Susanne Viktoria Haupt
14. Januar 2020

Filmmusik aus Dortmund

So klingt der Pott: Im Lux sind heute Walking on Rivers zu Gast

Auf dem Sprung zur ganz großen Karriere: Walking on Rivers aus Dortmund

Dank der sozialen Netzwerke erscheint ein Star-Dasein mittlerweile für jeden erreichbar. Und so manche große Künstlerin oder mancher große Künstler hat durchaus die Karriere auf Instagram, YouTube oder anderen Portalen begonnen. Shawn Mendes, dem man sein Talent nicht abstreiten kann, startete beispielsweise auf YouTube und Twitter. Die Zwillinge Lisa und Lena, deren Talent ursprünglich im Tanz lag, nutzten die Plattform TikTok für den großen Sprung ins Showbusiness und veröffentlichten 2017 sogar ihre erste Single. Heute sind sie die ganz großen Instagram-Stars. Man mag also fast meinen, dass die Zeit der Proberäume vorbei seien und man nun nicht mehr als einen Social Media-Account benötigen würde, um an einen Plattenvertrag zu kommen. Talent benötigt es aber schon, sonst bleibt es wie bei Lisa und Lena bei einer einzigen Single. Und Mendes ist sicherlich nicht nur durch seine Föhn-Welle ein Megastar geworden, auch wenn die sicherlich ihren Teil beigetragen hat. So oder so, es ist hart auf dem Musik.Markt, aber der Bedarf an richtig gutem Sound, der aus irgendeinem Kellerloch kommt, ist genauso groß, wie noch vor zehn Jahren. In diesem besonderen Falle kommt der Sound direkt aus dem Ruhrpott und hört auf den Namen Walking on Rivers – und er ist erstaunlich gut.

Die Dortmunder klingen ein wenig nach einer jüngeren Version eines Tarantino-Soundtracks. Nicht ganz so dreckig und rauchig, aber doch mit einer gewissen Note Italo-Western und einem Hauch Indie-Folk. David, Borsti, Niklas, Markus und Martin haben sich bereits 2015 zusammengetan, aber ihr Sound schlug schnell hohe Wellen. Einladungen zu größeren Festivals und in angesagte Konzert-Clubs ließen nicht lange auf sich warten, ebenso wenig die staatliche Förderung. Schnell klinkten sich sowohl der Landesmusikrat NRW wie auch die PopAkademie mit ein. Zugegeben, ihre Texte könnten ein wenig mehr an Tiefe vertragen, aber vom Klang her füllen Walking on Rivers die sehnsuchtsvoll klaffende Lücke für verträumte Stadtmenschen aus. Befeuert wird das Ganze durch einen teilweise mehrstimmigen Gesang, der die Ruhrpott-Melancholie perfekt in Szene setzt. Nun ist mit „Wherever I Go // You Follow“ ihre neue Single draußen und heute Abend spielen Walking On Rivers im Lux. Wer also wissen möchte, was die deutschsprachige Musiklandschaft neben Loredana, Captain Bra und Apache 207 noch zu bieten hat, sollte sich Walking on Rivers wirklich anhören. Und vielleicht gibt es auch irgendwo eine mutige Film-Crew, die genau mit diesem Sound ein künftiges Projekt unterlegen möchte. Er bietet sich einfach dafür an.

Dienstag, 14. Januar 2020:
Walking on Rivers, Lux, Am Schwarzen Bär 2, 30449, Hannover, Beginn: 20 Uhr, Eintritt: ab 16 Euro

(Foto: Pressefoto/Lux Hannover/Hannover Concerts)

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Kategorien: Musik, Tagestipps

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