Nebel-Aktionen den Besitzer, deren Identität manchmal durchaus ebenso nebulös sein kann. „Ich glaube, es gibt einen riesen Unterschied zwischen Wohnen als Handelsware und Gold als Handelsware. Gold ist kein Menschenrecht, Wohnen schon“, sagt die UN-Sonderbericht-Erstatterin für das Menschenrecht auf Wohnen, Leilani Farha, deren Arbeit im Zentrum des Films steht: Auf ihren Reisen versucht sie herauszufinden, wer aus den Städten gedrängt wird und was die Gründe dafür sind. Ein wichtiges Thema, denn die Verdrängung ufert international inzwischen immer weiter aus: Selbst Menschen, die für den Ablauf in einer Stadt unabdingbar sind, wie beispielsweise Polizisten, Pflegepersonal oder Feuerwehrleute werden immer weiter aus den Städten getrieben. Auch in Deutschland sind die Mechanismen zu spüren. Das Kino am Raschplatz zeigt „Push – Für das Grundrecht auf Wohnen“ heute am frühen Abend. Im Anschluss gibt es noch eine Diskussion mit Moritz Warnke von der Rosa-Luxemburg-Stiftung.

Mittwoch, 27. November 2019:
„Push – Für das Grundrecht auf Wohnen“, Dokumentarfilm von Frederik Gertten, Schweden 2019, 92 min., OmU, Kino am Raschplatz, Raschplatz 5, 30161 Hannover, Beginn: 18 Uhr, Eintritt: 8 Euro, ermäßigt: 7,50 Euro

(Foto: Pressefoto)

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