Marcel Seniw
13. Dezember 2019

Habemus Heimsieg! Habemus Siegesserie?

Abseits – Hannover 96 vor dem Spieltag. Heute: das Auswärtsspiel beim VfL Bochum

Marvin Bakalorz

Traf gegen Aue gleich doppelt – dumm nur, dass er in zwei verschiedenen Halbzeiten ins gleiche Tor traf: Marvin Bakalorz

Endlich ist es vollbracht: Kenan Kocak und sein Team haben gegen den FC Erzgebirge Aue im letzten Heimspiel der Hinrunde den ersten Heimsieg von Hannover 96 in dieser Saison errungen. Im Fußball spricht man ja immer ganz gerne von dem „Brustlöser“ – dieser erste Sieg vor heimischer Kulisse könnte so einer gewesen sein. Hannover 96 hat sich auch von zwei Rückständen nicht beirren lassen, hat eine kämpferisch sehr ansprechende Leistung auf den Platz gebracht und sich in letzter Minute für den Aufwand belohnt.

Kuriose Ereignisse

Es war ja schon kurios genug, dass Kapitän Marvin Bakalorz, der sonst so gut wie nie trifft – er hatte zuvor lediglich einen Treffer für 96 erzielt -, mit seinem Tor und Eigentor gleich doppelt auf der Anzeigentafel stand. Doch dass ausgerechnet der unter Kocak aufblühende Japaner Genki Haraguchi den Siegtreffer erzielte, setzte dem Gedanken an eine neu entstehende, selbstbewusstere 96-Mannschaft die Krone auf. Die Anzeichen verdichten sich, dass der neue Trainer schon nach kurzer Zeit ein ordentliches Maß an Selbstvertrauen in die hängenden Köpfe von Anton, Bakalorz und Co. implementieren konnte.

Es könnte sich etwas Gutes entwickeln

Es ist also nach kurzer Zeit schon eine Entwicklung erkennbar. Die Spieler wirken gierig auf dem Platz, sind sich nicht zu schade für das eine oder andere Foulspiel und zeigen Nervenstärke nach Rückständen. Blöd ist nur, wenn dumme Foulspiele begannen werden, wie das von Miiko Albornoz vor dem 1:2, als der Gegner sich eigentlich vom 96-Strafraum wegbewegte. Sei es drum, Kocak gefiel die Reaktion seines Teams, speziell nach dem Ausgleichstreffer zum 2:2, als seine Jungs den Ball direkt aus dem Tor fischten und die letzte Viertelstunde nochmal richtig Dampf nach vorne machten. Ich will den Tag nicht vor dem Abend loben, aber vielleicht ist der Knoten nun endlich geplatzt. Und wenn Trainer und Mannschaft im Wintertrainingslager noch enger zusammenwachsen und Kocak noch ein oder zwei neue Spieler für die Kaderbreite und -spitze präsentiert bekäme. Ja, dann könnte sich vielleicht wieder etwas Gutes entwickeln in Hannover.

Bochum hat noch kein Heimspiel verloren

Auf der Pressekonferenz vor dem Auswärtsspiel beim VfL Bochum fand Kocak viele lobende Worte für seine Mannschaft und einzelne Spieler wie Marvin Ducksch, der zuletzt auf der Bank vielleicht etwas unzufrieden war, aber nach seiner Einwechslung gegen Aue eine Torvorlage beisteuerte. Seinen eigenen Anteil am vermeintlichen Umschwung redete er dabei klein und verwies vielmehr auf sein Team. Diesem attestierte der 38-Jährige die nötige Intelligenz, den VfL am Freitagabend nicht zu unterschätzen, schließlich habe man noch nichts erreicht. Und auch wenn es für die Bochumer in dieser Saison noch nicht so wirklich rund lief, stehen sie nur drei Punkte hinter Hannover. Zudem hat der Ruhrpott-Klub noch kein einziges Heimspiel verloren, wobei die Bilanz dann doch ausbaufähig ist: Bei zwei Siegen spielte Bochum im Ruhrstadion gleich sechsmal remis. Besonders aufpassen müsse sein Team auf die Offensive des Gegners, hier sei der VfL Bochum sehr gut bestückt und bringe eine gewisse Qualität mit, sagte Kocak. Doch auch wenn 96 über die Schwere der Arbeit wisse, habe man genug Selbstvertrauen, um sagen zu können, dass man das Spiel gewinnen wolle.

Letzte Woche fachsimpelte ich noch darüber, dass eine kleine Serie zum Jahresausklang dafür sorgen könnte, dass 96 dem Jahreswechsel entspannt entgegenblicken könnte. Und tatsächlich: Mit einem Sieg in Bochum könnte das Punktekonto schon heute Abend auf 23 Zähler erhöht werden und der Abstand zum Relegationsplatz im Idealfall auf acht Zähler anwachsen. Der nützliche Neben-Effekt: Hannover würde dann mit einer neun Punkte breiten Brust ins Heimspiel gegen den VfB Stuttgart gehen – und sollte zum Rückrundenauftakt im Dezember auch noch ein Sieg eingefahren werden, könnte uns eine verdammt heiße Rückrunde bevorstehen. 96 hätte dann an den letzten fünf Spieltagen dieses Jahres die gesamte Hinrunde ad absurdum geführt: Aus berechtigten Existenzsorgen und Abstiegssorgen würden auf einmal wieder leise Aufstiegshoffnungen. Die 2. Bundesliga ist einfach verrückt. Doch bevor wir uns damit beschäftigen, was nach den kommenden 180 Minuten alles möglich wäre, tippen wir lieber erst einmal die kommenden 90. Ich glaube, dass Hannover 96 das neue Selbstvertrauen für sich zu nutzen weiß und in Bochum die gegnerische Wiese mit dem nächsten Sieg, einem 2:1, dem dritten Erfolgserlebnis in Serie, verlassen wird. Nichts ist mit Unglück an Freitag dem 13., denn: Habemus Siegesserie!

Freitag, 13. Dezember 2019, 18.30 Uhr:
VfL Bochum – Hannover 96

(Foto: Pressefoto/Hannover 96)

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Kategorien: Sports

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