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Alkohol als Völkerverständigung

In der Faust-Warenannahme bittet heute Abend der Schriftsteller Jörg Dauscher wieder zu seiner „alkoholischen Lesung“. Thema heute: „Trinksprüche aus Georgien“

Jörg Dauscher in Georgien beim Notat

Das alkoholische Getränk darf beim Schreiben nicht fehlen: Jörg Dauscher

Der Genuss von Alkohol ist in Deutschland eine größtenteils akzeptierte Angelegenheit. Größtenteils, da Deutschland, wie viele andere europäische Länder auch, zwar eine lange Alkohol-Kultur vorzuweisen hat, diese aber gewissen Normen folgt. Diese können von Land zu Land variieren – so ist etwa die Trink-Kultur im Nachbarland Frankreich bereits eine andere. Deutschland zählt, soziologisch gesehen, zu den alkoholdeterminierten Kulturen, dass bedeutet, dass Alkohol stark mit Festen beziehungsweise besonderen Anlässen verbunden ist. Anders gesagt, wer trinken will, braucht dazu einen Grund: Silvester, Geburtstage, ein Fußballspiel, neue Kollegen, die Geburt eines Kindes, ein neues Flusen-Sieb, einen frisch lackierten Gartenzaun oder ähnliches. Getrunken wird gewöhnlich in Gemeinschaft: Wer mit Kumpels ein Wochenendausflug zur Reeperbahn macht und am Montagmorgen nur noch weiß, dass er sich am Freitag in den Zug nach Hamburg gesetzt hat und nun um einen hohen dreistelligen Geldbetrag ärmer ist, hatte potenziell ein großartiges Wochenende, wer hingegen regelmäßig im stillen Kämmerchen ein oder zwei Gläser alkoholischer Getränke konsumiert, ohne dabei Gesellschaft zu haben, der gilt als mindestens sonderbar, hat wahrscheinlich aber auch ein Alkohol-Problem.

Ausnahmen bestätigen natürlich auch hier die Regel: Stehen zu Hause verschiedenste teure Whiskey-Sorten im Regal, ist das Herunterbeten eines einstündigen Vortrages über die Unterschiede von Scotch und Bourbon ebenso wenig ein Problem wie das Philosophieren über das geschmackliche Für und Wider von rauchig und torfig. Werden dem Whiskey nur mithilfe einer Pipette ein paar Tropfen Soda beigefügt und das Glas nicht in einem Zug, sondern über den Abend hinweg geleert, kann auch problemlos alleine getrunken werden, denn wir haben es eindeutig mit Connaisseusen zu tun. Auch Künstlern wird häufig einiges nachgesehen: Spätestens seit Hemingway gehört ein Glas Rotwein – oder gleich eine Flasche Schnaps – neben die Schreibmaschine eines Schriftstellers, denn sonst wäre das Tippen doch zu einsam. Passenderweise fallen der Tag der Buches und der des Bieres dann auch gemeinsam auf den 23. April. Nur naheliegend, dass in der Warenannahme des Kulturzentrums Faust heute zum zweiten Mal eine „alkoholische Lesung“ mit dem Reiseschriftsteller Jörg Dauscher stattfindet. Zwar wird auch Dauscher die einsamen Schreib-Abende kennen, doch ist er nicht nur Autor, sondern auch gerne und viel in der Welt unterwegs. Und so verbinden seine Lesungen Literatur, Alkohol und Reisen miteinander. Während Dauscher in der ersten Lesung „Nachrichten aus der Wodka-Zone“ in die russische (Trink-)Kultur eintauchte, gibt es heute Abend „Trinksprüche aus Georgien“ zu hören.

Während hierzulande über Russland noch das eine oder andere bekannt ist, fällt vielen hinsichtlich Georgien vermutlich weniger ein: Die geographische Lage, hohe Berge, Josef Stalin vielleicht. Wer sich für Fußball interessiert, wird sich eventuell noch daran erinnern, dass um die Jahrtausendwende herum mehrere Georgier wie Alexander Iashwili und Lewan Kobiashwili für den SC Freiburg aufliefen. Anders sieht es bei Jörg Dauscher aus, der fast ein ganzes Jahr lang in Georgien verbrachte und dabei zahlreiche Anekdoten sammelte. Die Rolle der deutschen Sprache im postsowjetischen Alltag zum Beispiel. Oder wie Gäste vorsätzlich betrunken gemacht werden. Denn Georgien ist, so viel sei verraten, nicht nur ein spannendes Land, sondern ebenfalls eines mit einer ausgeprägten Alkoholkultur. Die Frage, welche alkoholische Getränke in Georgien besonders gerne getrunken werden, beantwortet Dauscher übrigens nicht bloß verbal: Wer heute Abend in der Warenannahme vorbeischaut, wird selbst nippen dürfen, denn „Die alkoholische Lesung mit Jörg Dauscher“ wartet auch immer mit den landestypischen Alkoholika auf. Damit der Alkohol bei leerem Magen nicht zu schnell zu Kopf steigt, werden außerdem kulinarische Köstlichkeiten aus der georgischen Küche serviert. Womit übrigens auch die besten Voraussetzungen zum Trinken gegeben sind: Gesellschaft, ein besonderer Anlass und leckeres Essen gibt es dazu auch noch. Die passenden Trinksprüche dazu hat Jörg Dauscher natürlich ebenfalls parat.

Freitag, 11. Januar 2020:
„Trinksprüche aus Georgien. Die alkoholische Lesung mit Jörg Dauscher“, Kulturzentrum Faust, Warenannahme, Zur Bettfedernfabrik 3, 30451 Hannover, Beginn: 20 Uhr, Eintritt: 12 Euro, ermäßigt: 9 Euro

(Foto: Pressefoto/Kulturzentrum Faust)

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