Susanne Viktoria Haupt
2. Februar 2020

Ein zweifelhaftes Abenteuer

Das Apollo-Kino zeigt heute den Dokumentarfilm „Voice of Nature“ und stößt damit eine Diskussion über umstrittene Schlittenhunderennen an

„Voice of Nature“ von Margarete Gau gewährt einen intensiven, aber auch teilweise romantisierten Einblick in die Welt der Schlittenhunderennen, Filmplakat

Wenn es um Schlittenhunderennen geht, liegen sich die Menschen gerne in den Haaren. Für viele gilt der Sport mit den Hunden als erstrebenswertes Abenteuer und das Event wird sogar hier und da als Teambuilding-Maßnahme von Großkonzernen gebucht. Für andere allerdings ist der „Sport“ pure Tier-Quälerei – und in der Tat sprechen einige Fakten eher für letztere Sichtweise. Die Hunde müssen für die Rennen oft mehrere tausend Kilometer zurücklegen – und das natürlich in kürzester Zeit. Auf Verletzungen und Erschöpfung kann der Musher, wie der Schlitten-Fahrer genannt wird, keine Rücksicht nehmen. Aber es geht noch weiter. Hunde, die den Schlitten ziehen müssen, müssen besonders stark und ausdauernd sein. Schwächere Hunde werden daher bereits im Rahmen der Züchtung aussortiert. Viele werden verschenkt oder verkauft, vereinzelt gibt es sogar Fälle von gezielter Tötung. Fans von Schlittenhunderennen betonen jedoch immer wieder, dass ein echter Musher eine intensive Bindung zu seinen Hunden hat und nicht nur mit seiner Umwelt, sondern auch mit dem Tierreich im Einklang lebt.

Hendrik Stachnau aus Hamburg ist eigentlich studierter Betriebswirt, aber ebenso erfahrener und erfolgreicher Musher. Bereits dreimal nahm er am großen Schlittenhunderennen Polardistan teil. Vergangenes Jahr war er sogar Teilnehmer beim Yukon Quest, das als härtestes Schlittenhunderennen der Welt gilt. Mit insgesamt 14 Hunden legte er 1600 Kilometer über schneebedeckte und vereiste Landschaften zurück. Für Stachnau ist vor allem die Verbindung zu seinen Hunden besonders wichtig. Im Fokus steht für ihn das Verständnis der Rudel-Struktur, die Kommunikation mit seinen Hunden und vor allem ein respektierliches Miteinander. Um dieses Rennen und Stachnaus Verhältnis zu seinen Hunden dreht es sich im Dokumentarfilm „Voice of Nature“ von Margarete Gau. Dafür wurde Stachnau zum einen von einem Filmteam begleitet, bekam für einzelne Streckenabschnitte aber auch selbst eine Kamera mit, um das Faszinosum zu dokumentieren. Herausgekommen ist in der Tat ein beeindruckender Streifen über einen Musher und seine 14 Hunde, der ganz offensichtlich auch ethische Richtlinien ansetzt. Dennoch bleibt festzuhalten, dass Stachnau nur ein Musher von vielen ist, und nicht allen das Tierwohl wichtiger als ein Rennsieg scheint. „Voice of Nature“ zeigt die Sonnenseite des Schlittenhunderennens, gibt aber auch Anstoß, sich mit den Schattenseiten auseinanderzusetzen. Zu sehen ist der Dokumentarfilm heute im Apollo-Kino.

Sonntag, 2. Februar 2020:
„Voice of Nature“, Dokumentarfilm von Margarete Gau, CAN/D 2019, 90 min., Apollo-Kino, Limmerstraße 50, 30451 Hannover, Beginn: 20.15 Uhr, Eintritt: 7,50 Euro, ermäßigt: 6,50 Euro

(Foto: Filmplakat)

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Kategorien: Film, Sports, Tagestipps

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