Sebastian Albrecht
27. Dezember 2019

Goldtenes Handwerk

Verlässlich wie ein Uhrwerk: Heute Abend liest Max Goldt im Pavillon aus neuen und alten Texten

Max Goldt

Seine Texte sind gleichermaßen komisch wie poetisch: Max Goldt

Eine Ankündigung zu einer Lesung des grandiosen Max Goldt zu schreiben, ist mitunter eine undankbare Aufgabe. Da wäre zum einen deren traditionelle Charakter: Dass Goldt im Dezember oder Januar auf der Bühne des Pavillons sitzt und aus alten und neuen Texten liest, ist so sicher wie der Familienstreit zum Weihnachtsfest – hält den Schriftsteller nicht gerade ein Sturmtief von der Anreise ab. Es juckt also in den Fingern, den eigenen Text über Goldt mit „Alle Jahre wieder…“ zu beginnen, auf den traditionellen Charakter von Goldts Lesungen zu verweisen und irgendwie eine Brücke zu Weihnachten zu schlagen. Ein stilistischer Kniff, dessen Tradition fast ebenso alt sein mag wie die der Goldtschen Lesungen und den Goldt selbst hin und wieder auf der Bühne lapidar kommentiert. Die Tradition, die seinen Lesungen innewohnt, führt dann auch gleich zum nächsten Problem.

Was kann über diesen Mann überhaupt noch geschrieben werden? Wem Max Goldt ein Begriff ist, wird sich den Termin der Lesung sowieso schon in den Kalender eingetragen haben, allen anderen möchte man eigentlich nur zurufen: Gehet hin, vernehmet die poetischen Worte, staunet über die scharfsinnige Beobachtungsgabe, erfreuet euch am Goldtschen Humor, der pointiert genug ist, sichere Lacher zu erzeugen, und doch intelligent genug, um darüber hinaus nachzuwirken. Und vor allem: Gehet nicht allein! Nehmt sie alle mit, die Freunde, die Liebsten, die Schwestern und Brüder, die Mütter und Väter, die Tanten und Onkel, die Großeltern, die Kommilitonen, die Lehrer, die Clowns, Spaßmacher und Humor-Befreiten, die heimlichen Geliebten, die Supermarkt-Kassierer, denn, das ist keine Übertreibung, Max Goldt versteht sein Handwerk, sowohl am Schreibtisch als auch auf der Bühne.

Wer bislang noch keiner seiner Lesungen beiwohnen durfte, hat heute Abend die Gelegenheit dazu: Im Pavillon wird der Schriftsteller wieder aus neuen und alten Texte lesen. Nachdem am Vormittag bereits die ersten Weihnachtsgeschenke umgetauscht wurden, kann sich am Abend selbst – und anderen – damit sicher eine große Freude gemacht werden. Es heißt, in seinem Leben sollte man einen Baum pflanzen – das mag sein oder auch nicht. Ganz sicher hingegen ist: Man sollte in seinem Leben eine Lesung von Max Goldt besucht haben.

Freitag, 27. Dezember 2019:
Max Goldt liest, Lesung neuer und alter Texte, Pavillon Hannover, Lister Meile 4, 30161 Hannover, Beginn: 20 Uhr, Eintritt: 19 Euro, ermäßigt: 16 Euro

(Foto: Pressefoto/Pavillon Hannover/Axel Martens)

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Kategorien: Literatur, Tagestipps

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