Jörg Smotlacha
21. Dezember 2019

Drei Punkte für ein Halleluja

Abseits – Hannover 96 vor dem Spieltag. Heute: das Heimspiel gegen den VfB Stuttgart

Mario Gomez

Kommt mit dem Video-Beweis mal so gar nicht klar: VfB-Stürmer Mario Gomez

Wenn Hannover 96 heute mit dem Heimspiel gegen den Mit-Absteiger VfB Stuttgart startet, ist ziemlich klar: Alle Signale stehen auf Neuanfang. Denn nach einer ziemlich verkorksten Hinrunde tut ein Neuanfang wirklich not. Deutlich wurde, dass ein überdurchschnittlich teurer, mit bundesligaerfahrenen Spielern, jungen Talenten und ein paar gewagten Neueinkäufen gespickter Kader nicht unbedingt sofort die Reife hatte, um im grauen Alltag der Zweiten Liga zu bestehen. Und da kommt natürlich auch die Transferpolitik von Jan Schlaudraff ins Spiel: Dass Hannovers neuer Coach Kenan Kocak zuletzt in der Startelf bis auf Ron-Robert Zieler ausschließlich auf altgediente Spieler zurückgriff und jüngst in Bochum erst in der zweiten Halbzeit Neuzugänge wie Marc Stendera und Marvin Duksch einwechselte, ist bezeichnend.

Durchwachsene Transfer-Bilanz

Aber natürlich ist hier vor allem Martin Kinds plötzliches Spar-Diktat zu betrachten. Ein junger Sportdirektor auf seinem ersten Posten, wenig Geld für große Sprünge, aber eine supergroße Erwartungshaltung, da konnte auch Schlaudraff nicht glänzen. Bei genauerer Betrachtung, die natürlich den derzeitigen Tabellenplatz 14 ein wenig ausblenden muss, ist die Tranfer-Bilanz vielleicht perspektivisch sogar ganz gut: Mit Marcel Franke und Sebastian Jung hat 96 zwei Abwehrspieler dazubekommen, die – wenn sie fit sind – als Stammspieler gesetzt sein dürften. Und die oben genannten Offensivkräfte Stendera und Duksch können durchaus den Unterschied ausmachen. Das war in den letzten Spielen durchaus zu sehen, vor allem beim 3:2-Heimsieg gegen Aue.

Die Bäume wachsen nicht in den Himmel

Das Problem aber scheint erkannt: Zu viele verletzte Spieler, zu viel Verunsicherung im Team. Immerhin scheint der neue Trainer Kenan Kocak die richtigen Impulse zu setzen. Und auch wenn ich der Meinung bin, dass die Bäume hier ganz bestimmt nicht in den Himmel wachsen, wünsche ich mir, dass sich bei Hannover 96 so etwas wie ein Neuaufbau realisieren lässt. Vielleicht nicht mehr unbedingt mit einem Aufstieg in 2020, aber ganz bestimmt auch nicht mit einem Durchmarsch in Liga Drei, wie viele Stammtisch-Redner schon prophezeit haben. Dafür ist das Team zu talentiert. Gebt ihm Zeit!

Auch Stuttgart blieb unter den Erwartungen

Zum Rückrundenauftakt ist nun ausgerechnet der Mit-Absteiger VfB Stuttgart zu Gast, der ein paar Spiele mehr gewonnen hat als 96, auf Platz 3 halbwegs auf Aufstiegskurs liegt und trotzdem ebenfalls in der Krise ist. Sinnbildliches Spiegelbild dafür ist Stürmer Mario Gomez, dem tatsächlich in den letzten drei Spielen ganze fünf Treffer aberkannt wurden – allesamt zu recht, allesamt durch Video-Beweis. Ein absolutes Novum in der an Anekdoten reichen Fußball-Geschichte. Aber auch Tim Walter, der noch ziemlich neue Trainer der Schwaben, braucht morgen in Hannover einen Sieg, um nicht auch schon wieder entlassen zu werden, wenn man dem Geraune in den Medien glauben schenken mag. Zu wackelig ist auch in Stuttgart das Gebilde, wie übrigens auch in Nürnberg. Keine Frage: Alle drei Absteiger hinken hinter den Erwartungen hinterher. Ein kleiner Vorteil für Hannover. Die Erwartungen sind längst geringer geworden. Mein Tipp: Das Team spielt befreit auf und schlägt den VfB Stuttgart durch zwei Tore von Weydandt und Stendera mit 2:0.

Samstag, 21. Dezember 2019, 13 Uhr:
Hannover 96 – VfB Stuttgart

(Foto: Jeollo/Wikipedia, Copyright: CC BY-3.0)

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Kategorien: Sports

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