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Eine ganz besondere Trafik

Ein junger Mann trifft auf die große Liebe, politische Probleme und Sigmund Freud: „Der Trafikant“ im Kino im Künstlerhaus 

Der Trafikant

Anezka (Emma Drogunova), Franz (Simon Morze), Otto (Johannes Krisch) und Sigmund Freud (Bruno Ganz) leben ihre unterschiedlichen Leben im Wien der 1930er-Jahre, Filmplakat

Wien 1937: Franz Huchel (Simon Morze), 17 Jahre jung, hat sein kleines österreichisches Heimatdorf verlassen, um in der Großstadt Wien sein Glück zu finden. Sein neuer Job: Lehrling in einer Trafik (Trafiken waren kleine Tabak- und Zeitungsgeschäfte, ähnlich wie in Deutschland Kioske). Der Chef der Trafik, Otto (Johannes Krisch), lehrt Franz nicht nur den Verkauf von Tabakwaren und Zeitschriften, sondern auch den Umgang mit Menschen. Die Trafik hat viele sonderbare Stammgäste. Einer davon ist Sigmund Freud (Bruno Ganz). Franz ist sofort angetan von seinen Denkweisen und seiner Art, Menschen zu betrachten. Deswegen sucht er Freud auch außerhalb der Trafik auf und es entwickelt sich eine außergewöhnliche Freundschaft zwischen den beiden. Kurz darauf trifft Franz auf dem Prater, eine Art beständiger Rummelplatz in Wien, seine erste große Liebe: Anezka (Emma Drogunova), eine böhmische Varieté-Tänzerin mit Zahnlücke. Die zwei verstehen sich recht gut, jedoch wird Franz aus Anezka nicht wirklich schlau. Er sucht Rat bei Freud. Dabei stellt sich heraus: Freud kennt sich zwar gut mit dem menschlichen Wesen im Allgemeinen aus, aber Frauen sind ihm schlichtweg ein Rätsel. Als wäre dies für Franz nicht Problem genug, wird auch die Stadt und ebenso die Trafik alsbald von den politischen Ereignissen jener Zeit verändert. Der Nationalsozialismus breitet sich in Österreich aus und erreicht schließlich auch Wien. Diese Veränderung wirbelt auch die Leben von Franz, Otto, Freud und Anezka durcheinander – und sie alle müssen sehr gut aufeinander aufpassen…

Robert Seethaler Roman „Der Trafikant“ war so erfolgreich, dass der österreichische Regisseur Nikolaus Leytner ihn schließlich verfilmte. Bereits 2007 wurde Seethaler für seinen Roman „Die Biene und der Kurt“ mit dem Debütpreis des Buddenbrook-Hauses ausgezeichnet. Für den Film „Die zweite Frau“ schrieb er das Drehbuch und wurde dafür mit vielen Preisen belohnt, außerdem wurde der Film auch auf internationalen Filmfestivals gezeigt. Seethaler lebt in Berlin und auch in Wien, der Stadt, die ihm die Idee zum Trafikanten gab.

Wenn man „Der Trafikant“ liest oder nun auch ansieht, begleitet man den Protagonisten Franz durch sein Leben und sieht, welche Entwicklungen er durchmacht. Man sieht den jungen Franz zum Mann reifen. Man sieht ihn einen Beruf erlernen. Man sieht ihn um seine erste große Liebe kämpfen. Man sieht ihn mit Sigmund Freud, der ihm Freundschaft und das Wesen der Menschen lehrt. Man sieht ihn, wie er gegen den Nationalsozialismus kämpft. Das Ensemble Simon Morze als Franz, Bruno Ganz als Sigmund Freud und Emma Drogunova als Anzeka, Johannes Krisch als Otto Trsnjek bringt den Roman grandios umgesetzt auf die Leinwand, deswegen hat der Film auch viele Auszeichnungen erhalten. Die Deutsche Film- und Medienbewertung zeichnete ihn mit dem „Prädikat wertvoll“ aus. Er erhielt außerdem den Golden Walther Award des Film Festivals Bozen 2019 und den Publikumspreis des CIVIS Kinopreis 2019. Ein interessanter Film, der die kleinen Probleme des Alltags zeigt, Wien als schöne Stadt wiedergibt und über die geschichtlichen Ereignisse in Österreich zu jener Zeit bestens informiert. Im Anschluss an den Film folgt ein Referat und eine Diskussion mit der Psychotherapeutin Christa Marahrens-Schuerg und der Dramaturgin Sabine Sonntag.

Montag, 6. Januar 2020:
„Der Trafikant“, Spielfilm von Nikolaus Leytner, Österreich/Deutschland 2018, 113 min., Kino im Künstlerhaus, Sophienstraße 2, 30159 Hannover, Beginn: 19.30 Uhr, Eintritt: 7,50 Euro, ermäßigt: 5,50 Euro

(Foto: Filmplakat)

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