Susanne Viktoria Haupt
12. Februar 2020

Auf den Straßen der Welt

Die Galerie für Fotografie lädt in der Eisfabrik mit ihrer Ausstellung „Theater des Lebens“ zum Flanieren um die Welt

Foto-Künstler Bernd Rodrian gibt einen Einblick ins Emirat Scharjah: „Schuhe vor einer Moschee“

Im vergangenen Jahr startete die Galerie für Fotografie, ansäßig in der Südstadt, einen Aufruf. Gesucht wurden Straßen-Fotografien, die Menschen im öffentlichen oder halb-öffentlichen Raum zeigen. Wichtig dabei war, dass die Menschen exemplarisch für den Ort stehen, an dem sie sich befinden. Wenn wir beispielsweise an Paris denken, sehen wir vor unserem geistigen Auge schöne Menschen lässig auf Café-Terassen sitzen. Sagt einer Wall Street, haben wir sofort den geschäftigen Banker kurz vor dem Burnout im Kopf. Oder aber Leonardo DiCaprio. Solche Motive einzufangen, gestaltet sich vielleicht einfach, wenn man konsequent den Klischees folgt, aber nicht, wenn man tatsächlich in den urbanen Lebensraum eintauchen und diesen darstellen möchte. Außerdem geht es hierbei eben nicht um konstruierte Momente, sondern um Authentizität. Das wussten schon große Straßen-Fotografen wie beispielsweise Eugène Atget, der sich seinerzeit dem urbanen Treiben der französischen Hauptstadt Paris angenommen hatte. Um den Kreis der Teilnehmenden auszuweiten, richtete sich der Aufruf der Galerie für Fotografie sinnvollerweise nicht nur an Profis, sondern auch an Hobby-Fotografinnen und -Fotografen. Das bedeutet aber keinesfalls, dass wir es bei der nun aktuell als Ergebnis der Aktivität der Südstädter Galerie zu sehenden Ausstellung mit einem niedrigeren Niveau zu tun haben, ganz im Gegenteil.

Dass man für Street Photography nicht ins Ausland fahren muss, beweist Fotograf Kay Michalak mit seiner Momentaufnahme aus der Hansestadt Bremen

Die Teilnehmenden der Ausstellung „Theater des Lebens“ überraschen mit qualitativ hochwertigen, sehr kreativen und vor allem beeindruckenden Fotografien. Es lässt sich keinesfalls sagen, welches Werk aus einer Profi-Hand kommt oder eben nicht. Gleichzeitig entführt uns „Theater des Lebens“ auf einen Rundgang um die Welt. Eingefangen wurden Momente, die nicht nur sinnbildlich einen bestimmten urbanen Raum wiedergeben, sondern gleichzeitig eine kurze Sequenz einer größeren Geschichte erzählen. Je länger man sich die Fotografien anschaut, desto intensiver und detaillierter werden die Storys, die sich dahinter verbergen können. Die Straße wird zur Bühne und wir schauen uns in der Galerie die Inszenierungen ihrer Stücke an. Folgende Künstlerinnen und Künstler sind Teil der Ausstellung: Reimund Belling, Petar Beres, René Budde, Christian Burkert, Daniel Chatard, Rui Miguel Cunha, Jesco Denzel, Thomas Deutschmann, Stefan Enders, Michael Galian, Emil Gataullin, Niklas Grapatin, Nonzuzo Gxekwa, Kirsten Haarmann, Nanna Heitmann, Rafael Heygster, Eva-Maria Horstick, Martynas Katauskas, Christoph Kellner, Silke Kirchhoff, Jens F. Kruse, Moises Levy, Konrad Lippert, Rudi Meisel, Kay Michalak, Jan Michalko, Gustavo Minas, Jörg Modrow, Fabian Mondl, Jörg Müller, Sascha Niethammer, Rolf Nobel, Dirk Opitz, Boris Register, Bernd Reinert, Bernd Rodrian, Frank Röth, Henner Rosenkranz, Frank Schinski, Michael Schoberth, Fabian Schreyer, Frank Silberbach, Ole Spata, Rob Stothard, Jürgen Strasser, Marylise Vigneau, Kay von Aspern, Martin von den Driesch, Patrick Wendt, Isabel Winarsch, Adam Wist, Yi Yin und Jan Zychlinski.

Mittwoch, 12. Februar 2020:
„Theater des Lebens“, Foto-Ausstellung, Vernissage, Galerie für Fotografie Hannover, Eisfabrik, Seilerstraße 15d, 30171 Hannover, Beginn: 19 Uhr, Eintritt frei

  • Die Ausstellung „Theater des Lebens“ ist noch bis zum 15. März zu sehen
  • Öffnungszeiten: Do bis So 12-18 Uhr
  • Eintritt frei

(Foto: Pressefoto/Galerie für Fotografie/Bernd Rodrian (1)/Kay Michalak (2))

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Kategorien: Kunst, Tagestipps

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