Cosma Jo Gagelmann
18. Januar 2020

Er ist nicht das, wonach er aussieht

Ein türkischer Name, eine Bratsche und ein junger Mann, der mit Worten extrem gut umgehen kann: Yunus gibt heute ein Konzert im Mephisto

Yunus

Der erste Eindruck täuscht meistens: Johannes Berger alias Yunus

Johannes Berger ist in Istanbul geboren, in München und Berlin aufgewachsen und studierte Jazz in Hannover. Kaum zog er nach Hannover, stand er schon auf sämtlichen Bühnen der Stadt. Seine Bachelor-Arbeit war ein Konzert im Theater am Küchengarten. Seit 2012 nimmt er an Poetry Slams teil und moderiert auch den hannoverschen Jazz-Slam „Jazz’n’Poetry“. 2014 gewann er die deutschsprachige U20-Poetry-Slam-Meisterschaft. 2016 erreichte er den zweiten Platz bei den niedersächisch-bremischen Landesmeisterschaft im Poetry Slam. 2018 war er hannoverscher Stadtmeister im Poetry Slam. Außerdem veröffentlichte er 2016 sein Buch „Jugendsünden“, in dem seine Bühnentexte chronologisch geordnet sind, um seine Reifung zu zeigen. Er war mit seinen Texten schon in der Elbphilharmonie, der Staatsoper Hannover, dem Schauspielhaus Hamburg und auf dem Deichbrand-Festival. Nun folgt ein neuer Abschnitt: weniger Poetry Slam, mehr Musik.

Unter dem Namen Yunus rappt Berger und er spielt dazu Bratsche. Bratsche? Was ist das denn? Eine Bratsche ist die große Schwester der Geige. Wer sich jetzt denkt, wie kann das denn zusammenpassen, der wird sehen: Es passt. Yunus und sein Instrument harmonieren sehr gut zusammen und wer das nicht glauben mag, wird bei seinen Konzerten eines Besseren belehrt. Denn Berger beherrscht sein Instrument wie kein Zweiter. Seine Texte sind voller Selbstironie, man muss sie nur zwischen den Zeilen lesen. Er macht einem nichts vor, hat einen klarer Blick auf Probleme. Der Sound ist interessant, anders und die Melodien reißen einen mit. Yunus spiegelt die heutige Generation wider, ist anders, rebellisch und vor allem eines nicht: vorhersehbar. Yunus Welten sind einzigartig, doch Vorsicht, wenn man denkt, man hat ihn durchschaut, reist er schon in andere Welten weiter. Er lässt sich eben in kein Genre einordnen, er macht sich sein eigenes Genre.

Nun hat Yunus vor ein paar Monaten seine neue EP „Es ist nicht dass, wonach es aussieht, Mutter“ herausgebracht. Von Liebe über Gesellschaftskritik bis zur eigenen Positionierung im Musik-Business: Yunus rappt über sich, seinen Alltag und vieles mehr. Jetzt tourt er durch Deutschland und steuert als vorletzten Halt auch seine Heimatstadt Hannover an.

Samstag, 18. Januar 2020:
Yunus, „Es ist nicht dass, wonach es aussieht, Mutter“-Tour, Kulturzentrum Faust, Mephisto, Zur Bettfedernfabrik 3, 30451 Hannover, Beginn: 20 Uhr, Eintritt: 11 Euro

(Foto: Pressefoto/www.macht-worte.com)

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Kategorien: Musik, Tagestipps

2 Kommentare

  1. Der Bube sagt:

    Das Konzert war perfekt, wer nicht dabei war, Nächstes Mal unbedingt Tickets kaufen!

  2. Tom sagt:

    Super cooler Beitrag zu einem recht unbekannten Künstler. Es ist iteressant zu sehen, wie sich Kulturen miteinander vermischen und so etwas völlig neues entsgeht.

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