Susanne Viktoria Haupt
20. Januar 2020

Abenteuer kennt keine Grenzen

Das Apollo-Kino zeigt heute „Über Grenzen – Der Film einer langen Reise“, die Geschichte der 64-jährigen Margot, die einfach mit ihrem Motorrad bis Zentralasien gefahren ist

Ganz einfach war die Reise nicht, aber an Mut mangelte es Margot nie: „Über Grenzen“ von Johannes Reier, Filmplakat

Jedes Mal, wenn ich vorhabe, zu verreisen, freue ich mich bereits Wochen zuvor. Aber an dem Morgen, an dem es dann endlich losgehen soll, erwischt mich die große Trägheit. Margot kennt das auch. Ganz treffend sagt sie in der Reise-Doku „Über Grenzen“, dass das Aufbrechen das Schwierigste sei. Unterwegs zu sein, sei einfach, und da hat sie Recht. Sobald man den Fuß vor die Tür gesetzt hat, und den Wind neuer Abenteuer spürt, läuft es vom Feeling her eigentlich wie geschmiert. Margot hat aber auch echt leicht Reden, denn was sie geschafft hat, haben bisher nicht viele auf ihrer Liste abhaken können. Mit 64 Jahren bestieg sie das erste Mal in ihrem Leben ein Motorrad und weil es so gemütlich war, fuhr sie los und hielt einfach nicht mehr an. Und das für 117 Tage. Über 18.000 Kilometer war sie mit ihrer kleinen 125er-Maschine unterwegs. Von Nordhessen aus ging es bis nach Zentralasien. Durch die Wüste, im Iran ans Meer, durch die Berge. Margot hat alles gesehen und das wollte sie auch. Sie wollte Dinge sehen, die sie „fassungslos“ machen.

Margot ist nicht losgefahren, weil sie 64 Jahre alt ist und sich dringend nochmal etwas beweisen wollte. Sie wollte nicht schauen, ob sie es noch „bringt“, sie hatte einfach Bock auf ein Abenteuer und wollte sichergehen, dass die Welt und die Menschen noch gut sind. Das war ihr Hauptanliegen. Ganz einfach war die Reise aber dennoch nicht. Auch wenn Abenteuer keine Altersgrenzen kennen, hat jeder Mensch seine eigenen körperlichen Grenzen. Ein Motorrad übrigens auch. Und so musste Margot manchmal mehr schieben als fahren und stürzte auch mal, weil die Straßen einfach nicht für ihr Gefährt gemacht waren. Die Menschen, die sie unterwegs traf und die faszinierenden Landschaften, die sie sah, waren es aber allemal wert. Und nach über hundert Tagen war das Aufbrechen wirklich kein Problem mehr, sondern das Wiederkommen. Wer will nach so viel Abenteuer schon direkt wieder ins kleine Dorf nach Nordhessen?

Wer wissen will, was Margot auf ihrer Abenteuer-Reise noch so alles erlebt hat, und wie viel Weisheit in ihr steckt, kann sich heute im Apollo-Kino die Dokumentation „Über Grenzen – Der Film einer langen Reise“ anschauen. Denn ganz alleine war Margot nicht und Regisseur Johannes Reier hat die Reise von Nordhessen quer durch die Wolga und das Pamir-Gebirge fantastisch in Szene gesetzt. Ein Film über die Reise einer ganz bemerkenswert starken Frau.

Montag, 20. Januar 2020:
„Über Grenzen – Der Film einer langen Reise“, Dokumentarfilm von Johannes Reier, D 2019, 110 min., Apollo-Kino, Limmerstraße 50, 30451 Hannover, Beginn: 17.45 Uhr, Eintritt: 8 Euro, ermäßigt: 7 Euro

  • weitere Vorstellung:
  • Freitag, 28. Februar, 17.45 Uhr

(Foto: Filmplakat)

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Kategorien: Film, Tagestipps

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