Jörg Smotlacha & Henning Chadde
29. Mai 2010

„Wenn ein Song uns nicht berührt, kann er gleich mal nach Hause gehen“

Leidenschaftlich: Beim Kulturkiosk von langeleine.de präsentieren Cover Deluxe am kommenden Freitag gediegen arrangierte Cover-Versionen und eigene deutsche Songs. Ein Interview

Cover Deluxe

„Gelegentlich gibt es auch mal eine Lachsplatte“: Cover Deluxe haben den Blick nach oben gerichtet

langeleine.de: Frau Peters, Herr Bintig, bei Eurem gemeinsamen Projekt Cover Deluxe widmet Ihr Euch mit Hingabe bekannten Stücken aus der Musik-Geschichte, um diesen mit jeder Menge Leidenschaft einen neuen Anstrich zu verpassen. Wie geht Ihr dabei musikalisch vor?

Moritz Bintig: Zu Beginn unserer gemeinsamen Arbeit haben wir erst einmal einen eigenen Stil und Sound gesucht. Dann setzen wir uns meistens mit einer guten Flasche Wein und einer akustischen Gitarre zusammen und lassen den Song neu entstehen, sammeln Ideen und suchen ein neues Gefühl für den einzelnen Titel.

Britt Peters: Anschließend ist es dann an Moritz, aus diesen ganzen Ideen ein Backing zu entwickeln, das sowohl unserer Vorstellung entspricht als auch dem Original in respektvoller Weise entgegenkommt. Und zu guter Letzt kommt dann mein Gesang dazu.

ll: Wie kommt es zur gemeinsamen Songauswahl? Was muss einen Song auszeichnen, um es in das Programm von Cover Deluxe zu schaffen?

Peters: Och, das ist ganz leicht. Erstmal muss der Song uns berühren. Wenn er uns nicht berührt, kann er gleich mal nach Hause gehen. Dann muss er auch lediglich mit Gitarre und Gesang funktionieren. Das probieren wir aus, und manche Stücke verlieren ganz einfach ihren Charme, wenn sie bestimmte Elemente nicht mehr aufweisen wie zum Beispiel Streicher oder andere aufwändige Arrangements.

Moritz Binting

Multi-Instrumentalist und Arrangeur: Moritz Binting an der Gitarre

ll: Gibt es musikalische Grenzen oder besser: Bands und Songs, die Cover Deluxe niemals anfassen würden?

Bintig: Nein, eigentlich nicht. Da sind wir ausgesprochen naiv (lacht). Es gibt Songs, die einen unglaublichen Charme entwickeln, je mehr man weglässt oder einfach nur sparsamer arrangiert oder instrumentiert. Das können dann theoretisch auch Songs aus dem Country-, Rock- oder Metal-Genre sein. Andere Songs wiederum verlieren enorm an Potential, wenn man basale Elemente der Produktion wegnimmt. Gerade viele moderne Titel haben dieses Problem. Die Kompositionen sind nicht sonderlich stark, die Produktion dafür umso umfangreicher.

ll: Kurz für die Boulevard-Abteilung: Wie haben Cover Deluxe zusammengefunden?

Peters: Wir haben uns vor ein paar Jahren in Oberhausen kennengelernt. Das war bei einem Konzert der Musical-Sängerin Maricel, die Moritz damals produzierte. Ich war dabei als Background-Sängerin. Wir haben gesagt: „Hey, lass uns mal was machen!“ Und wir haben was gemacht. Erstmal zusammen einen getrunken und Beatles-Lieder gespielt, dann sind wir als singendes Grußtelegramm rumgetingelt. Anschließend haben wir die Platte gemacht. Im letzten Jahr waren wir mit unseren Lieben in der Toskana und haben eigene deutsche Stücke komponiert, die wir im typischen Cover Deluxe-Stil arrangiert haben. Ich sage nur soviel: Ein Traum!

Britt Peters

Die Stimme von Cover Deluxe: Britt Peters

ll: Ihr arbeitet ja gerne mit musikalischen Gästen zusammen. Nach welchen Kriterien stellt Ihr Euer Ensemble zusammen und gibt es eine Stammbesetzung?

Bintig: Ja, wir haben eine Stammbesetzung. Das sind Andreas von Kessinger am Cello – der Mann spielt übrigens bei Peter Maffay – und Christian Decker am Bass, der ebenfalls über jeden Zweifel erhaben ist. Und wenn Christian mal keine Zeit hat, wie am 4. Juni, dann spielt unser Multitasking-Mann Andreas auch noch den Bass! Außerdem haben wir mit Alejandro Schleese einen großartigen Keyboarder, und Stephan Emig am Schlagzeug und an den Percussions vervollständigt unsere Band mit seiner Einmaligkeit. Alles Professionelle. Gesanglich übrigens haben wir im Background souveräne Unterstützung von der wunderbaren Britta Erchinger. Und um Eure Frage nach den Kriterien zu beantworten: Besagte Musiker kommen und spielen und dann passiert das, was ihr in Eurer ersten Frage angesprochen habt: Leidenschaft! Das und das entsprechende Können – mehr fordern wir nicht als Einstellungsvoraussetzung.

Wie muss man sich eine typische Cover Deluxe-Probe vorstellen? Entspanntes Musizieren bei Kerzenschein und Rotwein im edlen Glas?

Peters: Genau so!
Bintig: ‚N paar Schnittchen wär’n noch schön.
Peters: Die mach ich aber nicht.
Bintig: Gelegentlich gibt es auch mal eine Lachsplatte.

Andreas von Kessinger

Sonst mit Peter Maffay unterwegs, Freitag beim Kulturkiosk: Cellist Andreas von Kessinger

ll: Was war Euer bisher interessantestes Live-Erlebnis mit Cover Deluxe?

Peters: Unsere schon erwähnten Geburtstagsständchen zu zweit als Telegramm. Damit waren wir sogar schon beim Oberbürgermeister zum Geburtstag.

Bintig: Und dann letztes Jahr unser Auftritt im Gig. Da haben wir zum ersten Mal unsere eigenen deutschen Titel vorgetragen. Es ist einfach wunderbar zu spüren, dass die eigenen Kompositionen ebensoviel Anklang finden wie unsere Cover-Versionen.

ll: Zum Schluss die traditionelle Kulturkiosk-Frage: Was dürfen die geneigten Zuhörerinnen und Zuhörer am kommenden Freitag von Cover Deluxe erwarten?

Bintig: Leidenschaft, was sonst?

Nicht verpassen:

Cover Deluxe sind am Freitag, dem 4. Juni, beim Kulturkiosk von langeleine.de zu Gast und präsentieren stilvolle Adaptionen und gehaltvolle Eigenkompositionen.

(Fotos: Pressefotos)

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Kategorien: Menschen, Musik

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